Das Stigma psychisch Krankheit belastet die Betroffenen zusätzlich.
Psy­chi­sche Erkran­kun­gen wer­den noch immer stig­ma­ti­siert.

Eine aktu­el­le Stu­die einer For­scher­grup­pe aus Greifs­wald, Regens­burg, Caglia­ri (Ita­li­en) und New York zeigt, dass ein ein­fa­cher Infor­ma­ti­ons­text zu den Über­gän­gen zwi­schen psy­chi­scher Krank­heit und psy­chi­scher Gesund­heit die Ein­stel­lun­gen zu Men­schen mit psy­chi­schen Krank­hei­ten erheb­lich ver­bes­sert.

„Häu­fig wer­den die Unter­schie­de zwi­schen psy­chi­scher Gesund­heit und Krank­heit betont, es wird so getan als ob es sich um zwei völ­lig ver­schie­de­ne Zustän­de han­delt. Tat­säch­lich sehen wir aber flie­ßen­de Über­gän­ge. Epi­de­mio­lo­gi­sche Stu­di­en zei­gen, dass fast alle Men­schen ein­zel­ne Sym­pto­me von psy­chi­schen Krank­hei­ten erle­ben – erst wenn meh­re­re Sym­pto­me zusam­men­kom­men und einen gewis­sen Schwe­re­grad errei­chen, spricht man von einer Krank­heit“, so PD Dr. Georg Schome­rus von der Kli­nik und Poli­kli­nik für der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald. Er hat die Stu­die gelei­tet.

In der Online-Stu­die leg­ten die For­sche­rin­nen und For­scher ins­ge­samt 1.600 Ver­suchs­per­so­nen ent­we­der einen Text vor, der das Kon­ti­nu­um von psy­chi­scher Gesund­heit und Krank­heit erklärt, oder einen Text, der die Unter­schie­de zwi­schen bei­den Zustän­den betont. Eine drit­te Grup­pe erhielt kei­nen Text. Anschlie­ßend beant­wor­te­ten die Pro­ban­den Fra­gen zu einer Per­son, die ent­we­der an einer schwe­ren oder an einer Schi­zo­phre­nie litt. Die Infor­ma­ti­on über das Kon­ti­nu­um psy­chi­scher Gesund­heit führ­te dazu, dass die Ver­suchs­per­so­nen die erkrank­te Per­son als deut­lich weni­ger anders­ar­tig wahr­nah­men und eher bereit waren, mit der Per­son in per­sön­li­chen Kon­takt zu tre­ten.

Das Stigma ist wie eine zweite Krankheit

„Das Stig­ma psy­chi­scher Krank­heit hat sich als sehr hart­nä­ckig her­aus­ge­stellt. Umso ermu­ti­gen­der ist es, dass wir mit sach­li­chen Infor­ma­tio­nen über das Kon­ti­nu­um psy­chi­scher Gesund­heit die Ein­stel­lun­gen zu Betrof­fe­nen ver­bes­sern konn­ten“, so Stu­di­en­lei­ter Schome­rus. Tat­säch­lich zei­gen lang­fris­ti­ge Unter­su­chun­gen in Deutsch­land und ande­ren Län­dern, dass ins­be­son­de­re die Ableh­nung von Men­schen mit schwe­ren psy­chi­schen Krank­hei­ten in den letz­ten Jah­ren eher noch zuge­nom­men hat. Neue Ansät­ze bei der Bekämp­fung des Stig­mas sind des­halb drin­gend not­wen­dig.

Stig­ma wird auch als ‚zwei­te Krank­heit’ bezeich­net, weil es eine schwe­re zusätz­li­che Belas­tung für Men­schen mit psy­chi­schen Krank­hei­ten dar­stellt. Das Stig­ma kann Sui­zi­da­li­tät ver­stär­ken und die Pro­gno­se psy­chi­scher Krank­hei­ten ver­schlech­tern. Vie­le Betrof­fe­ne zögern not­wen­di­ge Hil­fe in Anspruch zu neh­men, weil sie Ableh­nung und Dis­kri­mi­nie­rung befürch­ten.