Die Vakuumversiegelungstherapie kann gemäß G-BA-Beschluss nun auch zur sekundähren Wundheilung in der ambulanten Versorgung eingesetzt werden.
Die Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie kann gemäß G‑BA-Beschluss nun auch zur sekundäh­ren in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung ein­ge­setzt wer­den.Pho­to 28174004 © Sudok1 – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Ein lan­ger Streit hat ein Ende gefun­den: Die Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie kann nun nicht nur zum pri­mä­ren Wund­ver­schluss im Kran­ken­haus, son­dern auch zur sekun­dä­ren in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung ein­ge­setzt wer­den. Dazu fällt sie als Metho­de zur Wund­be­hand­lung unter die Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rer. Vor­aus­set­zung ist, dass durch die Stan­dard­wund­be­hand­lung, auf­grund wund- oder pati­en­ten­spe­zi­fi­scher Risi­ko­fak­to­ren, kei­ne aus­rei­chen­de zu erwar­ten ist. Dies beschloss der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss (G‑BA) am 19.12.2019 und leg­te damit einen lang andau­ern­den Streit um die Nut­zen- und Scha­dens­be­wer­tung die­ser Metho­de bei.

Die Ent­schei­dung des G‑BA fußt auf einer Stu­di­en­aus­wer­tung des IQWiG mit Daten von ins­ge­samt 4.315 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Den Ergeb­nis­sen zufol­ge zeig­te sich die Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie gegen­über der Stan­dard­ver­sor­gung bei bestimm­ten Wun­den in Punk­to Infek­ti­ons­ver­mei­dung und Wund­ver­schluss über­le­gen. Der G‑BA ist dem gefolgt und hat nach einer 20 Jah­re andau­ern­den Dis­kus­si­on end­lich den Nut­zen und die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit der Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie als gege­ben aner­kannt.

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Was beinhaltet die Vakuumversiegelungstherapie und wer darf sie ausüben?

Gegen­stand der Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie ist zum einen die ange­streb­te pri­mä­re Wund­hei­lung. Die­se umfasst die Behand­lung von Wun­den, die typi­scher­wei­se post­ope­ra­tiv ent­ste­hen: bei­spiels­wei­se in der Endo­pro­the­nik, der Geburts­hil­fe (Kai­ser­schnitt), der Abdominal‑, der Herz- und der Gefäß­chir­ur­gie.

Beim soge­nann­ten sekun­dä­ren Wund­ver­schluss ist der Ein­satz der Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie auf ein brei­tes Spek­trum ande­rer Wun­den (Deku­bi­tus, Ampu­ta­ti­ons­wun­den, dia­be­ti­sche Fuß­wun­den, offe­ne Frak­tu­ren u.v.m.) aus­ge­rich­tet, die typi­scher­wei­se ambu­lant ver­sorgt wer­den. Hier ist die Neu­bil­dung von Gewe­be vor­ran­gig beab­sich­tigt.

Neben ver­schie­de­nen ope­ra­tiv täti­gen Fach­arzt­grup­pen sind fol­gen­de Per­so­nen berech­tigt, die Durch­füh­rung der Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie zum inten­dier­ten sekun­dä­ren Wund­ver­schluss vor­zu­neh­men:

  • Fach­ärz­tin­nen und Fach­ärz­te für die All­ge­mein­me­di­zin,
  • Fach­ärz­tin­nen und Fach­ärz­te für Inne­re Medi­zin und Angio­lo­gie,
  • Fach­ärz­tin­nen und Fach­ärz­te mit der Zusatz­wei­terbil­dung Phle­bo­lo­gie,
  • Fach­ärz­tin­nen und Fach­ärz­te für Inne­re Medi­zin und Endo­kri­no­lo­gie und Dia­be­to­lo­gie,
  • Fach­ärz­tin­nen und Fach­ärz­te mit der Zusatz­wei­terbil­dung „Dia­be­to­lo­gie“ oder der Bezeich­nung „Dia­be­to­lo­ge Deut­sche Dia­be­tes Gesell­schaft (DDG)“.

Die Durch­füh­rung ist in ein medi­zi­ni­sches Behand­lungs­kon­zept ein­zu­bet­ten. Dies schließt neben den Ver­bands­wech­seln eine regel­mä­ßi­ge ärzt­li­che Kon­trol­le der Wund­hei­lung sowie eine Über­prü­fung der Indi­ka­ti­on im Behand­lungs­ver­lauf ein. Als appa­ra­ti­ve Anfor­de­run­gen für die Vaku­um­ver­sie­ge­lungs­the­ra­pie sind zer­ti­fi­zier­te Medi­zin­pro­duk­te zu ver­wen­den. In die Ver­ord­nung ein­ge­schlos­sen sind sowohl das Sys­tem zur Erzeu­gung des Unter­drucks, als auch die hier­für nöti­gen Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en.

Neben dem Leis­tungs­ein­schluss für die ambu­lan­te Ver­sor­gung hat der G‑BA die Leis­tungs­er­brin­gung in der sta­tio­nä­ren pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gung bestä­tigt. Die Beschlüs­se sind dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit zur Prü­fung vor­ge­legt wor­den. Die Ver­gü­tung der Leis­tung ist schließ­lich an die Ver­öf­fent­li­chung im Bun­des­an­zei­ger und die Fest­set­zung der Ver­gü­tung im Ein­heit­li­chen Bewer­tungs­maß­stab (EBM) geknüpft.