Pflegender Mann
Die Pfle­ge durch Ange­hö­ri­gen wird zuneh­mend auch von Män­nern über­nom­men.

Das ist eines der zen­tra­len Ergeb­nis­se des For­schungs­pro­jek­tes „ zwi­schen Erwerbs­tä­tig­keit und Pfle­ge“ (MÄNNEP) der Hoch­schu­le Düs­sel­dorf, Fach­hoch­schu­le Köln und Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen.

Die gewinnt in Deutsch­land immer mehr an Bedeu­tung. Von der­zeit rund 2,5 Mil­lio­nen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den etwa 70 Pro­zent zu Hau­se ver­sorgt, die meis­ten von ihren Ange­hö­ri­gen. 2010 waren 28 Pro­zent der Haupt­pfle­ge­per­so­nen männ­lich, der Anteil der pfle­gen­den Söh­ne hat sich seit 1998 ver­dop­pelt. „Vor die­sem Hin­ter­grund woll­ten wir wis­sen: Wie orga­ni­sie­ren die dop­pel­te Auf­ga­be von Beruf und Pfle­ge? Wie sehen gut funk­tio­nie­ren­de Lösungs­mus­ter aus? Und wie kön­nen die Unter­neh­men ihre pfle­gen­den Mit­ar­bei­ter unter­stüt­zen?“, sagt Prof. Dr. Simo­ne Lei­ber von der Hoch­schu­le Düs­sel­dorf.

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Pflegefortbildung des Westens

Die Hälfte der Männer sind Hauptpflegeperson

Um den All­tag pfle­gen­der Män­ner zu unter­su­chen, nah­men die Pro­jekt­part­ne­rin­nen Kon­takt zu Unter­neh­men in Nord­rhein-West­fa­len, Hes­sen und Nie­der­sach­sen auf, die sich selbst als sen­si­bel für die­se Fra­ge­stel­lung bewer­ten. Dort führ­ten sie 37 qua­li­ta­ti­ve, leit­fa­den­ge­stütz­te Inter­views mit pfle­gen­den Söh­nen und befrag­ten pro Unter­neh­men je ein Mit­glied aus der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sowie der Unter­neh­mens­lei­tung oder Per­so­nal­ab­tei­lung.

„Unse­re Inter­view­part­ner über­neh­men umfang­rei­che Auf­ga­ben in der Pfle­ge“, sagt Prof. Dr. Sig­rid Leit­ner von der Fach­hoch­schu­le Köln. „Mehr als die Hälf­te sind Haupt­pfle­ge­per­so­nen, 15 von ihnen leis­ten pro Woche min­des­tens 14 Stun­den Pflege‑, Ver­sor­gungs- und Betreu­ungs­ar­beit. Dabei sind wir von einem wei­ten Pfle­ge­be­griff aus­ge­gan­gen. Pfle­ge bedeu­tet für uns Kör­per­pfle­ge, aber auch Beglei­tung zum Arzt oder zu Behör­den, Ein­käu­fe und ähn­li­ches“, so Leit­ner. Trotz die­ser Belas­tun­gen arbei­ten 30 von 37 Befrag­ten wei­ter in Voll­zeit, nur weni­ge redu­zie­ren ihre Stun­den oder ver­schie­ben ihre Kern­ar­beits­zeit.

Die Arbeitgeber können wichtige Unterstützung leisten

„Trotz die­ser umfang­rei­chen Pfle­ge­tä­tig­keit geben 26 von 37 Söh­nen an, kei­ne Ver­ein­bar­keits­pro­ble­me zu haben“, erläu­tert Dr. Dia­na Auth von der Jus­tus-Lie­big-Uni­ver­si­tät Gie­ßen. Dies lie­ge dar­an, dass die Erwerbs­tä­tig­keit wei­ter­hin im Mit­tel­punkt steht. Die Pfle­ge der Ange­hö­ri­gen wer­de so ange­passt, dass sie mit dem Beruf in Ein­klang gebracht wird – oft mit Hil­fe eines gro­ßen Netz­werks aus pro­fes­sio­nel­len Pfle­ge­diens­ten, Part­ne­rin­nen und Ver­wand­ten. „Auch wenn die befrag­ten Män­ner kei­ne Pro­ble­me mit der Ver­ein­bar­keit sehen, hal­ten wir die­se Stra­te­gie nicht für emp­feh­lens­wert“, betont Auth. Denn in den Inter­views sei­en auch die Nach­tei­le sehr deut­lich gewor­den. Vie­le Befrag­ten klag­ten über gro­ße Belas­tun­gen und man­geln­de Erho­lung und Frei­zeit.

Eine wich­ti­ge Unter­stüt­zung könn­ten die jewei­li­gen Arbeit­ge­ber leis­ten. Vie­le der befrag­ten Unter­neh­men boten Arbeits­zeit­fle­xi­bi­li­sie­run­gen an, hiel­ten Infor­ma­tio­nen zum The­ma Pfle­ge bereit oder schul­ten ihre Füh­rungs­kräf­te. Auch die Benen­nung kon­kre­ter Ansprech­part­ner oder die Koope­ra­ti­on mit exter­nen Anlauf­stel­len sind ver­brei­tet. „Obwohl wir bewusst in Unter­neh­men gegan­gen sind, die sich selbst als pfle­ge­sen­si­bel bezeich­nen, haben wir einen sehr unter­schied­li­chen Umfang der ange­bo­te­nen Maß­nah­men fest­ge­stellt und in vier Betrie­ben auch Hin­wei­se auf Anwen­dungs­pro­ble­me“, sagt Lei­ber.