Für eini­ge Ope­ra­tio­nen, wie bei­spiels­wei­se den Ein­satz eines künst­li­chen Knie­ge­lenks, wird eine jähr­li­che Min­dest­men­ge von 50 Stück ange­setzt. Kran­ken­häu­ser dür­fen also nur bei vor­aus­sicht­lich erbrach­ter Fall­zahl die­se Leis­tung bei gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen gel­tend machen. „Ob die­se Min­dest­zahl aller­dings einen adäqua­ten Cut-off-Wert dar­stellt, ab dem die Qua­li­tät gesi­chert ist oder steigt, ist voll­kom­men unge­klärt und wur­de bis­her auch nie wis­sen­schaft­lich unter­sucht“, erklärt Vize­prä­si­den­tin Prof. Dr. Julia Sei­fert vom Berufs­ver­band der Deut­schen Chir­ur­gen e.V. (BDC). Die Deut­sche Gesell­schaft für Chir­ur­gie e.V. (DGCH) und der BDC war­nen vor einer gene­rel­len Aus­wei­tung der Min­dest­men­gen­re­ge­lun­gen, bevor sich bis­her ein­ge­führ­te Vor­ga­ben nicht ein­deu­tig bewährt haben. „Wir benö­ti­gen evi­denz­ba­sier­te Ergeb­nis­se der bis­he­ri­gen Rege­lun­gen“, for­dert Prof. Dr. Hans-Joa­chim Mey­er, Prä­si­dent des BDC und Gene­ral­se­kre­tär der DGCH.

Die DGCH und der BDC spre­chen sich für die Spe­zia­li­sie­rung in der Chir­ur­gie aus – somit auch für die ver­stärk­te Zen­tra­li­sie­rung von Exper­ti­se. „Sehr kom­ple­xe Ein­grif­fe, vor allem bei bös­ar­ti­gen Erkran­kun­gen, wie zum Bei­spiel Ope­ra­tio­nen der Bauch­spei­chel­drü­se oder Spei­se­röh­re soll­ten nur in Kli­ni­ken mit ent­spre­chen­den Fall­zah­len und der not­wen­di­gen Erfah­rung durch­ge­führt wer­den. Die Höhe der Fall­zah­len bzw. die Erfah­rung muss dann aber ganz klar durch Stu­di­en belegt sein und muss sich an ein­deu­tig defi­nier­ten Schwel­len­wer­ten ori­en­tie­ren“, so Mey­er. Es sei unklar, ob die ein­ge­führ­ten Min­dest­men­gen gene­rell die Qua­li­tät stei­gern – die Daten­la­ge sei nicht ein­deu­tig, erklärt Mey­er wei­ter. „Der­zeit wird das Instru­ment der Min­dest­men­gen­re­gu­lie­rung poli­tisch im Wesent­li­chen zur Reduk­ti­on bestimm­ter Ein­grif­fe genutzt“, kri­ti­siert Sei­fert.

Mindestmengenregelung ist kein Allheilmittel

Mey­er for­dert, dass jede Aus­wei­tung von Min­dest­men­gen­re­ge­lun­gen inner­halb der Chir­ur­gie detail­liert geprüft wer­den müs­sen – und vor allem müs­sen den gefor­der­ten Min­dest­men­gen evi­denz­ba­sier­te Stu­di­en zugrun­de lie­gen. „Eine wei­te­re Aus­wei­tung kann nicht als allei­ni­ges Qua­li­täts­merk­mal in der Chir­ur­gie gel­ten, denn Min­dest­men­gen sind kein All­heil­mit­tel gegen Schwä­chen des Gesund­heits­sys­tems. Aller­dings sind Min­dest­men­gen­vor­ga­ben bei kom­ple­xen ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen für die Behand­lungs­qua­li­tät und Sicher­heit für den Pati­en­ten durch­aus zu for­dern.“