Blutentnahme
Weni­ge Trop­fen Blut rei­chen für die Dia­be­tes-Risi­ko­be­stim­mung.Helm­holtz Zen­trum Mün­chen

Die Keto­a­zi­do­se ist die füh­ren­de Todes­ur­sa­che bei Kin­dern mit Typ 1 Dia­be­tes. Der Dia­be­tes ver­läuft über Mona­te – manch­mal Jah­re – uner­kannt. Sym­pto­me wie über­mä­ßi­ger Durst, häu­fi­ges Was­ser­las­sen oder star­ke Gewichts­ab­nah­me tre­ten erst auf, wenn schon 80 Pro­zent der Insu­lin pro­du­zie­ren­den Beta­zel­len in der Bauch­spei­chel­drü­se durch den Angriff der kör­per­ei­ge­nen Anti­kör­per zer­stört sind und der Kör­per den Blut­zu­cker nicht mehr regu­lie­ren kann.

Aller­dings las­sen sich im Blut schon Jah­re vor­her Auto­an­ti­kör­per nach­wei­sen. Die­se Auto­an­ti­kör­per sind Indi­ka­to­ren der Auto­im­mun­erkran­kung im Blut. Lie­gen min­des­tens zwei Auto­an­ti­kör­per vor, ent­wi­ckeln nahe­zu 100 Pro­zent der Betrof­fe­nen inner­halb von 20 Jah­ren einen Typ 1 Dia­be­tes, der durch Insu­lin­zu­fuhr behan­delt wer­den muss. Dies erga­ben Aus­wer­tun­gen des Insti­tuts für Dia­be­tes­for­schung, Helm­holtz Zen­trum Mün­chen.

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Frühe Diagnose kann lebensbedrohliche Ketoazidosen verhindern

„Lei­der beginnt die Lauf­bahn eines Typ 1 Dia­be­ti­kers häu­fig auf der Inten­siv­sta­ti­on“, so Prof. Anet­te-Gabrie­le Zieg­ler, Direk­to­rin des Insti­tuts für Dia­be­tes­for­schung und Inha­be­rin des Lehr­stuhls für Dia­be­tes und Gesta­ti­ons­dia­be­tes der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen. Dies lie­ße sich mit Hil­fe eines ein­fa­chen Risi­ko­tests ver­hin­dern. Daher hat die prak­ti­zie­ren­de Dia­be­to­lo­gin und Dia­be­tes­for­sche­rin das Pilot­pro­jekt „Fr1da“ unter Schirm­herr­schaft der Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­rin für Gesund­heit und Pfle­ge, Mela­nie Huml, initi­iert. Bay­ern­weit bie­ten Päd­ia­ter für Kin­der im Alter zwi­schen zwei und fünf Jah­ren die­sen ein­ma­li­gen Blut­test an.

„Die frü­he Dia­gno­se soll in ers­ter Linie dazu die­nen, lebens­be­droh­li­che Keto­a­zi­do­sen zu ver­hin­dern und die Fami­li­en mit psy­cho­lo­gi­scher Unter­stüt­zung und mit Schu­lungs­maß­nah­men auf die Erkran­kung und ihre The­ra­pie best­mög­lich vor­zu­be­rei­ten“, sagt Zieg­ler. „Ein Insel­au­to­an­ti­kör­per-Scree­ning kann das Auf­tre­ten von Keto­a­zi­do­sen nach­weis­lich ver­hin­dern und den Kran­ken­haus­auf­ent­halt bei Aus­bruch des Typ 1 Dia­be­tes ver­kür­zen. Außer­dem lässt sich ein Dia­be­tes bes­ser behan­deln, wenn er früh­zei­tig dia­gnos­ti­ziert wird“.

Teilnahme an Präventionsstudie ist angeraten

Jun­ge Ver­wand­te von Typ 1 Dia­be­ti­kern kön­nen eben­falls von einem Risi­ko­test pro­fi­tie­ren: Die­sen Risiko­per­so­nen bie­tet das Insti­tut für Dia­be­tes­for­schung in Zusam­men­ar­beit mit dem inter­na­tio­na­len For­schungs­pro­gramm Tri­al­Net (Natu­ral Histo­ry Stu­dy, NHS) eine kos­ten­lo­se Blut­un­ter­su­chung an, sofern sie nicht älter als 20 Jah­re bezie­hungs­wei­se bei erst­gra­di­ger Ver­wandt­schaft nicht älter als 45 Jah­re sind. Eben­so wie bei Fr1da wird Blut­se­rum auf vier Auto­an­ti­kör­per unter­sucht, die einen Typ 1 Dia­be­tes ankün­di­gen. Ein gene­ti­scher Test ermit­telt außer­dem, ob Dia­be­tes-Risi­ko­ge­ne vor­lie­gen.

Wer um sein Erkran­kungs­ri­si­ko weiß, hat gege­be­nen­falls die Mög­lich­keit, an einer Prä­ven­ti­ons­stu­die des Insti­tuts für Dia­be­tes­for­schung teil­zu­neh­men. Prä­ven­ti­ons­stu­di­en ver­fol­gen das Ziel, ent­we­der den Krank­heits­aus­bruch zu ver­hin­dern oder hin­aus­zu­zö­gern oder zumin­dest den Krank­heits­ver­lauf posi­tiv zu beein­flus­sen. Abhän­gig davon, wie weit die Auto­im­mu­ni­tät bereits fort­ge­schrit­ten ist, rich­ten sie sich an ver­schie­de­ne Ziel­grup­pen. Wer sich für eine Typ 1 Dia­be­tes-Prä­ven­ti­ons­stu­die und/oder einen Dia­be­tes-Risi­ko­test inter­es­siert, kann sich unver­bind­lich an das Insti­tut für Dia­be­tes­for­schung wen­den unter: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de