(v.l.n.r.): Prof. Dr. med. Joachim Dissemond, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Essen; Dr. Karl-Christian Münter, Facharzt für Allgemeinmedizin/Phlebologie, Hamburg; Björn Jäger, Vorstandsmitglied und Pressesprecher Initiative chronische Wunden e. V.; Werner Sellmer, Fachapotheker für klinische Pharmazie, Vorstandsmitglied Wundzentrum Hamburg e.V.
(v.l.n.r.): Prof. Dr. med. Joa­chim Dis­se­mond, Kli­nik und Poli­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Venero­lo­gie und All­er­go­lo­gie, Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Essen; Dr. Karl-Chris­ti­an Mün­ter, Fach­arzt für Allgemeinmedizin/Phlebologie, Ham­burg; Björn Jäger, Vor­stands­mit­glied und Pres­se­spre­cher Initia­ti­ve e. V.; Wer­ner Sell­mer, Fach­apo­the­ker für kli­ni­sche Phar­ma­zie, Vor­stands­mit­glied Wund­zen­trum Ham­burg e.V.

Aku­te und sind prin­zi­pi­ell infek­ti­ons­ge­fähr­det, lau­te­te das Cre­do einer Podi­ums­dis­kus­si­on auf dem 11. Inter­dis­zi­pli­nä­ren Wund­Con­gress (IWC) in Köln. Die Exper­ten­run­de rück­te die medi­zi­ni­schen, pfle­ge­ri­schen, phar­ma­ko­lo­gi­schen und ver­gü­tungs­recht­li­chen Aspek­te der Stra­te­gien zur Bekämp­fung von mul­ti­re­sis­ten­ten Erre­gern und nos­o­ko­mia­len Infek­tio­nen im Wund­ma­nage­ment in den Fokus der Betrachtung.[1]

Besteht eine kli­nisch mani­fes­te Wund­in­fek­ti­on, muss die­se in jedem Fall the­ra­piert wer­den. Nach einer sorg­fäl­ti­gen Indi­ka­ti­ons­stel­lung kön­nen dann anti­mi­kro­biel­le Sub­stan­zen zum Ein­satz gebracht wer­den, deren Aus­wahl sich prin­zi­pi­ell nach Art und Loka­li­sa­ti­on der Wun­de richtet.[2] Eine Opti­on ist der Ein­satz von sil­ber­hal­ti­gen Wund­ver­sor­gungs­pro­duk­ten. Die bak­te­ri­zi­den Eigen­schaf­ten von sil­ber­hal­ti­gen Wund­ver­sor­gungs­pro­duk­ten bewir­ken einen güns­ti­gen anti­bak­te­ri­el­len Effekt in der Ver­sor­gung von kri­tisch kolo­ni­sier­ten, infi­zier­ten aku­ten und chro­ni­schen Wun­den. Dem steht die Mei­nung gegen­über, dass der Kon­takt mit ioni­schem oder nano­par­ti­ku­lä­rem zu einer Stress­re­ak­ti­on füh­ren kann.[3]

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Vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len Ver­sor­gungs­la­ge in Fol­ge des Rechts­strei­tes zwi­schen dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit (BMG) und dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (G‑BA) um die neue Ver­band­mit­tel­de­fi­ni­ti­on und die damit ein­her­ge­hen­de Beschlusslage[4] ste­hen even­tu­ell auf­tre­ten­de Hemm­nis­se in der Ver­ord­nung und Ver­sor­gung mit Ver­band­mit­teln, die anti­mi­kro­biell im Sin­ne einer bakteriziden/bakteriostatischen auf phar­ma­ko­lo­gi­schen Wir­kun­gen basie­ren­den Eigen­schaf­ten wir­ken, auf dem Prüf­stand der Selbstverwaltung.

Evidenzlage von silberhaltigen Wundprodukten

In die­sem Kon­text nimmt die For­de­rung nach einer evi­denz­ba­sier­ten Stu­di­en­la­ge für den Wirk­sam­keits­nach­weis der anti­mi­kro­biel­len Wund­auf­la­gen mit anti­sep­ti­schen Wirk­prin­zi­pi­en eine zen­tra­le Posi­ti­on ein. So erkennt der Apo­the­ker Wer­ner Sell­mer den Ein­satz von in der im Kern an, ver­langt jedoch eine Stan­dar­di­sie­rung der Pro­duk­te und die ent­spre­chen­den Wir­kungs­nach­wei­se. Grund­sätz­lich ist jedoch eine sol­che Stan­dar­di­sie­rung schwer fest­zu­le­gen, da jede Wund­be­hand­lung indi­vi­dua­li­siert auf die zu behan­deln­de Wun­de und die Beglei­ter­kran­kun­gen des Pati­en­ten anzu­pas­sen ist.

