Staatsanwaltschaft Krefeld erhebt Anklage.
Der Beschul­dig­te soll den Pati­en­ten falsch zusam­men­ge­set­ze Arz­nei­mit­tel intra­ve­nö­se ver­ab­reicht haben.frolicsomepl/Pixabay.com [CC0 1.0]

Die Staats­an­walt­schaft Kre­feld wirft einem 61-jäh­ri­gen vor, in sei­ner Pra­xis in Brüg­gen in vier Fäl­len fahr­läs­sig gegen das Arz­nei­mit­tel­ge­setz ver­sto­ßen und in drei Fäl­len fahr­läs­si­ge Tötung began­gen zu haben (Ver­fah­ren 3 Js 720/16). Dem Vor­wurf zufol­ge soll der Beschul­dig­te, Jens R., am 27.07.2016 durch „Außer­acht­las­sung der gebo­te­nen und ihm zumut­ba­ren Sorg­falt erheb­lich über­do­sier­te Infu­si­ons­lö­sun­gen mit dem Wirk­stoff 3‑Bromopyruvat her­ge­stellt“ haben, heißt es in der Pres­ser­klä­rung der Staats­an­walt­schaft. Die Arz­nei­mit­tel waren ent­spre­chend qua­li­ta­tiv min­der­wer­tig und wur­den vier Pati­en­ten intra­ve­nös ver­ab­reicht, drei star­ben infol­ge­des­sen.

Die zusam­men­ge­stell­ten Arz­nei­mit­tel hät­ten indi­vi­du­ell ange­fer­tigt wer­den müs­sen, unter ande­rem unter Berück­sich­ti­gung des Kör­per­ge­wichts. Wie die nie­der­län­di­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und ver­schie­de­ne rechts­me­di­zi­ni­sche Insti­tu­te ermit­tel­ten, hat Jens R. eine für die­se Zwe­cke nicht geeig­ne­te Waa­ge ver­wen­det. Auf die­se Wei­se erhiel­ten die Pati­en­ten eine zu hohe Dosis des Wirk­stoffs, die rund das drei- bis sechs­fa­che der eigent­lich not­wen­di­gen Dosis über­traf.

Keine weiteren Fälle gegeben

Grund­sätz­lich ist es dem nicht ver­bo­ten gewe­sen, den Wirk­stoff her­zu­stel­len oder zu ver­ab­rei­chen, wenn­gleich er noch nicht abschlie­ßend erforscht gewe­sen ist. Es bestehe unter ande­rem laut rechts­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen auch grund­sätz­lich die Mög­lich­keit der Wirk­sam­keit der Sub­stanz gegen Krebs­er­kran­kun­gen, zumin­dest aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne sie nicht. Aller­dings muss bei der Dosie­rung eine beson­de­re Vor­sicht ein­ge­hal­ten wer­den, da eine Über­do­sis zu erheb­li­chen Neben­wir­kun­gen füh­ren kann. Im Kon­kre­ten hat die hohe Men­ge der Sub­stanz die Blut-Hirn-Schran­ke durch­bro­chen, der Zell­stoff­wech­sel wur­de ange­grif­fen, sodass Gehirn­zel­len abge­stor­ben sind.

Seit April 2016 hat­te Jens R. die Waa­ge ver­wen­det, aller­dings konn­te bei ande­ren Pati­en­ten kein ver­gleich­ba­rer gesund­heit­li­cher Scha­den fest­ge­stellt wer­den.