Abgabe an Minderjährige: Einsichtsfähigkeit entscheidend

In Deutsch­land gibt es kei­ne Alters­be­schrän­kung für den Erwerb der „Pil­le danach“. Die Hand­lungs­emp­feh­lung der BAK umfasst jedoch auch Hin­wei­se zum Vor­ge­hen bei der Abga­be an Min­der­jäh­ri­ge. Hier­bei ist es rat­sam, das Alter der Pati­en­tin zu erfra­gen und die (Nicht-)Abgabe der Pil­le mit Datum und Inhalt der Bera­tung zu dokumentieren.

Die Abga­be an Mäd­chen unter 14 Jah­ren wird ohne das Ein­ver­ständ­nis eines Erzie­hungs­be­rech­tig­ten nicht emp­foh­len, ist aber gene­rell nicht ver­bo­ten. Die Emp­feh­lung berück­sich­tigt die Informations‑, Bera­tungs- und Sorg­falts­pflich­ten bei apo­the­ken­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln im Rah­men der Selbst­me­di­ka­ti­on. Die Pati­en­tin muss als Adres­sa­tin der Bera­tung dazu in der Lage sein, Bedeu­tung und Trag­wei­te der Maß­nah­me ver­ste­hen zu kön­nen. Wann die Ein­sichts­fä­hig­keit vor­han­den ist, ist im Ein­zel­fall zu bewer­ten. Es ent­schei­det sich danach, ob die Min­der­jäh­ri­ge je nach ihrer indi­vi­du­el­len Rei­fe in der Lage ist, die mit der Ein­nah­me der Pil­le zusam­men­hän­gen­den Ent­schei­dun­gen und Kon­se­quen­zen für ihr zu Leben zu begrei­fen. Wird dies ange­nom­men, so braucht es kei­ner­lei wei­te­re Zustim­mung eines Erziehungsberechtigten.

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Nach der Rechts­spre­chung des BGH haben sich jedoch eini­ge Anhalts­punk­te herauskristallisiert.

  • Bei Mäd­chen unter 14 Jah­ren ist die Ein­sichts­fä­hig­keit grund­sätz­lich nicht gege­ben. Es bedarf der Zustim­mung der Eltern.
  • Bei Min­der­jäh­ri­gen zwi­schen 14 und 16 Jah­ren kann die indi­vi­du­el­le Rei­fe im Ein­zel­fall gege­ben sein.
  • Bei jugend­li­chen Mäd­chen ab 16 Jah­ren kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie eigen­stän­dig über die Ein­nah­me der „Pil­le danach“ ent­schei­den können.

Die Grund­la­gen der Ent­schei­dung, ob eine Min­der­jäh­ri­ge die erfor­der­li­che Ein­sichts­fä­hig­keit mit­bringt, soll­te der eben­falls für mög­li­che Streit­fäl­le doku­men­tie­ren. Im Übri­gen darf der auf die Alters­an­ga­be der Pati­en­tin ver­trau­en. Er muss das Alter nicht über­prü­fen, soll­te Min­der­jäh­ri­gen aber grund­sätz­lich immer zu einem anschlie­ßen­den Arzt­be­such raten.