SPD
Auch die Sozi­al­de­mo­kra­ten wol­len die Pfle­ge nach vor­ne brin­gen in ihrem Wahlprogramm

Bessere Entlohnung, bessere Arbeitsbedingungen

Die Ver­bes­se­rung der Arbeits- und Lohn­ver­hält­nis­se in der Pfle­ge sei laut SPD dring­li­cher denn je. Denn für die schwe­re Arbeit, die Pfle­ge­kräf­te kör­per­lich und geis­tig abver­langt wird, erhal­ten die Fach­kräf­te wie­der­um nur sehr unat­trak­ti­ve Löh­ne. Dabei hängt die Exis­tenz und die fami­liä­re Ver­sor­gung vie­ler Pfle­ge­kräf­te von ihrem Lohn ab. Fol­gen­de Punk­te schlägt die SPD in ihrem Wahl­pro­gramm zur Ver­bes­se­rung der Arbeits­si­tua­ti­on des Pfle­ge­per­so­nals vor:

  • Tarif­li­che Bezah­lung: Die poli­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen für eine bun­des­wei­te traif­li­che Bezah­lung in der Pfle­ge sei­en mit dem Gesetz für bes­se­re Löh­ne in der Pfle­ge bereits geschaf­fen wor­den. Jetzt gilt es laut SPD, die Bezah­lung nach Tarif­ver­trag oder Arbeits­ver­trags­richt­li­ni­en des kirch­li­chen Bereichs als Bedin­gung für die Zulas­sung einer Pfle­g­ein­rich­tung nach dem SGB XI fest­zu­ma­chen. Damit ist auch die Refi­nan­zie­rung der Pfle­ge direkt an das Bestehen der Tarif­ver­trä­ge gekoppelt.

Die SPD unter­stützt jeg­li­che Sozi­al­part­ner, die für eine tarif­li­che Ent­loh­nung in der Pfle­ge kämp­fen. „Orts­üb­li­che Löh­ne“ sol­len hin­ge­gen kom­plett weg­fal­len, da sie das Tarif­lohn­ni­veau nur unter­gra­ben wür­den. Soll­ten künf­tig alle Pfle­ge­an­bie­ter Tarif­löh­ne zah­len, um von der Pfle­ge­kas­se ihre Leis­tun­gen erstat­tet zu bekom­men, käme dies laut SPD etwa einer hal­ben Mil­li­on Pfle­ge­kräf­te zugu­te. In die Pla­nun­gen invol­viert sind dabei alle Tarif­ver­trä­ge, die mit Gewerk­schaf­ten aus­ge­han­delt sind, also sowohl flä­chen­de­cken­de als auch regio­na­le oder Haustarifverträge.

  • Ein­heit­li­che Per­so­nal­be­mes­sung und fle­xi­ble Arbeits­zei­ten: Auch die Arbeits­zei­ten sol­len künf­tig ver­bes­sert wer­den. Ver­bind­li­che Arbeits- und Ruhe­zei­ten sowie fami­li­en­freund­li­che Arbeits­zeit­mo­del­le zur Ver­ein­bar­keit von Beruf und Pri­vat­le­ben sol­len zukünf­tig Ein­zug in die Pfle­ge erhal­ten. Hier­für sol­len geteil­te Diens­te abge­schafft und statt­des­sen „Sprin­ger­pools“ mit poten­zi­el­len Ver­tre­tungs- oder Ergän­zungs­kräf­ten zum fle­xi­ble­ren Per­so­nal­ein­satz ein­ge­führt wer­den. Da eine attrak­ti­ve Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on für klei­ne­re Pfle­ge­an­bie­ter häu­fig schwer zu rea­li­sie­ren ist, will die SPD hier hel­fend zur Sei­te ste­hen, bei­spiels­wei­se durch die För­de­rung von Koope­ra­tio­nen zwi­schen sta­tio­nä­ren und ambu­lan­ten Pflegediensten.

