Ort sucht Arzt
Das von der KV RLP ein­ge­rich­te­te Por­tal „Ort sucht Arzt“.Mar­co Di Bel­la; Prykhodov/Dreamstime.com

Allein zwi­schen Novem­ber 2014 und Juni 2015 ist die Zahl der offe­nen Haus­arzt­sit­ze von 82,5 auf 93 gestie­gen. Lan­des­weit feh­len Haus­ärz­te, der­zeit in 25 der 51 haus­ärzt­li­chen Pla­nungs­re­gio­nen, im Novem­ber 2014 waren noch 23 Regio­nen betrof­fen. Hin­zu kom­men aktu­ell noch 50 offe­ne Fach­arzt­sit­ze. 19 haus­ärzt­li­che Pla­nungs­be­rei­che, so genann­te Mit­tel­be­rei­che, blie­ben auch nach der jüngs­ten Bedarfs­er­mitt­lung geöff­net. Dort wer­den wei­ter­hin ins­ge­samt 80,5 Haus­ärz­te gesucht.

Nur in drei Pla­nungs­re­gio­nen ist es gelun­gen, die ins­ge­samt 2,5 noch offe­nen Haus­arzt­sit­ze wie­der zu beset­zen, so dass die Pla­nungs­re­gio­nen für eine zusätz­li­che Nie­der­las­sung geschlos­sen wur­den. Der unab­hän­gi­ge Lan­des­aus­schuss der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen ist zustän­dig für die Öff­nung oder Sper­rung von Regio­nen für eine Nie­der­las­sung oder Anstel­lung von Ärz­ten. Ermit­telt wird der Ver­sor­gungs­grad aus dem Ver­hält­nis zwi­schen der Zahl der Ärz­te und der Zahl der Ein­woh­ner einer Pla­nungs­re­gi­on.

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Ärztemangel trifft ländliche Regionen besonders hart

Vor dem Hin­ter­grund der wei­ter wach­sen­den Zahl offe­ner Arzt­sit­ze warnt Dr. Peter Heinz, haus­ärzt­li­cher und stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der der KV RLP, vor aku­ten Ver­sor­gungs­eng­päs­sen in ein­zel­nen Regio­nen in den nächs­ten Jah­ren: „Der Ärz­te­man­gel betrifft nicht nur länd­li­che Regio­nen. Auch in städ­ti­schen und stadt­na­hen Bezir­ken wer­den der­zeit Haus­ärz­te gesucht. Die Aus­wir­kun­gen des Ärz­te­man­gels tref­fen aller­dings die Men­schen in stadt­fer­nen Regio­nen ungleich här­ter.“

In Städ­ten kön­nen laut Dr. Heinz die Pati­en­ten von nicht nach­be­setz­ten Pra­xen der­zeit noch eher von wei­ter­hin prak­ti­zie­ren­den Kol­le­gen auf­ge­fan­gen wer­den. „Wenn es aber nicht gelingt, wie­der mehr jun­ge Ärz­te für die ambu­lan­te Ver­sor­gung zu gewin­nen, wer­den auch im städ­ti­schen Umfeld Ver­sor­gungs­eng­päs­se immer deut­li­cher spür­bar.“

„Ort sucht Arzt“ soll Ärzte in Gemeinden vermitteln

Seit Anfang Mai kön­nen sich rhein­land-pfäl­zi­sche Gemein­den, die jetzt oder in Kür­ze beson­ders drin­gend einen Haus- oder Fach­arzt suchen, auf der Web­site der KV RLP unter Ort „sucht Arzt“ prä­sen­tie­ren. Ärz­te, die sich nie­der­las­sen möch­ten, kön­nen so direkt mit den Gemein­den in Kon­takt tre­ten. Unter www.ort-sucht-arzt.de haben bis­lang Gemein­den aus 19 der 51 haus­ärzt­li­chen Pla­nungs­be­rei­chen in Such­an­non­cen ver­öf­fent­licht. Elf die­ser Mit­tel­be­rei­che sind der­zeit geöff­net, so dass sich Haus­ärz­te direkt nie­der­las­sen kön­nen. In acht die­ser Mit­tel­be­rei­che wer­den in Kür­ze Haus­arzt­sit­ze frei; hier begin­nen die Gemein­den bereits jetzt mit der Nach­fol­ger­su­che.

Dr. Sig­rid Ultes-Kai­ser, Vor­stands­vor­sit­zen­de der KV RLP, bewer­tet „Ort sucht Arzt“ als wei­te­re Hil­fe für Gemein­den im Wett­be­werb um die knap­per wer­den­de Res­sour­ce Arzt und Psy­cho­the­ra­peut. Sie weist jedoch dar­auf hin, „dass sich ohne einen grund­le­gen­den Para­dig­men­wech­sel im deut­schen Gesund­heits­we­sen, der sowohl einen spür­ba­ren Büro­kra­tie­ab­bau als auch eine ech­te Steue­rung der Inan­spruch­nah­me ärzt­li­cher und psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Leis­tun­gen und damit eine Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen für Ärz­te und Psy­cho­the­ra­peu­ten mit sich bringt, zukünf­tig nicht mehr genü­gend jun­ge Men­schen für eine Nie­der­las­sung ent­schei­den wer­den.“