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Stefan Heyde hat die Aktion "Pflegekräfte in Not" gegründet. Von Promis als Pflegekraft-Simulanten hält er wenig.
Ste­fan Heyde hat die Akti­on „Pfle­ge­kräf­te in Not“ gegrün­det. Von Pro­mis als Pfle­ge­kraft-Simu­lan­ten hält er wenig.Foto: Ste­fan Tensing

Sage und schrei­be zwei Tage wur­den die TV-Pro­mis auf ihr „Pfle­ge-Prak­ti­kum“ vor­be­rei­tet. Was dann folgt, kann einen als Pfle­ge­kraft ein­fach nur fas­sungs­los, kopf­schüt­telnd und wütend zurück­las­sen. Es wird wie­der ein­mal das gro­ße Kla­vier gespielt: Gefüh­le, Emo­tio­nen und Auf­ga­ben. Fast wie bei den Pro­mis im Dschun­gel­camp, nur eben im Kran­ken­haus – „Ich bin eine Pfle­ge­kraft, holt mich hier raus!“

Promis als Gefahrenquelle

Ein Pro­mi mit zwei­tä­gi­ger Aus­bil­dung zieht einen Drai­na­ge­schlauch. In die­sem Moment stock­te mir der Atem! In der Aus­bil­dung durf­te ich sowas erst in der Mit­te des zwei­ten Jah­res und dabei hat­te ich mei­nen Men­tor mit stren­gem Blick hin­ter mir. Vor­ab muss­te ich etli­che Male alles dazu auf­zäh­len und wie­der­ho­len, ich muss­te Grund­la­gen erler­nen und mich vor­be­rei­ten. Kurz dar­auf fei­ert es der Sen­der bereits mit einem eige­nen Tweet bei Twitter.

In einer ande­ren Situa­ti­on sticht sich ein ande­rer Pro­mi an einer Nadel. Immer­hin noch ste­ril – welch ein Glück für alle Betei­lig­ten. Aber was wäre gewe­sen, wenn eben die­ser Pro­mi vor­her einen Pati­ent damit gesto­chen hät­te? Ein unglaub­li­ches Gefah­ren­po­ten­ti­al für alle Betei­lig­ten. So viel kann in sol­chen Momen­ten so schnell schief gehen.

Und wie­der ein­mal spielt man damit die berühm­te „Pflegen-kann-jeder“-Karte aus. Man soll­te mei­nen, Poli­tik und Gesell­schaft schaf­fen es, die­sen rie­sen­gro­ßen Feh­ler end­lich ein­mal zu ver­mei­den und die Pro­fes­sio­na­li­tät die­ser Berufs­grup­pe anzuerkennen.

Promis die nicht helfen, sondern stören

Ich muss mir vor­stel­len, wie es wohl gera­de ist für alle Betei­lig­ten. Auf der einen Sei­te die Pfle­ge­kräf­te, in Unter­be­set­zung und nor­ma­lem All­tag mit einem zusätz­li­chen „Prak­ti­kan­ten“ inklu­si­ve Kame­ra­team am Bein. Und auf der ande­ren Sei­te die Pati­en­ten mit ihren Krank­hei­ten, Nöten und Ängs­ten, die sie wahr­schein­lich vor der Kame­ra ver­ber­gen oder unter­drü­cken. Wel­cher Mensch hat schon in solch einer „Aus­nah­me­si­tua­ti­on Kran­ken­haus“ dann auch noch gern die Kame­ra im Gesicht und dazu einen grin­sen­den oder ent­setz­ten Promi?

Als die Sen­dung vor­bei ist, bin ich fas­sungs­los. Ich sit­ze eini­ge Minu­ten da und kann mein pures Ent­set­zen und mei­nen Zorn kaum in Wor­te fas­sen. Wie vie­len Pfle­ge­kräf­ten wird es in die­sem Moment ähn­lich da drau­ßen gehen?

Glück­wunsch an den Sen­der, die­se Sen­dung ist das Allerletzte!

Nach eini­gen Minu­ten kann ich mich wie­der besin­nen und die Wut len­ken. Ich den­ke nach und wer­de trau­rig und nach­denk­lich und kann dann nur eines schrei­ben an alle Pfle­ge­kräf­te da draußen:

„Lie­be Pfle­ge­kräf­te, die Ihr da drau­ßen seit unzäh­li­gen Jah­ren für viel zu wenig Lohn und unter mise­ra­blen Arbeits­be­din­gun­gen arbei­tet und den Beruf ‚von der Pike auf gelernt habt‘. Genau Ihr seid für mich die Men­schen, wel­che den Job täg­lich mit Herz­blut machen – kei­ne Möch­te­gern-Pro­mis für Ein­schalt­quo­te, Auf­merk­sam­keit und Bekanntheit.“

Zur Per­son: Ste­fan Heyde ist lang­jäh­ri­ger Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ger. Um Miss­stän­de auf­zu­de­cken hat er die Akti­on Pfle­ge­kräf­te in Not ins Leben gerufen.

Wei­te­re Infos: pflegekraefte-in-not.weebly.com