In Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist eine Pfle­ge­rin vor das Arbeits­ge­richt gezo­gen. Grund hier­für waren nicht bezahl­te Pau­sen wäh­rend ihrer Nacht­schich­ten. Des Wei­te­ren klagt sie auf eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung ihrer nächt­li­chen Dienst­zeit. Von Janu­ar 2016 bis Febru­ar 2017 leis­te­te sie 105 Nacht­schich­ten bei einem pri­va­ten Dienst­leis­ter für Senio­ren­be­treu­ung. Das Arbeits­ge­richt (ArbG) Schwe­rin hat der Kla­ge voll­um­fäng­lich statt­ge­ge­ben. Gegen die­se Ent­schei­dung rich­tet sich die Beru­fung der Beklag­ten vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (Az.: 3 Sa 226/17).

Die Klage

  • Die Klä­ge­rin begehrt die Zah­lung eines Zuschlags von 2,28€ pro geleis­te­ter Nacht­ar­beits­stun­de im Zeit­raum zwi­schen Janu­ar 2016 und Febru­ar 2017 (13,44€ * 25% = 3,36€ abzüg­lich des in der Gesamt­be­triebs­ver­ein­ba­rung der Insti­tu­ti­on fest­ge­schrie­be­nen Bonus von 1,08€/Stunde).
  • Die Pfle­ge­rin gibt an, wäh­rend der absol­vier­ten 105 Nach­schich­ten die im Schicht­plan fest­ge­leg­ten Pau­sen nicht genutzt haben zu kön­nen und for­dert daher eine Ver­gü­tung von jeweils 30 Minu­ten zu Unrecht ein­be­hal­te­nen Arbeits­ent­gelts. Dies umfass­te ins­ge­samt 52,5 Stun­den zu je 13,44€.
  • Die Klä­ge­rin ver­langt mit Wir­kung ab dem 1.10.2017 die Fest­stel­lung, dass die Pfle­ge­ein­rich­tung ver­pflich­tet ist, einen Nacht­zu­schlag von 25% des Brut­to­stun­den­lohns auf jede geleis­te­te Nacht­ar­beits­stun­de zu berech­nen und fort­set­zend ab dem 1.11.2017 jede geleis­te­te ent­spre­chend zu ver­gü­ten.

Ins­ge­samt ver­klagt die Pfle­ge­rin die Ein­rich­tung zur Zah­lung von 1.675,80€ und wei­te­ren 706,65€. Zudem erhebt sie Anspruch auf einen Ver­zugs­scha­den von 320€.

Beweisschwierigkeiten für nicht geleistete Pausen

Die Beru­fung der Pfle­ge­ein­rich­tung ist im Hin­blick auf die strei­ti­ge Kla­ge bezüg­lich der Pau­sen­zei­ten begrün­det. Die Klä­ge­rin hat behaup­tet, auf Anwei­sung des Arbeit­ge­bers wäh­rend der Pau­sen­zei­ten ihr ein­ge­schal­te­tes Dienst­han­dy immer bei sich haben zu müs­sen und das Gebäu­de wäh­rend­des­sen nicht ver­las­sen zu dür­fen. Für die­se Behaup­tun­gen konn­te die Klä­ge­rin aller­dings kei­ne Beweis­mit­tel vor­le­gen, wes­halb ihre Kla­ge in die­sem Punkt abge­lehnt wur­de. Der Klä­ge­rin wird zudem der Zuschlag von 2,28€ auf die angeb­lich geleis­te­ten 52,5 (119,70€) Pau­sen­stun­den nicht ange­rech­net.

Das Urteil

Die rest­li­che Beru­fung ist nach den Urteils­grün­den jedoch nicht begrün­det.

  • Die Beklag­te ist ver­pflich­tet, der Klä­ge­rin für die Zeit von Janu­ar 2016 bis Febru­ar 2017 einen Betrag in Höhe von 1.556,10€ aus­zu­zah­len.
  • Der ange­mes­se­ne Aus­gleich für die Nacht­ar­beit wur­de mit 25% pro geleis­te­ter Stun­de fest­ge­setzt. Des Wei­te­ren ist die Ein­rich­tung ver­pflich­tet, ab dem 1.11.2017 wahl­wei­se einen Nacht­ar­beits­s­zu­schlag oder bezahl­te freie Tage bereit­zu­stel­len.
  • Die Beklag­te ist gemäß § 288 Abs. 5 BGB ver­pflich­tet, den gefor­der­ten Scha­dens­er­satz in Höhe von 320€ zu bezah­len.

Man mer­ke sich: Für geleis­te­te Nacht­ar­beits­stun­den zwi­schen 23:00 und 06:00 Uhr haben Pfle­ge­fach­kräf­te gemäß § 6 Abs. 5 des Arbeits­zeit­ge­set­zes (ArbZG) einen Anspruch auf einen ent­spre­chen­den Aus­gleich für die geleis­te­te Zeit, sofern kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor­lie­gen. Der Aus­gleich beinhal­tet einen Zuschlag von 25% auf den Brut­to­stun­den­lohn oder die Gewäh­rung einer ent­spre­chen­den Anzahl von bezahl­ten frei­en Tagen, näm­lich ein Vier­tel der geleis­te­ten Nacht­schich­ten.