Im Rah­men des Gerichts­ver­fah­rens um den soge­nann­ten „Todes­pfle­ger“ Niels H. wur­de ein wei­te­res Ver­fah­ren gegen eine sei­ner ehe­ma­li­gen Kol­le­gin eröff­net. Es han­delt sich dabei um eine der stell­ver­tre­ten­den Sta­ti­ons­lei­te­rin­nen des dama­li­gen Kli­ni­kums Del­men­horst, in dem sich die Mord­fäl­le zuge­tra­gen haben. Ihr wird zur Last gelegt, wegen Unter­las­sens mit­ver­ant­wort­lich an bis zu fünf Mord­ta­ten von Niels H. zu sein. Nach dem Tod von Pati­en­ten soll sie es für mög­lich gehal­ten haben, dass der ehe­ma­li­ge Kran­ken­pfle­ger wei­te­re Tötungs­de­lik­te begeht. Ein­ge­schrit­ten sei sie aber nicht und habe damit den Tod von bis zu fünf Pati­en­ten bil­li­gend in Kauf genom­men.

Das Haupt­ver­fah­ren des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg rich­te­te sich bis­her gegen zwei Ärz­te und den Lei­ter der Inten­siv­sta­ti­on des ehe­ma­li­gen Kli­ni­kums. Auf eine Beschwer­de der Staats­an­walt­schaft Olden­burg hin wur­de es durch einen Beschluss vom 28. Febru­ar 2018 (Az.: 1 Ws 202/17) um das Ver­fah­ren gegen die stell­ver­tre­ten­de Sta­ti­ons­lei­te­rin ergänzt, da sich ent­ge­gen der ursprüng­li­chen Annah­me ein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht gegen sie bestä­tigt hat. Laut dem 1. Straf­se­nat ist sie ihren Pflich­ten als stell­ver­tre­ten­de Sta­ti­ons­lei­te­rin nicht voll­stän­dig nach­ge­gan­gen. Ihre Auf­ga­be sei es gewe­sen, neben der Betreu­ung und der auch für die Bewah­rung vor Gefah­ren der Pati­en­ten zu sor­gen. Sie hät­te Niels H. näher beob­ach­ten müs­sen, um sicher­zu­stel­len, dass von ihm kei­ne Gefahr aus­geht. Tat­säch­lich ist sie auch wegen eines kon­kre­ten Ver­dachts an ihren vor­ge­setz­ten Sta­ti­ons­lei­ter her­an­ge­tre­ten, die­ser hat wei­te­re Unter­su­chun­gen jedoch abge­lehnt. Die Beschul­dig­te hät­te somit an die nächs­te Füh­rungs­ebe­ne her­an­tre­ten müs­sen.

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Auch wei­te­ren Mit­ar­bei­tern hat­te die Staats­an­walt­schaft das Unter­las­sen in die­sem Zusam­men­hang vor­ge­wor­fen und ent­spre­chend Beschwer­de ein­ge­legt. In die­sen Fäl­len bestä­tig­te sich der Tat­ver­dacht aller­dings nicht. So habe bei­spiels­wei­se die ande­re stell­ver­tre­ten­de Sta­ti­ons­lei­te­rin ihren Ver­dacht umge­hend wei­ter­ge­lei­tet, wodurch dann auch wei­te­re Unter­su­chun­gen ein­ge­lei­tet wor­den sind.

Die Ent­schei­dung des 1. Straf­se­nats ist rechts­kräf­tig.