Um eine wür­de­vol­le, qua­li­täts­ge­treue, zeit­auf­wän­di­ge und selbst­be­stimm­te Pfle­ge zu ermög­li­chen, will die SPD weg von indi­vi­du­el­len Bemes­sun­gen der Per­so­nal­de­cke und die­se durch eine ein­heit­li­che, auf Wis­sen­schaft fußen­de, bedarfs­ori­en­tier­te Per­so­nal­be­mes­se­ung in allen Pfle­ge­be­ri­chen eta­blie­ren und umset­zen. So soll zukünf­tig mehr Per­so­nal pro pfle­ge­be­dürf­ti­gem Men­schen zur Ver­fü­gung stehen.

  • Mehr Durch­läs­sig­keit zwi­schen den Beru­fen und bes­se­re Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten: Die SPD for­dert eine zuneh­men­de Wei­ter­bil­dung der ein­zel­nen Berufs­bil­der in der Pfle­ge bis hin zur Heil­kun­de­über­tra­gung, um mehr Durch­läs­sig­keit und Fle­xi­bi­li­tät zwi­schen den ein­zel­nen Pfle­ge­be­ru­fen zu schaf­fen (auch für Hilfs- und Assis­tenz­kräf­te). Es gebe kei­ne Argu­men­te dafür, dass Pfle­ge­kräf­te nicht alles machen dür­fen, wofür sie schließ­lich aus­ge­bil­det wur­den. Eine zuneh­men­de Dele­ga­ti­on und die Über­tra­gung von pfle­ge­ri­schen Auf­ga­ben auf „mehr“ Per­so­nal ist das von der SPD ange­streb­te Ziel der Wei­ter­bil­dun­gen in der Pflege.

Eben­falls auf der Agen­da steht die För­de­rung von Fort­bil­dun­gen und Pfle­ge­stu­di­en­gän­gen. Die­se sol­len den ange­hen­den Pfle­ge­kräf­ten bes­se­re Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten und mehr Arbeit mit den Pati­en­ten und Bewoh­nern ermög­li­chen. Die Stu­di­en­ab­sol­ven­tIn­nen sol­len nach ihrer Gra­du­ie­rung nicht mehr „weg vom Bett“, son­dern rein ins Pra­xis­ge­sche­hen. Seit dem 1.1.2020 besitzt die Pfle­ge­aus­bil­dung bereits eine Schuld­geld­frei­heit – dies soll künf­tig auch für Wei­ter­bil­dun­gen gelten.

  • Weni­ger Büro­kra­tie: Doku­men­ta­ti­ons­ar­beit in Papier­form soll in der Pfle­ge nur noch auf das Nötigs­te redu­ziert wer­den. Statt­des­sen sol­len die Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se in der Pfle­ge wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den, um die Pfle­ge­kräf­te zu unter­stüt­zen. Mehr Digi­ta­li­sie­rung für bes­se­re Kom­mu­ni­ka­ti­on, Sicher­heit, Betei­li­gung, Ver­net­zung und Ent­las­tung, so die Devise.
  • Mehr Mit­be­stim­mung und bes­se­re Vetre­tung der Pfle­ge­kräf­te: Die Inter­es­sens­ver­tre­tung von Pfle­ge­kräf­ten als größ­te im Gesund­heits­we­sen täti­ge Berufs­grup­pe sei laut SPD ver­gleichs­wei­se schwach. Dies soll sich ändern: Pfle­ge­kräf­te sol­len selbst­be­wuss­ter auf­tre­ten, ihre Inter­es­sen poli­ti­scher wer­den. Die Pfle­ge soll in Ent­schei­dungs­gre­mi­en auf Bun­des- und Län­der­be­ne stär­ker ver­tre­ten sein.
  • Aus­län­di­sche Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­te: Die Zahl der zuge­wan­der­ten oder aus dem Aus­land ange­wor­be­ne Pfle­ge­kräf­te ist in den letz­ten Jah­ren gestie­gen. Dies bie­te laut SPD viel­ver­spre­chen­de Chan­cen für Ver­än­de­run­gen in der Pfle­ge, sei es im Bereich der Arbeits­tei­lung oder der Delegation.Die Her­aus­for­de­rung der The­ma­tik besteht bei der Inte­gra­ti­on der Fach­kräf­te. Die SPD for­dert daher eine geziel­te Unter­stüt­zung neu­er, aus­län­di­scher Pfle­ge­kräf­te, um Kon­flik­te und Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den und sie an die beruf­li­chen Gege­ben­hei­ten, die sich zum Teil von denen in ihrer Hei­mat unter­schei­den, zu gewöhnen.Auch der Ein­satz von zuge­wan­der­ten Pfle­ge­kräf­ten in der häus­li­chen Pfle­ge soll ver­bes­sert wer­den. Häu­fig stel­len die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen jene Pfle­ge­kräf­te als Ergän­zung zur ambu­lan­ten Pfle­ge ein, nicht sel­ten zu kno­chen­har­ten Arbeits­be­din­gun­gen, wie in der 24-Stun­den-Pfle­ge. Hier will die SPD anset­zen und die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen dahin­ge­hend unter­stüt­zen, dass sie lega­le und sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se anbie­ten kön­nen. Ergän­zend dazu sol­len die Rech­te und Pflich­ten bei­der Par­tei­en eines sol­chen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses trans­pa­rent und auf­klä­rend kom­mu­ni­ziert und gere­glt wer­den. Eine wich­ti­ge Rol­le bei der Auf­klä­rung soll dabei den Ver­mitt­lungs­agen­tu­ren zukom­men, die für die Inte­gra­ti­on der Zuge­wan­der­ten ver­ant­wort­lich sind. In einem Miss­brauchs­fall soll dar­über auch eine unkom­pli­zier­te und schnel­le Ände­rung des Arbeits­ver­hält­nis­ses mög­lich sein.

