Impfpflicht
Die Impfpflicht gegen SARS Cov‑2 ist im Bundes­tag geschei­tert Bild: Pixabay

Medizi­ner befürch­ten nach dem Schei­tern einer allge­mei­nen Corona-Impfpflicht nun wieder eine Zuspit­zung der Pande­mie im Herbst. Sogar neue Lockdowns seien nicht mehr auszu­schlies­sen.

„Fakt ist, dass wir im Herbst wieder mit steigen­den Infek­ti­ons­zah­len rechnen müssen“, sagte der Vorstands­vor­sit­zende der Deutschen Kranken­haus­ge­sell­schaft (DKG), Gerald Gaß, der Augsbur­ger Allge­mei­nen. „Darauf muss sich die Politik bereits heute vorbe­rei­ten, um eine Überlas­tung des Gesund­heits­sys­tems zu vermei­den.“

Impfpflicht: „Keine Einigung das Schlimmste“

Der General­se­kre­tär der Deutschen Immuno­lo­gi­schen Gesell­schaft, Carsten Watzl, erklärte: „Das Schlimmste, was passie­ren konnte, war gar keine Einigung.“ Überle­gun­gen für einen neuen Anlauf für eine Impfpflicht kämen seiner Ansicht nach zu spät. „Eine Impfpflicht, die erst im Herbst beschlos­sen würde, hätte kaum einen akuten Effekt auf die dann anste­hende Welle, und man müsste wieder mit anderen Maßnah­men gegen­steu­ern.“

Zuvor hatten sich Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD) und sein bayeri­scher Kollege Klaus Holet­schek (CSU) dafür ausge­spro­chen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Lauter­bach will jetzt eine Novelle des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes. Und auch bei der Impfpflicht gibt der Mahner der Nation nicht auf.

Lauter­bach gibt nicht auf

Lauter­bach will weiter versu­chen, „bis zum Herbst eine Impfpflicht zu errei­chen, um unnötige Opfer im Herbst zu vermei­den“, bekräf­tigte der Minis­ter in der Bild-Zeitung: „Als Arzt und als Politi­ker gebe ich nie auf, wenn es um das Leben anderer Menschen geht.“

Der derzei­tige Chef der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz, der Nordrhein-Westfale Hendrik Wüst (CDU), ist skeptisch, dass der Bundes­tag noch einen zweiten Anlauf für eine Impfpflicht unter­nimmt. Er glaube, dass das nicht passiert, sagte Wüst am Abend nach einem Treffen der Länder mit Scholz.

„Deutsch­land wird schlecht aufge­stellt sein für den nächs­ten Herbst“, prophe­zeit der Vorsit­zende des Weltärz­te­bunds, Frank Ulrich Montgo­mery. Wenn sich nicht noch viele impfen ließen, „werden wir im nächs­ten Herbst und Winter wieder über Lockdown und Kontakt­be­gren­zun­gen reden und strei­ten“.

Medien­kam­pa­gne gefor­dert

Mehr Engage­ment fordert dagegen die Ärzte­ge­werk­schaft Marbur­ger Bund: „Wir erwar­ten, dass die Bundes­re­gie­rung jetzt alle Anstren­gun­gen unter­nimmt, eine echte Medien­kam­pa­gne zu initi­ie­ren und damit gleich­zei­tig die Impfauf­klä­rung und Beratung verstärkt“, sagte die Vorsit­zende Susanne Johna den Zeitun­gen der Funke-Medien­gruppe.

Derzeit ist die Impfkam­pa­gne quasi zum Erlie­gen gekom­men. Im Wochen­durch­schnitt sind es täglich gut 36.000 Impfun­gen. Zu Beginn der Kampa­gne waren es teils über eine Million am Tag gewesen.

Kinder und Jugend­li­che seien Haupt­leid­tra­gende

Der Berufs­ver­band der Kinder- und Jugend­ärzte sieht die Chancen für eine Steige­rung bis zum Herbst daher skeptisch. „Es ist nicht anzuneh­men, dass die Impfrate bis dahin noch nennens­wert steigt“, schrieb Verbands­prä­si­dent Thomas Fisch­bach in einer Mittei­lung. Es drohten höhere Infek­ti­ons­zah­len und womög­lich neue Varian­ten. „Diese Entwick­lun­gen würden zwangs­läu­fig zu neuen, einschrän­ken­den Maßnah­men bei der Bevöl­ke­rung führen, die hätten verhin­dert werden können.“

Die Haupt­leid­tra­gen­den seien dann erneut die Kinder und Jugend­li­chen. In den Funke-Zeitun­gen kriti­sierte er die Entschei­dung des Bundes­tags als „Staats­ver­sa­gen“.

Quellen: Augsbur­ger Allge­meine, RND, Bild, Deutsch­land­funk