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Schnarcher und Schläfer.
Auch Justizia musste sich schon mit Schnarchern und Schläfern auseinandersetzen.

Die neuen Mieter einer Altbauwohnung waren unter der Bedingung eingezogen, dass die Wohnung ruhig sei. Schon in der ersten Nacht störte jedoch massiv das Schnarchen der Nachbarn, sodass die Mieter kündigten und ihren baldigen Auszug bekanntgaben. Das Amtsgericht Bonn erklärte die Kündigung für unwirksam, denn in einer Altbauwohnung müsse man mit schlechterer Schalldämmung rechnen. Auch widerspreche das Schnarchen der Nachbarn nicht der Charakterisierung der Wohnung als ruhig. (AG Bonn vom 25.3.2010, Az. 6 C 598/08)

Ebenfalls in den eigenen vier Wänden spielte sich folgendes Schnarch-Drama ab: Weil ihn die eigene Ehefrau wegen Schnarchen aus dem gemeinsamen Schlafzimmer vertrieben hatte, darf ein Vermieter Eigenbedarf auf die Wohnung im Haus anmelden, die ihm gehört und die vermietet ist. Das entschied das Amtsgericht Sinzig. Die Mieter der zweiten Wohnung hatten das Nachsehen. (AG Sinzig vom 6.5.1998, Az.: 4 C 1096/97)

Auch über den Wolken ist man vor Schnarchern nicht sicher. Eine Touristin der Business Class zog vor das Amtsgericht Frankfurt am Main, um den Aufpreis für die Klasse erstattet zu bekommen. Der Grund: ein schnarchender Mitreisender. Das Gericht entschied jedoch, dass ein Schnarcher “klassenunabhängig” sei und auch in der Business Class vorkommen könne. Daraus begründe sich kein Entschädigungsanspruch. (AG Frankfurt/Main vom 24.6.2006, Az.: 31 C 842/01-83)

Nicht nur mit Schnarchern sondern auch mit Schläfern haben sich deutsche Gerichte schon beschäftigt. Eine Gastwirtin schläft erschöpft an einem Tisch ein, fällt um und bricht sich die Nase. Wer bezahlt für die Heilung des Nasenbruchs? Die Richter des Sozialgerichts Dortmund entschieden, dass es sich um einen Arbeitsunfall handelt und dass dementsprechend die Unfallversicherung einspringen muss. Diese hatte ihre Verantwortung zuvor abgelehnt. Im Netz kursiert auch die Meldung, der Nasenbruch sei einem Beamten passiert, der eingeschlafen sei. (SG Dortmund vom 22.9.1998, Az.: S 36 U 294/97)

Auch einen vermeintlich schlafenden Richter hat Deutschland schon gesehen. Die streitenden Parteien gingen deswegen in die nächste Instanz. Das Bundesverwaltungsgericht wollte die Geschichte mit dem Schlafen aber nicht glauben und legte Kriterien fest, nach denen man das Schlafen des Richters habe erkennen können. Eine genickte Kopfhaltung und spontanes Aufmerken gehörten jedenfalls nicht dazu. Am Ende urteilte das Gericht, dass der Richter wohl nur aufmerksam zugehört habe. Anwesend gewesen sei er auf jeden Fall. (BVerwG vom 15.11.2004, Az.: 7 B 56.04)

Quellen: anwaltskanzlei-dr-zecher.de, advopedia.de, justillon.de, spiegel.de, focus.de, suedkurier.de