Zahlreiche Medizinstudierende leisten Unterstützung in der Corona-Krise.
Zahl­rei­che Medi­zin­stu­die­ren­de leis­ten Unter­stüt­zung in der .Pho­to 126752930 © David Her­ra­ez – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Zum 1. April 2020 ist die „Ver­ord­nung zur Abwei­chung von der Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“ in Kraft getre­ten, die am 30. März 2020 von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn unter­zeich­net wur­de. Zahl­rei­che Medi­zin­stu­die­ren­de hel­fen der­zeit bei der Bekämp­fung von mit, indem sie mit­un­ter Unter­stüt­zung in Kran­ken­häu­sern oder Gesund­heits­äm­tern leis­ten und des­halb ihrem regu­lä­ren Stu­di­en­ab­lauf nicht nach­kom­men kön­nen. Mit der Ver­ord­nung soll­ten mög­lichst fle­xi­ble Rege­lun­gen sicher­ge­stellt wer­den, sodass Medi­zin­stu­die­ren­de das Gesund­heits­we­sen in der aktu­ell­len Situa­ti­on unter­stüt­zen kön­nen, aber zugleich ihr Stu­di­um erfolg­reich fort­set­zen kön­nen.

„Ich bin den Medi­zin­stu­die­ren­den sehr dank­bar, dass sie in die­ser schwie­ri­gen Lage in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung mit anpa­cken. Des­halb sor­gen wir dafür, dass sie dadurch kei­ne Nach­tei­le für ihren Stu­di­en­fort­schritt hin­neh­men müs­sen. Dafür haben wir jetzt fle­xi­ble und rechts­si­che­re Rege­lun­gen getrof­fen – ohne jedoch Abstri­che bei der Qua­li­tät der ärzt­li­chen Aus­bil­dung zu machen“, erklär­te Jens Spahn.

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Im Kern ging es ins­be­son­de­re dar­um, ob die schrift­li­chen Prü­fun­gen des zwei­ten Staats­examens (M2) ver­scho­ben wer­den. Nach lan­gem Hin und Her gibt die Ver­ord­nung nun Klar­heit dar­über: Grund­sätz­lich wird das zwei­te auf das nächs­te Jahr ver­legt und dafür das Prak­ti­sche Jahr (PJ) vor­ge­zo­gen. Die Län­der haben jedoch die Mög­lich­keit, davon abzu­wei­chen und die Prü­fun­gen plan­mä­ßig, im April die­sen Jah­res, statt­fin­den zu las­sen.

Die Regelungen im Wesentlichen:

  • Grund­sätz­lich wird das zwei­te bun­des­weit ver­scho­ben, die Fort­set­zung des Stu­di­ums wird gewähr­leis­tet.
  • Die Län­der haben die Mög­lich­keit, hier­von abzu­wei­chen und von ihrem Opti­ons­recht Gebrauch zu machen, wenn sie die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Prü­fung unter den Bedin­gun­gen der epi­de­mi­schen Lage sicher­stel­len kön­nen.
  • Die Stu­die­ren­den, für die das Examen ver­scho­ben wur­de, gehen im April in das PJ, das für sie von 48 auf 45 Wochen ver­kürzt wird, um die Lern­zeit im Anschluss zu ver­län­gern.
  • Die Stu­die­ren­den in den Län­dern, in denen das zwei­te Staats­examen nicht ver­scho­ben wird, orga­ni­sie­ren das PJ so, wie es in der Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te regu­lär vor­ge­se­hen ist. Vor allem bleibt es für sie bei den vor­ge­se­he­nen 48 Wochen.
  • Die Durch­füh­rung des drit­ten Staats­examens im Mai wird erleich­tert, indem die Dau­er der Prü­fung um die Hälf­te gekürzt wird.

§ 5 Abs. 2 Nr. 7b Infek­ti­ons­schutz­ge­setz (IfSG) ist Grund­la­ge für den Erlass der Ver­ord­nung. Die gesam­te Ver­ord­nung kann auf der Sei­te des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums (BMG) her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Vie­le Bun­des­län­der haben bereits ver­kün­det, dass sie von ihrem „Opti­ons­recht“ Gebrauch machen und die Prü­fun­gen im April 2020 statt­fin­den las­sen wer­den. In drei Län­dern, Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Ber­lin, kön­nen die Stu­die­ren­den selbst ent­schei­den, ob sie die Prü­fung wahr­neh­men oder ob sie an dem vor­zei­ti­gen PJ teil­neh­men wol­len. In Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern hin­ge­gen haben die Stu­die­ren­den kei­ne Wahl – für sie ist die Ver­schie­bung des Examens alter­na­tiv­los.