Pflege muss bezahlbar sein – mit neuer Pflegeversicherung?

Mehr Per­so­nal, höhe­re Löh­ne und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen haben eine Vor­aus­set­zung gemein­sam: Sie benö­ti­gen mehr Geld. Die SPD will zu die­sem Zwe­cke eine neue Finan­zie­rungs­me­tho­dik eta­blie­ren, inklu­si­ve einer Decke­lung der Eigen­an­tei­le und bezahl­ba­ren Pfle­ge- und Versorgungsleistungen.

Bis dato ist der finan­zi­el­le Anteil der Pfle­ge­ver­si­che­rung fest­ge­legt und die Höhe des Eigen­an­teils nach oben hin offen. Dies führt bei einer hohen Pfle­ge­be­dürf­tig­keit oft dazu, dass Sozi­al­hil­fe in Anspruch genom­men wer­den muss. Nun soll das Sys­tem umge­dreht wer­den: Die Höhe des Eigen­an­teils wird auf ein Maxi­mum fest­ge­legt, die Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung sol­len unbe­grenzt sein.

Gera­de Per­so­nen mit nied­ri­gem Ein­kom­men sol­len nicht des­we­gen auf pfle­ge­ri­sche Leis­tun­gen ver­zich­ten müs­sen. Dadurch soll es weni­ger Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger geben. Die Decke­lung der Eigen­an­tei­le sol­le bereits beim Bezug des Pfle­ge­heims begin­nen. Auch Men­schen mit Behin­de­rung aus gemein­schaft­li­chen Wohn­for­men sol­len in Zukunft die vol­len Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen erhal­ten – eine Leis­tungs­de­cke­lung will die SPD abschaffen.

Die SPD will eine finan­zi­el­le Ent­las­tung der Pfle­ge­ver­si­che­rung, bei der die vol­le Kos­ten­ver­ant­wor­tung für die medi­zi­ni­sche Behand­lungs­pfle­ge und die ambu­lan­te Ver­sor­gung von der Kran­ken­ver­si­che­rung getra­gen wird. Im Gegen­zug soll die Pfle­ge­ver­si­che­rung mehr zur Ver­mei­dung der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit bei­tra­gen. Für die Pfle­ge­ver­si­che­rung brau­che man einen Mix aus mode­rat höhe­ren Bei­trä­gen und einem dyna­mi­schen Mix aus Steuerzuschüssen.

Außer­dem kön­nen ver­si­che­rungs­frem­de Leis­tun­gen, wie die Ren­ten­bei­trags­leis­tun­gen für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, gesamt­ge­sell­schaft­lich über­nom­men wer­den und die Belas­tung der Heim­be­woh­ne­rIn­nen durch den Inves­ti­ti­ons­kos­ten­satz, wel­cher aktu­ell von den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen getra­gen wird, mit­tels öffent­li­cher För­de­rung ver­rin­gert wer­den. Lang­fris­tig pla­ne man, die umge­bau­te Pfle­ge­ver­si­che­rung in eine Pfle­ge­voll­kos­ten­ver­si­che­rung weiterzuentwickeln.

