Auf­grund eines Urteils des Bun­des­so­zi­al­ge­richts sehen die Deut­sche Gesell­schaft für Neu­ro­lo­gie (DGN) und die Deut­sche Schlag­an­fall-Gesell­schaft (DSG) die Ver­sor­gung aku­ter Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten in Deutsch­land gefähr­det. Bis­lang ist es so, dass Kran­ken­häu­ser eine geson­der­te Ver­gü­tung für die spe­zia­li­sier­te Schlag­an­fall­ver­sor­gung erhal­ten kön­nen. Eine Vor­aus­set­zung ist dabei, dass im Bedarfs­fall eine Trans­port­zeit des Pati­en­ten von maxi­mal 30 Minu­ten in ein qua­li­fi­zier­tes über­re­gio­na­les Zen­trum gewähr­leis­tet wer­den kann. Dem Urteil des BSG nach (Az.: B1 KR 38/17 R und B1 KR 39/17 R) sol­len die 30 Minu­ten bereits ab Ent­schei­dung zum Trans­port gel­ten.

Die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung von Pati­en­ten mit aku­tem funk­tio­niert unter ande­rem auf­grund von trag­fä­hi­gen Koope­ra­tio­nen zwi­schen loka­len Schlag­an­fall­ein­hei­ten und über­re­gio­na­len Schlag­an­fall­zen­tren. Laut Regel­werk (OPS 8–98) ist es für die Ver­gü­tung von Schlag­an­fall­be­hand­lun­gen in den loka­len Schlag­an­fall­ein­hei­ten erfor­der­lich, dass für Spe­zi­al­leis­tun­gen – die nicht von der loka­len Ein­heit erbracht wer­den – Ver­ein­ba­run­gen mit Schlag­an­fall­zen­tren getrof­fen wer­den, die in maxi­mal einer hal­ben Stun­de erreich­bar sind.

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Die hal­be Stun­de bezieht sich laut OPS auf die „Zeit zwi­schen Ret­tungs­trans­port­be­ginn und Ret­tungs­trans­por­ten­de“. „Die halb­stün­di­ge Trans­por­t­ent­fer­nung muss unter Ver­wen­dung des schnellst­mög­li­chen Trans­port­mit­tels (zum Bei­spiel mit einem Hub­schrau­ber) grund­sätz­lich erfüll­bar“ sein. Das Urteil des BSG inter­pre­tiert die­se Rege­lung nun kom­plett um, indem es die hal­be Stun­de auf die Zeit zwi­schen der Ent­schei­dung, ein Trans­port­mit­tel anzu­for­dern und der Über­ga­be des Pati­en­ten beim Koope­ra­ti­ons­part­ner bezieht. Damit löst sich das BSG von sei­ner bis­he­ri­gen stän­di­gen Recht­spre­chung zu OPS-Kodes und Abrech­nungs­re­geln.

Zahlreiche Einrichtungen könnten sich aus Schlaganfallbehandlung zurückziehen

Die­ses enge Zeit­fens­ter könn­te nach Ansicht der Exper­ten selbst in Bal­lungs­zen­tren häu­fig nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Da damit die Ver­gü­tung für zahl­rei­che Ein­rich­tun­gen nicht mehr gewähr­leis­tet sei, könn­ten die­se sich aus der Schlag­an­fall­be­hand­lung zurück­zie­hen.

„Was sich zunächst nach einer Ver­bes­se­rung für die Pati­en­ten anhö­ren mag, bedeu­tet tat­säch­lich eine gra­vie­ren­de Gefahr für die Ver­sor­gung. Selbst in Bal­lungs­zen­tren kön­nen 30 Minu­ten wie vom BSG defi­niert häu­fig gar nicht ein­ge­hal­ten wer­den“, so Pro­fes­sor Armin Grau, ers­ter Vor­sit­zen­der der DSG. „Wenn die­ses Zeit­kri­te­ri­um als Struk­tur­vor­ga­be nicht Tag und Nacht erfüllt wer­den kann, erhal­ten die Kran­ken­häu­ser die geson­der­te Ver­gü­tung für kei­nen ihrer Pati­en­ten mehr, obwohl nur fünf bis maxi­mal zehn Pro­zent der Pati­en­ten wei­ter­ver­legt wer­den müs­sen. Etli­che Kran­ken­häu­ser mit funk­tio­nie­ren­den regio­na­len Stro­ke Units könn­ten sich dann aus der Schlag­an­fall­be­hand­lung zurück­zie­hen, was die Schlag­an­fall­ver­sor­gung in der Flä­che gefähr­den wür­de“, stellt Pro­fes­sor Gere­on Fink, Prä­si­dent der DGN fest.

Bei­de for­dern des­halb, dass jetzt die Vor­ga­ben für den Trans­port in ein Schlag­an­fall­zen­trum rasch neu for­mu­liert wer­den, gege­be­nen­falls unter Ein­schal­tung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit (BMG).