Prof. Dr. Joa­chim Dis­se­mond sieht dem­ge­gen­über schon heu­te den Nut­zen von Sil­ber­pro­duk­ten in Stu­di­en belegt.[5] Wenn­gleich ihm Bei­spie­le für feh­ler­haf­te Anwen­dun­gen mit nega­ti­ven Kon­se­quen­zen für die Pati­en­ten bekannt sind, sind sei­ne kli­ni­schen Anwen­dun­gen mit sil­ber­hal­ti­gen Wund­ver­bän­den mit sehr guten Erfah­run­gen belegt. Auch Dr. Karl-Chris­ti­an Mün­ter und Björn Jäger stel­len ihre posi­ti­ven Anwen­dungs­er­fah­run­gen in den Vor­der­grund, nach denen die Bei­be­hal­tung der Erstat­tungs­fä­hig­keit der sil­ber­hal­ti­gen Wund­auf­la­gen not­wen­dig ist. Bei­de ver­fü­gen über einen guten und belast­ba­ren Fun­dus an Fall­dar­stel­lun­gen für ein wirk­sa­mes Infekt­ma­nage­ment mit sil­ber­hal­ti­gen Wund­auf­la­gen. Mit dem Blick auf die der­zei­ti­ge Situa­ti­on der Kos­ten­über­nah­me für Sil­ber-Wund­ver­bän­de wird von bei­den die Bedeu­tung der Doku­men­ta­ti­on der Wund­be­hand­lung und der Erfolgs­kon­trol­le her­vor­ge­ho­ben, um den Kran­ken­kas­sen und Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen die Kos­ten der hin­rei­chend bele­gen zu können.

In jedem Fall soll­te die Anwen­dung immer prag­ma­tisch sein und sich an den Gege­ben­hei­ten und the­ra­peu­ti­schen Not­wen­dig­kei­ten ori­en­tie­ren. Eine Über­ver­sor­gung nutzt den Pati­en­ten nicht. Aus Selbst­schutz und aus Ver­ant­wor­tung gegen­über den Pati­en­ten soll­te in der Behand­lung die Anwen­der­re­strik­tio­nen beach­tet werden.

[1] Refe­ren­ten: Wer­ner Sell­mer, Fach­apo­the­ker für kli­ni­sche Phar­ma­zie, Vor­stands­mit­glied Wund­zen­trum Ham­burg e.V.; Prof. Dr. med. Joa­chim Dis­se­mond, Kli­nik und Poli­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Venero­lo­gie und All­er­go­lo­gie, Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Essen; Dr. Karl-Chris­ti­an Mün­ter, Fach­arzt für Allgemeinmedizin/Phlebologie, Ham­burg; Björn Jäger, Vor­stands­mit­glied und Pres­se­spre­cher Initia­ti­ve chro­ni­sche Wun­den e. V.

[2] Kra­mer, A.: Kran­ken­haus- und Pra­xis­hy­gie­ne, S. 15 u. 263.

[3] Zum Mei­nungs­stand: Schanz, M.; „Sil­ber­hal­ti­ge Ver­band­mit­tel: Güns­ti­ge oder ungüns­ti­ge bak­te­ri­el­le Wech­sel­wir­kung?“. In: Rechts­de­pe­sche, 2018, S. 152.

[4] Vgl. Schanz, M.: „Kom­pe­tenz­streit zwi­schen Poli­tik und Selbst­ver­wal­tung“. In: Rechts­de­pe­sche 2018, S. 260.

[5] Böttrich JG, Braun­warth H, Dis­se­mond J, Mün­ter K‑C, Schüm­mel­fe­der F, Wil­ken P (2018): „Best Prac­ti­ce zu Sil­ber-Wund­ver­bän­den – Ergeb­nis­se einer Exper­ten­um­fra­ge mit dem Ziel einer Kon­sen­tie­rung.“ In: WUND­ma­nage­ment 2018 [in Druck] und dieglei­chen: „Lokalthe­ra­pie von infi­zier­ten Wun­den mit Sil­ber-Auf­la­gen – nach wie vor aktu­ell“. In: Rechts­de­pe­sche 2018, S. 320.