Die Zusam­men­le­gung der pri­va­ten und sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­run­gen zu einer soli­da­ri­schen Pfle­ge­bür­ger­ver­si­che­rung soll sich laut SPD recht unkom­pli­ziert ermög­li­chen las­sen, da bei­de Ver­si­che­rungs­ty­pen ähn­li­che Leis­tun­gen erbrin­gen. Ziel ist es, durch die Zah­lun­gen aller Ein­kom­mens­grup­pen, dar­un­ter auch Beam­tIn­nen und Selbst­stän­di­ge, die Ver­si­che­rungs­ein­nah­men deut­lich anzu­he­ben. Die pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­run­gen hät­ten durch ihre Ver­sor­gung von zumeist ein­kom­mens­star­ken und gesun­den Men­schen der­weil Rück­la­gen von etwa 39 Mil­lio­nen Euro ange­sam­melt – und es nicht zur Ver­bes­se­rung der Pfle­ge eingesetzt.

Gesund­heit ist aber kei­ne Ware: Die Mit­tel, die aus der Soli­dar­ge­mein­schaft erwirt­schaf­tet wer­den, müs­sen in Zukunft mehr­heit­lich ins das Gesund­heits­sys­tem zurück­flie­ßen, so die Aus­sa­ge der SPD zur ein­heit­li­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung. Dar­über hin­aus ermög­licht die Pfle­ge­bür­ger­ver­si­che­rung eine Abschaf­fung der Eigen­an­tei­le für Pfle­ge­leis­tun­gen. Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge kön­nen durch die Zah­lun­gen der Pri­vat­ver­si­cher­ten finan­zi­ell ent­las­tet und die Kos­ten der Voll­ver­si­che­rung damit gerech­ter auf­ge­teilt werden.

Entlastung von Angehörigen in der Familienpflege

Pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge dür­fen nicht durch die Ver­sor­gung ihrer Liebs­ten Gefahr lau­fen, in Armut zu ver­fal­len. Auch von der kör­per­li­chen und psy­chi­schen Belas­tung sol­len pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge befreit wer­den. Es benö­tigt mehr Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen, umfas­sen­de­re Bera­t­uns­gan­ge­bo­te und mehr Mög­lich­kei­ten auf ein selbst­be­stimm­tes Leben als pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­son. Hier will die SPD an fol­gen­den Punk­ten ansetzen:

  • Pfle­ge­zeit und Fami­li­en­pfle­ge­zeit: Wäh­rend der Pfle­ge­zeit haben pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge die Mög­lich­keit, ihre Arbeit­zeit zu redu­zie­ren, um sich um die Ver­sor­gung ihrer Liebs­ten zu küm­mern. Was gut klingt, endet häu­fig in einer stres­si­gen Dop­pel­be­las­tung aus Beruf und Pfle­ge, bei nied­ri­ge­rem Ein­kom­men. Hier wol­len die Sozi­al­de­mo­kra­ten die Ange­bo­te zur Heim­pfle­ge erwei­tern und bei­spiels­wei­se einen Anspruch auf Pfle­ge­zeit mit Lohn­er­satz­leis­tung aus­ar­bei­ten, der dem von Eltern­zeit und ‑geld entspricht.Die SPD schlägt vor, das Pfle­ge­zeit­ge­setz und das Fami­li­en­ge­setz zu einem neu­en Fami­li­en­pfle­ge­zeit­ge­setz zusam­men­zu­füh­ren. Es folgt ein Aus­schnitt aus dem Par­tei­pro­gramm über die Rahmenbedingungen:

