Um zusätzliche Fachkräfte zur Bewältigung der Corona-Krise zu gewinnen, haben die Pflegekammern sowie die Vereinigung der Pflegenden in Bayern Meldestellen für freiwillige Helfer eingerichtet.
Bei den Mel­de­stel­len der Pfle­ge­kam­mern sowie der Ver­ei­ni­gung für Pfle­gen­de in Bay­ern kön­nen sich Frewil­li­ge regis­trie­ren las­sen.Pho­to 28179303 © Mon­key Busi­ness Images – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die Pfle­ge­be­ru­fe­kam­mern sowie die Ver­ei­ni­gung der Pfle­gen­den in Bay­ern (VdPB) sto­ßen mit ihrer Mel­de­stel­le für frei­wil­li­ge Pfe­ge­kräf­te, die im Ernst­fall zur Bewäl­ti­gung der Coro­na­kri­se Unter­stüt­zung leis­ten könn­ten, auf gro­ße Reso­nanz. Bereits Mit­te März hat­ten die Kam­mern ver­kün­det, eine sol­che Mel­de­stel­le ein­zu­rich­ten, an die sich aus­ge­bil­de­te, aber aus ihrem Pfle­ge­be­ruf aus­ge­stie­ge­ne Pfle­ge­kräf­te sowie ande­re Per­so­nen mit einer ent­spre­chen­den Aus­bil­dung wen­den kön­nen. In den ers­ten bei­den Wochen nach Ein­rich­tung der Mel­de­stel­le haben sich bei der Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen bereits 120 Per­so­nen gemel­det, bei der rhein­land-pfäl­zi­schen Pfle­ge­kam­mer kön­nen mitt­ler­wei­le schon rund 450 Frei­wil­li­ge ver­mel­det wer­den (Stand 14. April 2020) – dies sei ein „gro­ßes Zei­chen der Soli­da­ri­tät“, so der Kam­mer­prä­si­dent Dr. Mar­kus Mai in einer dies­be­züg­li­chen Pres­se­mit­tei­lung. In Bay­ern sind inzwi­schen sogar rund 2700 Mel­dun­gen eingegangen.

Wie genau wird ein sol­cher Ein­satz der Frei­wil­li­gen orga­ni­siert, wie sind sie haf­tungs­recht­lich abge­si­chert und erhal­ten sie dafür auch eine Ver­gü­tung? Dies woll­ten wir genau­er wis­sen und haben dazu bei der Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen sowie bei der Ver­ei­ni­gung der Pfle­gen­den in Bay­ern nachgefragt.

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Wie wird der Einsatz vergütet?

Kommt es für die Frei­wil­li­gen zu einem Ein­satz, bedeu­tet das natür­lich zugleich, dass sie unter Umstän­den ihrer eigent­li­chen beruf­li­chen Tätig­keit gar nicht oder nur noch bedingt nach­kom­men kön­nen. Hier dür­fen für sie natür­lich kei­ne finan­zi­el­len Ein­bu­ßen ent­ste­hen. In Bay­ern greift für die Ein­sät­ze das soge­nann­te Baye­ri­sche Kata­stro­phen­schutz­ge­setz (BayK­SG), das auch im All­ge­mei­nen für frei­wil­li­ge Hilf­or­ga­ni­sa­tio­nen Gel­tung hat. Dem­nach kön­nen die frei­wil­li­gen Fach­kräf­te von ihrem Arbeit­ge­ber frei­ge­stellt wer­den, bezie­hen aber wei­ter­hin durch ihn ihr Gehalt. Der Arbeit­ge­ber wie­der­um kann dann Ersatz­an­sprü­che gegen­über den ent­spre­chen­den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen gel­tend machen, also etwa bei dem Baye­ri­schen Roten Kreuz (BRK). Die Pfle­ge­kräf­te, die sich bei der Mel­de­stel­le regis­trie­ren und noch nicht bei einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Mit­glied sind, erhal­ten dazu eine auto­ma­ti­sche Mit­glied­schaft beim BRK, die Pro­jekt­be­zo­gen und nur für die Dau­er der Pan­de­mie gilt.

Außer­dem hat die Bun­des­agen­tur für Arbeit die Bedin­gun­gen zur Arbeit­neh­mer­über­las­sung gelo­ckert. Dies ermög­licht Fir­men, die eigent­lich kei­ne Arbeit­neh­mer­über­las­sung durch­füh­ren, ihre Mit­ar­bei­ter im Rah­men der Coro­na-Kri­se ande­ren Unter­neh­men bzw. Ein­rich­tun­gen zu über­las­sen. Die Zuver­diens­te sei­en für Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer bis zur Höhe des vor­he­ri­gen Net­to­ein­kom­mens anrech­nungs­frei, so die Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen. Die Höhe des Zuver­diens­tes wer­de dann bei der Berech­nung des Kurz­ar­bei­ter­gel­des berücksichtigt.

Ob dar­über hin­aus zusätz­li­che Anrei­ze geschaf­fen wer­den, etwa durch die Über­nah­me zusätz­lich auf­kom­men­der Fahrt­kos­ten, obliegt den Ein­rich­tun­gen und Ein­satz­stel­len selbst.

Wie werden die Einsätze organisiert?

Um über­haupt als frewil­li­ge Pfle­ge­kraft in der Daten­bank der Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen auf­ge­nom­men zu wer­den, braucht es nur weni­gen orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand. Per Mail, tele­fo­ni­scher Anfra­ge oder Online-For­mu­lar kön­nen sich die betref­fen­den Per­so­nen bei der Kam­mer mel­den und wer­den von Mit­ar­bei­ten­den der Geschäfts­stel­le in eine Daten­bank auf­ge­nom­men. Die Kam­mer über­nimmt jedoch nicht die direk­te Ver­mitt­lung an die Ein­rich­tun­gen. Viel­mehr stellt sie die nach Regi­on gefil­ter­ten Kon­takt­da­ten den kom­mu­na­len Gesund­heits­äm­tern bzw. Kri­sen­stä­ben zur Ver­fü­gung. Die­se kön­nen die Dring­lich­keit und den tat­säch­li­chen Bedarf vor Ort bes­ser abschät­zen und über­prü­fen, heißt es sei­tens der Kam­mer. So ähn­lich läuft die Ver­mitt­lung auch bei der Ver­ei­ni­gung der Pfle­gen­den in Bay­ern ab: Hier mel­den die Behör­den auf Lan­des­ebe­ne, die Füh­rungs­grup­pen Kata­stro­phen­schutz (FüGK), den ent­spre­chen­den Bedarf bei der Ver­ei­ni­gung, die dann die Daten der Frei­wil­li­gen vermittelt.

Wie sind die freiwilligen Pflegekräfte abgesichert?

Natür­lich stellt sich auch die Fra­ge nach dem Ver­si­che­rungs­schutz für die frei­wil­li­gen Hel­fer, der nicht von den Kam­mern über­nom­men wird. Haf­tungs- und veri­sche­rungs­tech­ni­sche Maß­nah­men sind von den ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen zu über­neh­men, bei denen die Frei­wil­li­gen ein­ge­setzt wer­den. Grund­sätz­lich, so die Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen, rich­tet sich der Ver­si­che­rungs­schutz dabei nach der Orga­ni­sa­tion­form und dem Trä­ger des Enga­ge­ments. Wer­den also bei­spiels­wei­se Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne geschaf­fen, so müs­sen dann auch die Kom­mu­nen den Ver­si­che­rungs­schutz vorhalten.