Die Dokumentation in der Pflege ist einer der wichtigsten Bestandteile der pflegerischen Praxis. Sie ist aber zugleich ein ungeliebtes Thema, denn abgesehen von mit ihr verbundenen haftungsrechtlichen Risiken bedeutet die Pflegedokumentation immer auch ein enormer bürokratischer Aufwand. Das haben auch die politischen Akteure erkannt – eine Maßnahme war deshalb beispielsweise die Einführung eines „Strukturmodells“, das seit 2015 bundesweit eingeführt wird und vor allem dem bürokratischen Aufwand in der Langzeitpflege entgegen wirken soll. Schließlich wird laut Statistischem Bundesamt 13 Prozent der Arbeitszeit von Pflegekräften für die Pflegedokumentation aufgewendet, das entspricht jährlichen Kosten in Höhe von rund 2,7 Milliarden Euro – vor diesem Hintergrund erscheint eine Entbürokratisierung in der Pflege also durchaus als eine sinnvolle Maßnahme.

BSN

Gerhard Herrmann zur Enbürokratisierung in der Pflege

Nach einer Einschätzung zur Entbürokratisierung in der Pflege im Allgemeinen hat die Redaktion der Rechtsdepesche daher den Abteilungsleiter im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales von Nordrhein-Westfalen, Gerhard Herrmann, befragt. Wir wollten wissen, inwiefern die Akteure in der Pflege tatsächlich von der Entbürokratisierung profitieren. „Positiv ist auf jeden Fall auf der Seite der Pflegenden, dass sie mehr Zeit haben für das, was sie sich wünschen. Sie wünschen sich mehr Pflegemöglichkeiten mit den Menschen direkt, nicht am Bett, sondern sozusagen im gesamten Pflegeprozess tätig zu werden“, erklärt Herrmann. Damit einher gehen außerdem eine höhere Arbeitszufriedenheit sowie mehr zur Verfügung stehende Zeit, wodurch zugleich insgesamt die Qualität in der Patientenversorgung angehoben werde.

Auch auf die Frage, worin die größten Herausforderungen beim Thema Entbürokratisierung liegen, hat Gerhard Herrmann eine Antwort. Sie bestehen ihm zufolge in der Veränderung von Prozessen, die immer auch ein Umdenken der Prozessanwender, also der Pflegenden, erfordern. Das könne auch Unsicherheiten hervorrufen. Daher sei es wichtig, dass solche Veränderungen immer unterstützt werden, etwa durch Erklärungen, Diskussionen, Fortbildungen.

Positiv zu verzeichnende Effekte durch bereits eingeführte Maßnahmen zur Entbürokratisierung sieht Herrmann vor allem darin, dass auch zwischen den einzelnen Professionen – beispielsweise zwischen Ärzten und Pflegenden – ein größeres gemeinsames Verständnis des Prozesses gebe. Die daraus resultierende bessere Zusammenarbeit sei zugleich ein Gewinn für die betroffenen Patienten und Pflegebedürftigen: „Gemeinsames Verständnis von etwas schafft Vertrauen und das schafft bessere Zusammenarbeit und dadurch, glaube ich, einen Gewinn – einen Gewinn nicht nur für die beteiligten Akteure – sondern auch für die betroffenen Patienten und Patientinnen und Pflegebedürftigen“, so Herrmann abschließend.

Das Interview mit Gerhard Herrmann wurde am 24. Mai 2018 auf dem JuraHealth Congress in den Kölner Sartory-Sälen gehalten.

Besuchen Sie den IWC