    Wie bis­her soll Beschäf­tig­ten auch künf­tig ein Frei­stel­lungs­an­spruch von bis zu 24 Mona­ten für einen pfle­ge­be­dürf­ti­gen nahen Ange­hö­ri­gen bei einer Min­dest­ar­beits­zeit von 15 Wochen­stun­den zuste­hen (ent­spricht der gel­ten­den Fami­li­en­pfle­ge­zeit). Für bis zu sechs Mona­te kann die Arbeits­zeit im Rah­men der Gesamt­dau­er von 24 Mona­ten auch bei unter 15 Wochen­stun­den lie­gen oder eine voll­stän­di­ge Frei­stel­lung in Anspruch genom­men wer­den (ent­spricht der gel­ten­den Pflegezeit).
    Drei Mona­te der neu­en Fami­li­en­pfle­ge­zeit sol­len für einen spä­te­ren Zeit­raum (außer­halb der 24 Mona­te) über­tra­gen wer­den kön­nen (beson­de­re Pfle­ge­si­tua­ti­on, Beglei­tung in der letz­ten Lebens­pha­se). Anstel­le der bis­he­ri­gen Klein­be­triebs­klau­seln (mehr als 15 Beschäf­tig­te für Frei­stel­lun­gen nach dem Pfle­ge­zeit­ge­setz und mehr als 25 Beschäf­tig­te abzüg­lich der zu ihrer Berufs­bil­dung Beschäf­tig­ten für die Fami­li­en­pfle­ge­zeit) soll eine ein­heit­li­che Klein­be­triebs­klau­sel von mehr als 15 Beschäf­tig­ten gel­ten.

    Ein­füh­rung eines neu­en Fami­li­en­pfle­ge­gel­des: Wer Ange­hö­ri­ge pflegt, soll dabei unter­stützt wer­den, die Pfle­ge mit Erwerbs­ar­beit zu kom­bi­nie­ren. Das bedeu­tet: 15 Mona­te Anspruch auf Fami­li­en­pfle­ge­geld (Lohn­er­satz) bei einer Arbeits­zeit­re­du­zie­rung für jeden nahen Ange­hö­ri­gen ab Pfle­ge­grad 2, auf meh­re­re Pfle­ge­per­so­nen auf­teilbar mit einer Min­dest­ar­beits­zeit von 15 bis 20 Stun­den. Wich­tig ist, dass Unter­neh­men gezielt auch die Män­ner ermu­ti­gen, die­ses Modell zu nut­zen.

    Erwei­te­rung der kurz­zei­ti­gen Arbeits­ver­hin­de­rung auf die aku­te Ster­be­pha­se: Die kurz­zei­ti­ge Arbeits­ver­hin­derung von bis zu zehn Arbeits­ta­gen in einer aku­ten Pfle­ge­si­tua­ti­on soll auch kurz vor dem Tod gel­ten; hier­für soll eine Lohn­er­satz­leis­tung (ana­log dem Pfle­ge­un­ter­stüt­zungs­geld) ein­ge­führt wer­den.

  • Absi­che­rung von Sor­ge­ar­beit: Die SPD for­dert mehr Soli­da­ri­tät und Respekt vor der schwe­ren Auf­ga­be der Pfle­ge von Ange­hö­ri­gen. Gegen­wär­tig sei die Berück­sich­ti­gung die­ser Pfle­ge­leis­tun­gen in der Ren­te nicht aus­rei­chend. Die lang­jäh­ri­ge Ver­sor­gung von Ange­hö­ri­gen soll sich in Zukunft nicht ega­tiv auf die Ren­te aus­wir­ken und damit einer Alters­ar­mut vorbeugen.
  • Kurz­zeit- und Tages­pfle­ge: Zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Pfle­ge und Beruf sol­len die Kurz­zeit- und Tages­pfle­ge­plät­ze wei­ter aus­ge­baut und umfas­send finan­ziert wer­den, damit sich pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge auch mal einen Urlaub neh­men kön­nen, oder wenn sie krank­heits­be­dingt aus­fal­len. Ins­ge­samt will sich die SPD mit dem Aus­bau sowie der inno­va­ti­ven und fle­xi­ble­ren Nut­zung von ambu­lan­ten und teil­sta­tio­nä­ren Ver­sor­gungs­an­ge­bo­ten und deren Ver­net­zung einsetzen.So sol­len Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ihre Ange­hö­ri­gen selbst­be­stimmt ent­schei­den, wel­che Form der Pfle­ge am bes­ten zu Ihrem All­tag passt und wel­che Unter­stüt­zungs­ang­beo­te bezo­gen wer­den. Hier­für soll ein Ent­las­tungs­bud­get zusam­men­ge­fasst wer­den, wel­ches jede/r Pfle­ge­be­dürf­ti­ge gemäß sei­nen Anfor­de­run­gen nut­zen kann.
  • Schutz der Ange­hö­ri­gen vor Kos­ten nach dem Tod des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen: Auch nach dem Tod eines/r Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sol­len für die Ange­hö­ri­gen kei­ne plötz­li­chen Kos­ten ent­ste­hen. Aktu­ell haben nach dem Tod einer pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­son nur die sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen einen Anspruch auf die Über­nah­me noch nicht bezahl­ter Pfle­ge­leis­tun­gen gegen­über den Sozi­al­hil­fe­trä­gern. Für ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te gilt dies nicht, wes­halb die ambu­lan­te Ver­sor­gung von ärme­ren Men­schen häu­fig mit einem hohen Risi­ko ver­bun­den ist. Die Fami­li­en müs­sen nach dem Tod selbst für noch nicht bez­hal­te Leis­tun­gen aufkommen.Aus die­sem Grund wür­den sich vie­le Ger­in­ver­die­nen­de für die ver­sor­gung im sta­tio­nä­ren Pfle­ge­heim ent­schei­den. Um die ambu­lan­ten Diens­te zu unter­stüt­zen sol­len die­se in ihren Ansprü­chen gegen­über den Sozi­al­hil­fe­trä­ger mit den sta­tio­nä­ren Hei­men gleich­ge­stellt werden.

