ANXA2 stoppt Gehirntumor
Wis­sen­schaft­ler haben ein Eiweiß ent­deckt, das Gehirn­tu­mo­re stop­pen kann.

Es steht ganz am Anfang einer Ket­te von Steu­er­me­cha­nis­men, die zur Ent­ste­hung die­ses Tumor­typs bei­tra­gen. Außer­dem klär­ten sie auf, wie ANXA2 regu­liert wird. Im Labor blo­ckier­ten die For­scher die­sen Schal­ter und stopp­ten so die Ver­meh­rung der Krebs­zel­len. Die Bedeu­tung von ANXA2 wur­de mit Hil­fe eines mathe­ma­ti­schen Ver­fah­rens auf­ge­klärt, das erst­mals unter­schied­lichs­te mole­ku­la­re Tumord­a­ten gemein­sam aus­wer­tet. Das kos­ten­frei ver­füg­ba­re Ver­fah­ren ist auch auf ande­re Krebs­ar­ten über­trag­bar und erlaubt eine prä­zi­se­re Cha­rak­te­ri­sie­rung von Tumor-Sub­ty­pen, was für die per­so­na­li­sier­te Krebs­be­hand­lung immer wich­ti­ger wird.

Im Gehirn ist das Eiweiß nur für Krebszellen wichtig

„Wir konn­ten zei­gen, dass das Eiweiß ANXA2 ent­schei­dend ist für die Ent­ste­hung mesen­chy­ma­ler Glio­blas­to­me“, sagt Dr. Maria Stel­la Car­ro, Lei­te­rin der For­schungs­grup­pe ‚Gene­tik von Hirn­tu­mo­ren‘ an der Kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Frei­burg. Wie die Wis­sen­schaft­ler zeig­ten, wird ANXA2 auf Ebe­ne der Epi­ge­ne­tik regu­liert, indem das Gen durch Methy­lie­rung an- oder abge­schal­tet wird. „Je schwä­cher das ANX­A2-Gen aktiv war, des­to aggres­si­ver war die Krebs­ent­wick­lung. Dar­um könn­te sich die­ser Akti­vi­täts­sta­tus auch für die Pro­gno­se der Erkran­kung eig­nen“, sagt Erst­au­tor Dr. Rober­to Fer­ra­re­se, Wis­sen­schaft­ler in der For­schungs­grup­pe von Dr. Car­ro an der Kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Frei­burg.

ANXA2 spielt bei Blut­ab­bau, Zell­wachs­tum und Zell­be­we­gung eine Rol­le. Anders als in Zel­len des mesen­chy­ma­len Glio­blas­toms wird ANXA2 im gesun­den Gehirn kaum gebil­det. „Die Blo­cka­de von ANXA2 ist ein sehr inter­es­san­ter The­ra­pie­an­satz. Denn gesun­des Hirn­ge­we­be dürf­te davon ver­mut­lich nicht betrof­fen sein“, sagt Dr. Car­ro. Da ANXA2 auch in ande­ren Krebs­ar­ten eine wich­ti­ge Rol­le spielt, wer­den Wirk­stof­fe gegen das Eiweiß bereits in ers­ten Stu­di­en unter­sucht.

Mit dem neuen Modell Tumortypen besser charakterisieren

Ent­deckt wur­de die zen­tra­le Funk­ti­on des Eiwei­ßes beim mesen­chy­ma­len Glio­blas­tom durch ein neu­es Ana­ly­se­ver­fah­ren. Damit las­sen sich erst­mals Wech­sel­wir­kun­gen inner­halb und zwi­schen unter­schied­li­chen zel­lu­lä­ren Ebe­nen, wie dem Erb­gut, des­sen epi­ge­ne­ti­scher Steue­rung und der tat­säch­li­chen Pro­te­in-Pro­duk­ti­on gemein­sam aus­wer­ten. Auch Pati­en­ten­da­ten wie Alter und Pro­gno­se wer­den in das Modell ein­ge­speist. Bis­lang wur­den die­se Daten meist ein­zeln aus­ge­wer­tet, wodurch Ver­bin­dun­gen zwi­schen den unter­schied­li­chen Daten­sät­zen nicht berück­sich­tigt wur­den.

„Das neue Modell trägt wesent­lich dazu bei, zel­lu­lä­re Abläu­fe in Krebs­zel­len bes­ser zu ver­ste­hen und die Tumor­ty­pen dadurch bes­ser zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Die­se Mecha­nis­men kön­nen dann gezielt auf ihr the­ra­peu­ti­sches Poten­zi­al hin unter­sucht wer­den“, sagt Dr. Car­ro. Das Modell wird außer­dem hel­fen, Krebs­ty­pen und ‑sub­ty­pen wesent­lich genau­er zu beschrei­ben.