Impfpflicht
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach (SPD) wäh­rend der Debat­teBild: Deut­scher Bundestag/Parlamentsfernsehen

Obwohl in den deut­schen Kran­ken­häu­sern nach Stu­di­en des Robert-Koch-Insti­tuts eine ver­gleichs­wei­se hohe Impf­quo­te von mehr als 90 Pro­zent exis­tiert, nimmt die Impf­pflicht die Arbeit­ge­ber in die Ver­ant­wor­tung, alles Mach­ba­re zu unter­neh­men, um die bis­her noch Unent­schlos­se­nen zur Imp­fung zu bewe­gen. Inten­si­ve und indi­vi­du­el­le Auf­klä­rungs­ge­sprä­che haben sich dabei in der Ver­gan­gen­heit als hilf­reich erwie­sen. Auch nied­rig­schwel­li­ge Impf­an­ge­bo­te für die­se Per­so­nen­grup­pe soll­ten in den kom­men­den Wochen von den Kran­ken­häu­sern auf­recht­erhal­ten werden.

„Es ist unser gro­ßes Ziel, mög­lichst nie­man­den zu ver­lie­ren und mit Hil­fe von Auf­klä­rung eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Impf­quo­te zu errei­chen“, erklär­te Dr. Gerald Gaß, der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG). „Wir appel­lie­ren sehr ein­dring­lich an alle bis­her noch unge­impf­ten Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in den Kran­ken­häu­sern, egal wel­cher Berufs­grup­pe, ihre bis­he­ri­ge Ent­schei­dung zu überdenken.“

Die Gewerk­schaft Ver­di rech­net wegen der Coro­na-Impf­pflicht für Mit­ar­bei­ten­de in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­hei­men mit einer Ver­schär­fung des Pfle­ge­not­stands. Der Ver­di-Lan­des­ver­band in Nord­rhein-West­fa­len pro­gnos­ti­ziert Kün­di­gun­gen von bis zu einem Pro­zent der Pfle­gen­den im Land.

Verdi: Impfpflicht erhöhrt Impfquote nicht

Die Impf­pflicht für ein­zel­ne Berufs­grup­pen sei „falsch und kon­tra­pro­duk­tiv“, sag­te Ver­di-Gewerk­schafts­se­kre­tär für Pfle­ge­be­ru­fe, Jan von Hagen, der „Neue Ruhr/Neue Rhein Zei­tung“ (NRZ). Das wer­de die Impf­quo­te nicht wesent­lich erhö­hen, so von Hagen. Die­se lie­ge laut NRZ-Anga­ben ohne­hin bei über 90 Prozent.

Der Gewerk­schafts­se­kre­tär rech­net damit, dass allein in Hei­men bis zu 2.000 Pfle­gen­de ihren Job kün­di­gen. Die­se Men­schen ver­lies­sen dann ein ohne­hin „völ­lig über­las­te­tes System.“

Chris­ti­ne Vog­ler, Prä­si­den­tin des Deut­schen Pfle­gerats, erklärt: „Der Deut­sche Pfle­gerat begrüßt die Rege­lung der ein­rich­tungs­be­zo­ge­nen Impf­pflicht zum Schutz der vul­nerablen Grup­pen und deren beab­sich­tig­te Eva­lua­ti­on.“ Offen blie­ben nach Vog­ler zahl­rei­che Fra­gen zur kon­kre­ten Umset­zung. Wie müs­sen sich Arbeit­ge­ber ver­hal­ten, wenn am 16. März 2022 Mit­ar­bei­ten­de in einer ent­spre­chen­den Ein­rich­tung ohne Impf­nach­wei­se und ohne ärzt­li­che Beschei­ni­gung über eine Kon­tra­in­di­ka­ti­on zum Dienst erschei­nen? Muss ein sol­cher Mit­ar­bei­ten­der ohne Bezug eines Ent­gelts frei­ge­stellt werden?

Hier gilt es aus Sicht des Deut­schen Pfle­gerats Rege­lun­gen zu erlas­sen, wie die Impf­pflicht kon­kret umge­setzt wer­den kann.

Quel­le: DKG, Ver­di, Deut­scher Pflegerat