Öffentliche und kommunale Daseinsvorsorge

Die SPD for­dert eine stär­ke­re Kom­pe­ten­zen­ver­tei­lung bei der sozi­al­räum­li­chen Koor­di­nie­rung, der Bedarfs‑, Ver­sor­gungs- und Gesamt­pla­nung der Nach­bar­schafts- und häus­li­chen Pfle­ge auf die Kom­mu­nen. Dies sei ein unab­ding­ba­rer Schritt hin zu einer guten Ver­net­zung von Men­schen im Alter, die nicht in einem Pfle­ge­heim ver­sorgt wer­den. Des Wei­te­ren sol­len die Bera­tung und Fall­be­glei­tung, Vor­beu­gung und Unter­stüt­zung sowie die För­de­rung von Nach­bar­schafts- und ehren­amt­li­cher Hil­fe zu den künf­ti­gen Auf­ga­ben der Kom­mu­nen zählen.

Die Kom­mu­nen sol­len zudem die viel­fäl­ti­gen Ange­bo­te und Ange­bots­kom­bi­na­tio­nen von unter­stüt­zen­den Pfle­ge­leis­tun­gen für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge bün­deln, ver­bes­sern und orga­ni­sie­ren. Dazu zäh­len auch mehr Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten am sozia­len Leben, bei­spiels­wei­se durch bar­rie­re­frei­es Woh­nen, einen zuver­läs­si­gen ÖPNV, Einkaufs‑, Sport und Kulturangebote.

Laut SPD kön­ne eine grö­ße­re Anzahl an bar­rie­re­frei­en Woh­nun­gen mit ergän­zen­den Ser­vice- und Pfle­ge­an­ge­bo­ten die kos­tenins­ten­si­ven Voll­ver­sor­gun­gen in Pfle­ge­hei­men ver­hin­dern und redu­zie­ren. Wich­tig sei es, im Alter Ent­las­tung zu schaf­fen und die Selbst­be­stim­mung sowie das sozia­le Leben zu sichern. Dies­be­züg­lich sol­len auch die Wohn­for­men in sta­tio­nä­ren Pfle­ge­hei­men ein­mal mehr über­ar­bei­tet werden.

Da die Ver­sor­gung auf dem Land und in klei­ne­ren Gemein­den häu­fig zu wün­schen übrig lässt. will die SPD im Rah­men eines Modell­pro­jekts des Bun­des Dienst­leis­tungs­zen­tren (DLZ) errich­ten, die die Fami­li­en und Pfle­ge­be­dürft­gen bei der Suche nach Ser­vice- und Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­ten, zum Bei­p­siel lega­le und sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Haus­halts­hil­fen, unter­stüt­zen sollen.

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