Mutter bei ihrem Kind am Patientenbett. (Symbolbild)
Mut­ter bei ihrem Kind am Pati­en­ten­bett. (Sym­bol­bild)© Roman023 | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Es ist nicht uneg­wöhn­lich, dass Eltern dar­um bit­ten auf ihre Kin­der wäh­rend der Nacht am Pati­en­ten­bett auf­pas­sen zu dür­fen. Wie steht es aber aus juris­ti­scher Sicht um die Haf­tung des Kran­ken­hau­ses, wenn es bei der elter­li­chen „“ durch eine Unauf­merk­sam­keit zu einer Kom­pli­ka­ti­on kommt?

Ein Kind ist, so lan­ge es min­der­jäh­rig ist (§ 2 BGB), der elter­li­chen Sor­ge anver­traut (§ 1626 Abs. 1 BGB). Die­ses am Wohl des Kin­des ori­en­tier­te Fürsorge- und Schutz­ver­hält­nis für min­der­jäh­ri­ge Kin­der kon­kur­riert wäh­rend der Zeit eines sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes mit den Obhuts- und Sorg­falts­pflich­ten der Behand­lungs­sei­te – ver­drängt sie jedoch nicht. Die ord­nungs­ge­mä­ße Erfüllung die­ser Pflich­ten des Behand­lungs­ver­tra­ges zählt auch bei Ein­bin­dung nahe­ste­hen­der Ver­wand­ter zu den ver­ant­wort­li­chen Auf­ga­ben des Kran­ken­haus­trä­gers und ‑per­so­nals. Die Gefah­ren, die sich aus die­sem soge­nann­ten voll­be­herrsch­ba­ren Herr­schafts- und Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich erge­ben, kön­nen von der Behand­lungs­sei­te nicht dadurch ver­nach­läs­sigt wer­den, dass aktiv mit­wir­ken­de Ange­hö­ri­ge – auch wenn sie pfle­ge­risch und/oder medi­zi­nisch vor­ge­bil­det sind – in die Pfle­ge des Kin­des ein­ge­bun­den wer­den, ins­be­son­de­re durch die Über­nah­me der .

Anzei­ge
PWG-Seminare

Wenn­gleich ein sol­cher Ein­satz bei min­der­jäh­ri­gen Kin­dern häu­fig sinn­voll erscheint, ändert dies nichts an der Ver­pflich­tung des Pfle­ge­per­so­nals, in den regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den nach dem Pati­en­ten zu schau­en. Allen­falls kann eine redu­zier­te Fre­quenz der nächt­li­chen Kon­troll­gän­ge ange­nom­men wer­den. Eine vor­her­ge­hen­de (doku­men­tier­te) Ein­wei­sung der Eltern in die all­ge­mei­nen Über­wa­chungs­pflich­ten ist frei­lich Grund­vor­aus­set­zung. Von einer ver­ant­wort­li­chen Über­tra­gung der ist in jedem Fall dann abzu­se­hen, wenn nach den kon­kre­ten Ver­hält­nis­sen eine Erhö­hung des Risi­kos für den Pati­en­ten zu befürchten wäre. Dies ist dann anzu­neh­men, wenn z. B. in der post­ope­ra­ti­ven Pha­se spe­zi­el­le Kennt­nis­se und Erfah­run­gen bei der Über­wa­chung von Infu­si­ons­sys­te­men oder medi­zin-tech­ni­schen Appa­ra­ten erfor­der­lich sind.[1]

[1] Vgl. zu den post­ope­ra­ti­ven Über­wa­chungs­pflich­ten: BGH NJW 1986, S. 2365.