Medikationsfehler
Bei den moder­nen Arbeits­be­din­gun­gen in Kran­ken­häu­sern und ande­ren Gesund­heits­ein­rich­tun­gen kom­men Medi­ka­ti­ons­feh­ler ver­mehrt vor.frolicsomepl/Pixabay.com [CC0 1.0]

Medi­ka­ti­ons­feh­ler sind ein gesund­heits­re­le­van­tes Pro­blem. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) schätzt, dass welt­weit etwa jede zehn­te sta­tio­nä­re Auf­nah­me auf uner­wünsch­te Arz­nei­mit­tel­er­eig­nis­se zurück­zu­füh­ren ist. Ein gro­ßer Teil davon ist durch Medi­ka­ti­ons­feh­ler bedingt und prin­zi­pi­ell ver­meid­bar. In Deutsch­land wer­den etwa 0,6 Pro­zent aller inter­nis­ti­schen Not­auf­nah­men als durch Medi­ka­ti­ons­feh­ler bedingt ein­ge­schätzt.

Zum Inter­na­tio­na­len Tag der Pati­en­ten­si­cher­heit weist der Deut­sche Berufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe (DBfK) auf die Aus­wir­kun­gen der kon­ti­nu­ier­lich anhal­ten­den Arbeits­ver­dich­tung in der hin. „Dass die beruf­lich Pfle­gen­den in allen Sek­to­ren der Gesund­heits­ver­sor­gung eine maß­geb­li­che Rol­le bei der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie spie­len, wird viel zu wenig beach­tet. der Medi­ka­ti­on setzt umfas­sen­des Wis­sen über die Wir­kun­gen und Neben­wir­kun­gen, Ver­ab­rei­chungs­vor­ga­ben und Krank­heits­ver­läu­fe vor­aus. Und sie erfor­dert Zeit, Ver­ord­nun­gen fach­ge­recht und pati­en­ten­ori­en­tiert umzu­set­zen. Zeit, die in der Pfle­ge­ar­beit immer knap­per wird“, sagt DBfK-Spre­che­rin Johan­na Knüp­pel.

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Die Arbeitsbedingungen sind verantwortlich

Medi­ka­ti­ons­feh­ler kön­nen bei jedem Schritt des Medi­ka­ti­ons­pro­zes­ses auf­tre­ten. So kön­nen Feh­ler z.B. bei der Medi­ka­men­ten­ver­ord­nung ent­ste­hen, wenn der Arzt ein für den indi­vi­du­el­len Pati­en­ten unge­eig­ne­tes Medi­ka­ment oder eine fal­sche Dosie­rung ver­schreibt. Eine Feh­ler­quel­le kann auch die Ver­wechs­lung von Arz­nei­mit­teln bei der Aus­ga­be der Medi­ka­men­te im Kran­ken­haus sein. Eine feh­ler­haf­te Ver­ab­rei­chung kann resul­tie­ren, wenn ver­se­hent­lich Arz­nei­mit­tel, die für die intra­mus­ku­lä­re Gabe vor­ge­se­hen sind, in die Vene inji­ziert wer­den. Grund­sätz­lich kön­nen Medi­ka­ti­ons­feh­ler von jedem am Medi­ka­ti­ons­pro­zess Betei­lig­ten ver­ur­sacht wer­den – von Ärz­ten, Apo­the­kern oder Pfle­ge­per­so­nal sowie von Pati­en­ten und deren Ange­hö­ri­gen.

Zu den gro­ßen Risi­ko­fak­to­ren für Medi­ka­ti­ons­feh­ler zäh­len aus der Per­spek­ti­ve der Pfle­ge­fach­per­so­nen die heu­ti­gen Arbeits­be­din­gun­gen. Es ist durch inter­na­tio­na­le Stu­di­en erwie­sen, dass Zeit­druck, häu­fi­ge Arbeits­un­ter­bre­chun­gen, unzu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und Doku­men­ta­ti­on, orga­ni­sa­to­ri­sche Män­gel, nied­ri­ge Qua­li­fi­ka­ti­on sowie Müdig­keit das Ent­ste­hen von Feh­lern begüns­ti­gen. Medi­ka­ti­ons­feh­ler sind in den aller­meis­ten Fäl­len ein Sys­tem­pro­blem und weni­ger die Schuld des Ein­zel­nen. Sie müs­sen gemel­det und sys­te­ma­tisch auf­ge­ar­bei­tet wer­den, ris­kan­te Abläu­fe sind abzu­stel­len und Sys­tem­män­gel zu behe­ben.