Entbindung durch eine Sectio.
Bei dem heute 9 Jahre alten Kläger wurde sich bei seiner Geburt für eine Sectio entschieden.

Sachverhalt

Bei dem Kläger, vertreten durch seine Eltern, handelt es sich um einen 9 Jahre alten Jungen aus dem Kreis Höxter. Er wurde 2007 in einem Krankenhaus in Paderborn geboren. Die beklagten Ärzte entschieden sich in seinem Fall für eine Sectio (Schnitt zur operativen Entbindung), nachdem die Mutter bereits für mehrere Stunden im Kreißsaal war und je zeitweise durch eine Cardiotocographie (CTG) überwacht wurde. Über diesen Eingriff wurde die Mutter des Jungen aufgeklärt. Der Junge wurde mit einer Nabelschnurumschlingung entbunden und erlitt eine hypoxische Hirnschädigung (Sauerstoffmangel im Gehirn). Dies hatte zur Folge, dass der heute 9 Jahre alte Junge unter Epilepsie leidet und allgemeine Entwicklungsstörungen aufzeigt. Diese äußern sich in Form von sprachlichen, motorischen sowie intellektuellen Einschränkungen.

Das Krankenhaus und die damals behandelnden Ärzte wurden auf Schmerzensgeld verklagt. Streitpunkt war, inwiefern die Betreuung der Mutter, sprich die Überwachung durch eine CTG, unzureichend war und ob die Entscheidung zur Sectio hätte früher gefällt werden müssen.

Entscheidung

Dem Urteil zufolge sind den Ärzten mehrere Behandlungsfehler unterlaufen. So hätte eine Überwachung mittels einer Dauer-CTG erfolgen müssen und schon nach der zweiten CTG wäre eine dauerhafte ärztliche Betreuung mit halbstündiger Kontrolle von Nöten gewesen. So hätte die Entscheidung für eine Sectio schon früher gefällt werden können, die ohnehin bereits nach der ersten CTG hätte erfolgen sollen. Es handelt sich dabei um grobe Behandlungsfehler, sodass hier eine Beweislastumkehr zugunsten der Kläger eintritt.

Erstinstanzlich wurde dem Kläger vom Landgericht Paderborn (Az.: 4 O 70/14) ein Schmerzensgeld in Höhe von 175.000 Euro zugesprochen. Der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat diesen Betrag in seinem Urteil vom 04. April 2017 (Az.: 26 U 88/16) auf 250.000 Euro erhöht. Entscheidend waren dabei die gravierenden Folgen der Behandlungsfehler und die starken Einschränkungen, die der Kläger einbüßen muss. Allen Einschätzungen nach, wird er geistig niemals über die Stufe eines sieben- bis achtjährigen Kindes hinauskommen. Auch wird er nicht ohne Hilfe allein leben können und voraussichtlich im höheren Alter seine kognitiven Defizite gegenüber anderen Menschen feststellen. Den Einschätzungen der Sachverständigen zufolge, wird dies zu einem erhöhten Leidensdruck führen.

 

 

Quelle:

OLG Hamm