Wer­ner Fuhr­mann fragt: Besteht eine Ver­pflich­tung der Kran­ken­kas­se zur Über­nah­me der Kos­ten für eine Orthe­se, wenn der Pati­ent die­ses Hilfs­mit­tel wäh­rend sei­nes sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes im Kran­ken­haus not­wen­di­ger­wei­se erhält, es aber auch in der län­ger­fris­ti­gen anschlie­ßen­den ambu­lan­ten Situa­ti­on wei­ter benö­tigt?

Ant­wort der Redak­ti­on: Bei den typi­scher­wei­se bereits wäh­rend einer Kran­ken­haus­be­hand­lung abge­ge­be­nen Hilfs­mit­teln wie zum Bei­spiel einer Orthe­se han­delt es sich regel­mä­ßig um medi­zi­ni­sche Hilfs­mit­tel im Sin­ne von § 33 SGB V, d.h. prin­zi­pi­ell hat der kran­ken­ver­si­cher­te, hilfs­mit­tel­be­dürf­ti­ge Pati­ent nach eben die­ser Vor­schrift auch einen Rechts­an­spruch gegen­über sei­ner Kran­ken­kas­se. Wenn­gleich dem gesetz­li­chen Tat­be­stand des Anspruchs auf Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung nicht direkt ent­nom­men wer­den kann, wo die Ver­sor­gung mit dem begehr­ten Hilfs­mit­tel zu erfol­gen hat, wird eine ört­li­che Ein­gren­zung des Anspruchs auf Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln durch die Begriffs­de­fi­ni­ti­on der „Kran­ken­haus­leis­tung“ im Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz (vgl. § 2 Abs. 1 KHEntgG) und die Beschrei­bung des Umfangs der Kran­ken­haus­be­hand­lung gemäß § 39 SGB V vor­ge­nom­men. Bei­de Vor­schrif­ten rech­nen sämt­li­che Leis­tun­gen, die im Ein­zel­fall nach Art und Schwe­re der Krank­heit für die Ver­sor­gung des Ver­si­cher­ten im Kran­ken­haus not­wen­dig sind, der Kli­nik zu, also auch die Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln.

Die­sen Ansatz haben ver­schie­de­ne Kas­sen in der Ver­gan­gen­heit genutzt, den Kli­ni­ken auch die Kos­ten­last für die post­sta­tio­nä­re Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung zuzu­wei­sen, wenn der Bedarf und die Zur­ver­fü­gung­stel­lung bereits wäh­rend des sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes erfolgt sind und nach dem Sek­to­ren­über­gang in der ambu­lan­ten Situa­ti­on fort­be­steht.

Dem­ge­gen­über ist die auf das Sozi­al­recht spe­zia­li­sier­te Kanz­lei Hart­mann Rechts­an­wäl­te in einem Kurz­gut­ach­ten zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass wäh­rend des Kli­nik­auf­ent­hal­tes begon­ne­ne Hilfs­mit­tel­ver­sor­gun­gen, die schwer­punkt­mä­ßig der nach­sta­tio­nä­ren Behand­lung die­nen, nicht Teil der Kran­ken­haus­be­hand­lung sind, son­dern der Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se unter­fal­len.

Zu beach­ten sei­en in die­sem Zusam­men­hang jedoch auf Lan­des­ebe­ne getrof­fe­ne Ver­trä­ge zwi­schen den Lan­des­ver­bän­den der Kran­ken­kas­sen und den Lan­des­kran­ken­haus­ge­sell­schaf­ten über die Kran­ken­haus­be­hand­lung, die ggf. abwei­chen­de Rege­lun­gen über die Kos­ten­tra­gun­gen vor­se­hen kön­nen. Vor­be­halt­lich ander­wei­ti­ger Ver­ein­ba­run­gen soll­te daher bei einer Ableh­nung der Kos­ten­über­nah­me für ein sta­tio­när zur Ver­fü­gung gestell­tes und im post­sta­tio­nä­ren, ambu­lan­ten Ver­sor­gungs­be­reich wei­ter benö­tig­tes Hilfs­mit­tel ein Wider­spruch erwo­gen wer­den.