Ein Oximeter am Fuß eines Säuglings unter UV-Licht.
Ein Oximeter am Fuß eines Säuglings unter UV-Licht.

Einige angeborene Herzfehler, also Fehlbildungen am Herzen oder an herznahen Gefäßen, können nach der Geburt schnell zu lebensbedrohlichen Störungen des Herz-Kreislauf-Systems führen. Solche kritischen angeborenen Herzfehler (kAHF) kommen in Deutschland bei etwa einem von 1000 Kindern vor. Je früher sie diagnostiziert werden, desto besser lassen sich Folgeschäden und Todesfälle durch eine frühzeitige Behandlung verhindern.

Bei den Routineuntersuchungen bleiben kritische Herzfehler unentdeckt

In Deutschland werden bei der ersten und zweiten klinischen Untersuchung nach der Geburt (U1 und U2) regelmäßig auch Herz und Pulsschlag von Neugeborenen überprüft. Bei einem auffälligen Befund wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um einen möglichen Herzfehler abzuklären.

Doch ein Fünftel bis ein Viertel der kritischen angeborenen Herzfehler wird bei der U1 und der U2 nicht erkannt. Diese diagnostische Lücke soll die zusätzliche Pulsoxymetrie schließen: Über die Haut werden dabei die Sauerstoffsättigung des kindlichen Blutes und die Pulsfrequenz gemessen.

Sechs Studien wurden ausgewertet

Gesunde Neugeborene haben durch diese nicht invasive Untersuchung keinen Nachteil. Ein auffälliger pulsoxymetrischer Befund kann allerdings auch ein Zeichen für andere Erkrankungen sein, etwa eine Lungenerkrankung. Deren Diagnose kann zu diesem frühen Zeitpunkt möglicherweise unnötige Untersuchungen und Behandlungen auslösen.

In die nunmehr abgeschlossene Nutzenbewertung gingen insgesamt sechs Studien ein: eine vergleichende Interventionsstudie und fünf Studien zur Bewertung der diagnostischen Güte. Diese Testgüte-Studien kamen für die Bewertung infrage, weil davon auszugehen ist, dass eine frühzeitige Diagnose und Therapie der kAHF Komplikationen und Todesfälle verhindern kann.

Ergebnis der Studie ist noch unklar

Die Interventionsstudie verglich klinische Routineuntersuchungen Neugeborener mit und ohne ergänzendes Pulsoxymetrie-Screening. In der Interventionsgruppe war der Anteil von Neugeborenen, bei denen ein kAHF festgestellt wurde, etwas höher (0,13 Prozent) als in der Kontrollgruppe (0,10 Prozent). Außerdem traten schwere präoperative Azidosen (Übersäuerungen des Blutes) als weitere Anzeichen für eine Unterversorgung mit Sauerstoff deutlich seltener auf als in der Kontrollgruppe.

Diese Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass ein zusätzliches Pulsoxymetrie-Screening die krankheitsbedingte Morbidität bei Neugeborenen mit kAHF verringert. Da die Studie nicht randomisiert war und man Störfaktoren (Confounder) nicht ausschließen kann, lässt sich aus ihr allein aber kein Nutzen der Intervention ableiten.

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