Apotheker hatte aus Versehen ein falsches Medikament herausgegeben.
Ein Apo­the­ker aus dem Kreis Min­den-Lüb­be­cke hat­te aus Ver­se­hen ein fal­sches Medi­ka­ment her­aus­ge­ge­ben, was letzt­lich zum Tod der Pati­en­tin führ­te.jarmoluk/Pixabay.com [CC0 1.0]

Sachverhalt

Der 1973 gebo­re­ne Apo­the­ker aus dem Kreis Min­den-Lüb­be­cke soll im Sep­tem­ber 2014 einer 78-jäh­ri­gen Pati­en­tin ein ande­res Medi­ka­ment gege­ben haben als vom Arzt ver­ord­net wur­de. Ihm wur­de vor­ge­wor­fen, durch die fal­sche Medi­ka­men­ten­ab­ga­be den Tod der Pati­en­tin her­bei­ge­führt zu haben. Statt des ver­schrie­be­nen Arz­nei­mit­tels Ren­ve­la 800 mg wur­de ihr Ver­a­mex retard 240 mg aus­ge­hän­digt. Bereits im Dezem­ber 2016 wur­de er in zwei­ter Instanz von dem Land­ge­richt Bie­le­feld zu einer Geld­stra­fe von 210 Tages­sät­zen zu je 60,00 Euro (7200 Euro) verurteilt.

Entscheidung

Durch das Urteil des Land­ge­richts Bie­le­feld wur­de der Ange­klag­te bereits straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen. Dar­über hin­aus hat­te das Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter zu ent­schei­den, inwie­fern berufs­recht­li­che Straf­maß­nah­men getrof­fen wer­den müs­sen. Durch die fal­sche Medi­ka­men­ten­ab­ga­be könn­te sowohl ein Ver­trau­ens­scha­den für die Bevöl­ke­rung sowie ein Anse­hens­ver­lust für die gesam­te Apo­the­ker­schaft ent­stan­den sein, was in der straf­recht­li­chen Ahn­dung des LG Bie­le­feld nicht in der Form abge­deckt wurde.

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Das Berufs­ge­richt hat im Urteil vom 18.10.2017 (Az.: 17 K 5288/17.T) über die bereits ver­häng­te Geld­stra­fe hin­aus einen Ver­weis sowie wei­te­re 1.000 Euro Buß­geld erteilt. Für die Ent­schei­dung des Berufs­ge­richt sind mil­dern­de Umstän­de berück­sich­tigt wor­den: Weder vor noch nach der Fehl­ab­ga­be des Medi­ka­ments ist der Beschul­dig­te durch ande­re Pflicht­ver­let­zun­gen auf­ge­fal­len, es kann von einem Augen­blicks­ver­sa­gen des Apo­the­kers aus­ge­gan­gen wer­den. Außer­dem ist er nach dem Tod der Pati­en­tin von sich aus auf die Ange­hö­ri­gen zuge­gan­gen und hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Tod durch das fal­sche Medi­ka­ment ver­ur­sacht wor­den sein könn­te. Wenn er die­se Anga­ben nicht gemacht hät­te, wäre die­ser Rück­schluss mög­li­cher­wei­se nicht auf­ge­deckt wor­den, viel­mehr hät­te man sich den Tod der Pati­en­tin durch ihre Vor­er­kran­kun­gen erklärt.

Am Tag der Fest­stel­lung und bis heu­te noch zeigt sich der beschul­dig­te Apo­the­ker aus­drück­lich emo­tio­nal betrof­fen. Damit er künf­tig sei­nen Berufs­pflich­ten nach­kommt und das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die Zuver­läs­sig­keit der Apo­the­ker sowie ihr Anse­hen wie­der­her­ge­stellt wird, hat das Berufs­ge­richt ent­schie­den, dass kei­ne zusätz­li­chen berufs­ge­richt­li­chen Maß­nah­men über den Ver­weis und die Geld­bu­ße von 1.000 Euro hin­aus erfor­der­lich sind. Sowohl der beschul­dig­te Apo­the­ker als auch die Apo­the­ker­kam­mer West­fa­len-Lip­pe haben auf Rechts­mit­tel gegen das Urteil ver­zich­tet. Das Urteil ist rechtskräftig.