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Prof. Dr. Mathias Pletz leitet die Klinische Forschergruppe Infektiologie am Universitätsklinikum Jena.
Prof. Dr. Mathias Pletz leitet die Klinische Forschergruppe Infektiologie am Universitätsklinikum Jena.Anna Schroll/UKJ

Die Forschergruppe bildet zusammen mit der Krankenhaushygiene das inzwischen 30-köpfige Team des Zentrums für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Jenaer Uniklinikum (UKJ), einer eigenständigen Einrichtung des Klinikums. „In Deutschland besteht großer Nachholbedarf in Sachen Infektiologie“, betont Pletz. „Während es in den USA seit über 40 Jahren eine entsprechende Facharztausbildung gibt und in der Schweiz an allen Unikliniken infektiologische Abteilungen bestehen, bietet die Bundesärztekammer das Fach erst seit einigen Jahren als einjährige Spezialisierung für einzelne Facharztrichtungen an – und in Thüringen gibt es auf über 20.000 Betten ganze drei in der Klinik tätige Infektiologen.“

Die Jenaer Infektionsmediziner sind entsprechend eingebunden in die Weiterbildung von Ärzten und Krankenhaushygienikern. Im Klinikum kommen sie täglich zur Visite auf die Intensivstationen und sind rund um die Uhr Ansprechpartner für die Ärzte, auch außerhalb des UKJ. „Ein wesentliches Ziel dabei ist der rationale Einsatz von Antibiotika. Wir konnten dadurch einen Rückgang beim Verbrauch verschiedener Antibiotika erreichen, vor allem solcher mit breitem Wirkungsspektrum“, so Mathias Pletz.

Neue Wirkstoffe gegen den Biofilm

Dass es dabei nicht um eine pauschale Verringerung gehen kann, zeigt eines der neuen Forschungsprojekte. Prof. Pletz: „Bei einem Drittel der Patienten mit schwerer Sepsis liegen die Antibiotikaspiegel unterhalb der Wirksamkeit, weil die Flüssigkeits- und Stoffwechselregulation grundlegend gestört sind. Wir wollen ein Echtzeitmonitoring entwickeln, um die Wirkstoffgabe unmittelbar nachregeln zu können.“ Dazu arbeiten die Mediziner mit Spezialisten für Raman-Spektroskopie von Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena an einer Sonde, die den Wirkstoffspiegel direkt im Blut messen kann.

Auch wenn Bakterien auf Oberflächen wie Implantaten oder Herzklappen Biofilme gebildet haben, ist ihnen mit einer normalen Antibiotika-Gabe nicht beizukommen. In diesen Belägen organisieren sich die Erreger festungsartig, und es bedarf der mehr als 1000fachen Antibiotika-Konzentration, um diese Barriere zu durchbrechen. „Das wird als phänotypische Resistenz bezeichnet“, so Mathias Pletz. „Wir kennen aber Wirkstoffe, keine Antibiotika, die die Biofilmbildung stören.“ Die Wissenschaftler wollen nun feststellen, welche Konzentration dieser unter anderem in Antidepressiva zugelassenen Wirkstoffe notwendig ist, um den Erregerschutzwall zu überwinden. Dazu führen sie Hochdurchsatztests an eigens entwickelten Biofilmmodellen durch, auch in Kombination mit antibiotischen Wirkstoffen.