Die 10. gro­ße Straf­kam­mer des Land­ge­richts Osna­brück hat in dem Straf­ver­fah­ren gegen einen 62-jäh­ri­gen All­ge­mein­me­di­zi­ner aus Osna­brück ihr Urteil ver­kün­det. Der Ange­klag­te wur­de (u.a.) wegen Ver­let­zung des höchst­per­sön­li­chen Lebens­be­reichs durch Bild­auf­nah­men in 58 Fäl­len, sexu­el­len Miss­brauchs unter Aus­nut­zung eines Behand­lungs­ver­hält­nis­ses in 12 Fäl­len, öffent­li­chem Zugäng­lich­ma­chen von Kin­der­por­no­gra­fie in 12 Fäl­len und wegen Besit­zes von Kin­der­por­no­gra­fie zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren ver­ur­teilt, deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wur­de. Zudem sprach die Kam­mer ein drei­jäh­ri­ges Berufs­ver­bot aus und gab dem Ange­klag­ten auf, ins­ge­samt 75.000,- Euro an drei gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen zu zah­len.

Die Kam­mer sah es nach durch­ge­führ­ter Beweis­auf­nah­me als erwie­sen an, dass der Ange­klag­te einer­seits gro­ße Men­gen Kin­der­por­no­gra­fie beses­sen hat­te und einen Teil davon auch in einem für Drit­te zugäng­li­chen Ord­ner einer Tausch­bör­se gespei­chert hat­te. Zudem habe er in ins­ge­samt 70 Fäl­len sei­ne teil­wei­se ent­klei­de­ten Pati­en­tin­nen heim­lich mit einer Kugel­schrei­ber­ka­me­ra gefilmt. Dadurch habe er jeweils deren höchst­per­sön­li­chen Lebens­be­reich ver­letzt. In zwölf die­ser Fäl­le habe er sol­che Pati­en­tin­nen gefilmt und ohne medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit berührt, zu denen auf­grund kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Gebre­chen ein recht­lich beson­ders geschütz­tes Behand­lungs­ver­hält­nis bestand.

Anzei­ge
PWG-Seminare

Im Hin­blick auf die kon­kre­te Straf­zu­mes­sung wies der Vor­sit­zen­de aus­drück­lich dar­auf hin, dass es sich die Kam­mer bei der Bil­dung einer bewäh­rungs­fä­hi­gen Gesamt­stra­fe nicht leicht gemacht habe. Zuguns­ten des Ange­klag­ten sei­en aber ins­be­son­de­re sein umfas­sen­des Geständ­nis und sei­ne erheb­li­chen Bemü­hun­gen um Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung zu berück­sich­ti­gen. Der Ange­klag­te habe schon über 160.000,- Euro an Schmer­zens­geld­leis­tun­gen an die Geschä­dig­ten erbracht. Zudem ste­he er vor den Trüm­mern sei­ner fami­liä­ren, beruf­li­chen und sozia­len Exis­tenz. Die Voll­zie­hung einer Frei­heits­stra­fe sei zur Ein­wir­kung auf den Ange­klag­ten nicht gebo­ten; Straf­ta­ten sei­en von ihm nicht mehr zu erwar­ten.

Das Urteil ent­spricht weit­ge­hend den Anträ­gen von Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung. Gleich­wohl kann bin­nen einer Woche das Rechts­mit­tel der Revi­si­on ein­ge­legt wer­den. Dann müss­te der Bun­des­ge­richts­hof in Karls­ru­he die Ent­schei­dung auf Rechts­feh­ler prü­fen.