Viele Medizinstudierende wollen helfen

Die Reso­nanz unter den Medi­zin­stu­die­ren­den, in der aktu­el­len Lage hel­fen zu wol­len, ist enorm groß. Zehn­tau­sen­de haben sich laut der Bun­des­ver­tre­tung der Medi­zin­stu­die­ren­den in Deutsch­land (bvmd) bereits zur Unter­stüt­zung der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung gemel­det. So bei­spiels­wei­se Mara Schar­ping, die in die­sem Bei­trag des ZDF ein­drucks­voll und ermu­ti­gend über ihren Ein­satz als Medi­zin­stu­den­tin in der der­zeit­gen Coro­na-Kri­se berich­tet. Die Medi­zin­stu­die­ren­den sind außer­dem sehr gut ver­netzt: Die am 16. März gegrün­de­te Face­book-Grup­pe „Medi­zin­stu­die­ren­de vs. ″ ist inner­halb kür­zes­ter Zeit rasant ange­stie­gen, auf über 21.000 Stu­die­ren­de. Dar­aus ist gemein­sam mit der bvmd die Initia­ti­ve „medis-vs.COVID-19“ erwach­sen, die auf der Platt­form match4healthcare im Rah­men einer Live-Daten­bank Hel­fen­de und Hil­fe­su­chen­de zusam­men­füh­ren.

bvmd: „Erhebliche Gefährdung der mentalen Gesundheit“ und „Einschnitt in die Qualität der medizinischen Ausbildung“

Zu der erlas­se­nen Ver­ord­nung fin­det die bvmd den­noch nur weni­ge posi­ti­ve Wor­te. Noch vor Erlas­sen des Geset­zes hat­te die bvmd die „Fai­re Bedin­gun­gen für Prak­ti­sches Jahr und Staats­exami­na im Medi­zin­stu­di­um in der COVID-19-Pan­de­mie!“ gestar­tet, die inner­halb kür­zes­ter Zeit über 100.000 Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zer gefun­den hat. Zwar erken­ne die bvmd an, dass das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um den For­de­run­gen par­ti­ell ent­ge­gen gekom­men sei und eini­ge davon sogar im Wort­laut Ein­zug in die Ver­ord­nung gefun­den haben, den­noch kri­ti­sie­re sie die teils nega­ti­ven Rege­lun­gen. Dazu zählt bei­spies­lwei­se die Wie­der­ein­füh­rung des „Ham­mer­ex­amens“, bei dem durch die Ver­schie­bung die schrift­li­che Prü­fung und die prak­ti­sche Prü­fung nach dem prak­ti­schen Jahr im April und Mai 2021 auf­ein­an­der­fol­gen. Zwar wur­de das PJ ver­kürzt, um eine Lern­zeit von 42 Tagen zur sichern, heißt es in der Ver­ord­nung. „Die­se ist im Ver­gleich zu den 100 Tagen, die hin­läng­lich als Richt­wert gel­ten, schlicht­weg zu knapp bemes­sen“, räumt die bvmd ein.

Ins­ge­samt bedeu­te die Ver­ord­nung eine „erheb­li­che Gefähr­dung der men­ta­len Gesund­heit“ der Stu­die­ren­den und einen „kla­ren Ein­schnitt in die Qua­li­tät der medi­zi­ni­schen Aus­bil­dung“. Da bereits Mit­te März die Län­der dazu auf­ge­ru­fen wur­den, ver­stärkt auch Medi­zin­stu­die­ren­de zur Bekämp­fung der Coro­na-Kri­se ein­zu­set­zen, schweb­ten seit­dem vie­le Stu­die­ren­de mit der Unge­wiss­heit, ob ihr Staats­examen im April 2020 über­haupt noch statt­fin­det. Daher for­der­te die bvmd die Län­der auf, einen mög­lichst ein­fa­chen Prü­fungs­rück­tritt zu gewäh­ren, wenn sie vom Abwei­chen der Ver­ord­nung Gebrauch machen.