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Kurzzugbinden bestehen aus Baumwolle und sind verhältnismäßig wenig dehnbar. Bei sachgerechter Anlage erwirken sie in Ruhestellung einen kräftigen Druck von 40-60 mmHg.
Kurz­zug­bin­den bestehen aus Baum­wol­le und sind ver­hält­nis­mä­ßig wenig dehn­bar. Bei sach­ge­rech­ter Anla­ge erwir­ken sie in Ruhe­stel­lung einen kräf­ti­gen Druck von 40–60 mmHg.BVMed

Eine Kom­pres­si­ons­the­ra­pie lin­dert die Sym­pto­me einer Venen­er­kran­kung und unter­stützt die Abhei­lung dadurch aus­ge­lös­ter chro­ni­scher Wun­den an den Bei­nen. Der äuße­re Druck einer fes­ten Ban­da­gie­rung redu­ziert hier­bei den Durch­mes­ser der Bein­ve­nen, wodurch sich der Blut­fluss in Rich­tung des Her­zens stei­gert. Als Kon­se­quenz ver­rin­gern sich zudem Schwel­lun­gen und Schmer­zen. „In Deutsch­land wer­den heut­zu­ta­ge die meis­ten Kom­pres­si­ons­ban­da­gie­run­gen mit Kurz­zug­bin­den durch­ge­führt“, so Kers­tin Protz. Sie ist Pro­jekt­ma­na­ge­rin Wund­for­schung am Insti­tut für Ver­sor­gungs­for­schung in der Der­ma­to­lo­gie und bei Pfle­ge­be­ru­fen (IVDP) am Uni­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf. In ihrem Vor­trag auf der 60. Jah­res­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gie in Bie­le­feld erläu­ter­te Protz aktu­el­le Erkennt­nis­se zur Kom­pres­si­ons­the­ra­pie.

Ein Risiko für die Haut

Kurz­zug­bin­den bestehen aus Baum­wol­le und sind ver­hält­nis­mä­ßig wenig dehn­bar. Bei sach­ge­rech­ter Anla­ge erwir­ken sie in Ruhe­stel­lung einen kräf­ti­gen Druck von 40–60 mmHg. Wenn der Pati­ent sich bewegt, nimmt die­ser Druck zu und wird zum soge­nann­ten Arbeits­druck. Dabei set­zen die Kurz­zug­bin­den der Bein­mus­kel­pum­pen einen Druck ent­ge­gen. Die­se Mus­kel­pum­pen sind für den Rück­trans­port des Blu­tes in Rich­tung des Her­zens zustän­dig und stei­gern ihre Arbeits­leis­tung, wenn ein äuße­rer Gegen­druck ihrer Aus­deh­nungs­be­we­gung ent­ge­gen­wirkt. Die wenig elas­ti­schen Kurz­zug­bin­den sind hier­für gut geeig­net. Sie kön­nen aber auch uner­wünsch­te Neben­ef­fek­te aus­lö­sen, wie eine aktu­el­le Stu­die zeigt, in der venen­ge­sun­de Pro­ban­den test­wei­se Ban­da­gie­run­gen mit Kurz­zug­bin­den über einen kur­zen Zeit­raum tru­gen.

Anfang 2018 wur­den im IVDP im Rah­men die­ser Unter­su­chung über 120 Ban­da­gie­run­gen durch­ge­führt und bewer­tet – die Hälf­te davon ohne Unter­pols­te­rung. „Bereits nach einer Stun­de hin­ter­las­sen nicht unter­pols­ter­te Ban­da­gie­run­gen mit Kurz­zug­bin­den deut­li­che Spu­ren auf der Haut“, berich­te­te Protz. Hier­zu gehö­ren Schnür­fur­chen, Haut­rei­zun­gen, Rötun­gen und Druck­stel­len. „Über 90 % der Teil­neh­mer hat­ten mehr als einen Befund“, so Protz. „Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die oft tro­cke­ne, schup­pi­ge Haut öde­ma­tö­ser Bei­ne venen­kran­ker Men­schen anders auf sol­che Ban­da­gie­run­gen reagiert und noch stär­ker beein­träch­tigt wird, als die intak­te Haut der gesun­den Teil­neh­mer. Zudem neh­men Erkran­kun­gen, die eine Kom­pres­si­ons­the­ra­pie erfor­dern, mit dem Alter zu. Die Haut ver­liert an Elas­ti­zi­tät und wird dün­ner, was wie­der­um eine her­ab­ge­setz­te Tole­ranz gegen­über den Kom­pres­si­ons­ma­te­ria­li­en zur Fol­ge haben kann.“

Kerstin Protz bei ihrem Vortrag auf der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Bielefeld.
Kers­tin Protz bei ihrem Vor­trag auf der 60. Jah­res­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gie in Bie­le­feld.© MDI

Polstern hat viele Vorteile

Nicht sach­ge­recht aus­ge­führ­te Kom­pres­si­ons­ver­sor­gun­gen füh­ren zum Ver­feh­len von The­ra­pie­zie­len und beein­träch­ti­gen die Adhä­renz des Pati­en­ten. Es ist bekannt, dass eine Unter­pols­te­rung von Kom­pres­si­ons­ban­da­gie­run­gen Haut­schä­di­gun­gen, Ner­ven­lä­sio­nen und Druckul­ze­ra ver­mei­den kann. In der aktu­el­len Unter­su­chung mit dem Titel „Kom­pres­si­ons­ver­bän­de mit und ohne Unter­pols­te­rung – eine kon­trol­lier­te Beob­ach­tungs­stu­die zu Kom­pres­si­ons­druck und Tra­ge­kom­fort“ zeig­te Protz auf, dass bei den unter­pols­ter­ten Ban­da­gie­run­gen eine deut­lich gerin­ge­re Anzahl an Haut­be­fun­den auf­tra­ten. „Weni­ger als die Hälf­te der Teil­neh­mer hat­te mit Unter­pols­te­rung ledig­lich leich­te Haut­be­fun­de, wie einen leich­ten Abdruck des Schlauch­ver­ban­des“, so Protz.

Zudem erwie­sen sich unter­pols­ter­te Ban­da­gie­run­gen als deut­lich kom­for­ta­bler und fan­den unter den Test­per­so­nen eine grö­ße­re Akzep­tanz. Auch der the­ra­piere­le­van­te Druck wur­de wesent­lich bes­ser gewähr­leis­tet als unter den nicht unter­pols­ter­ten Kurz­zug­ban­da­gie­run­gen. Die Ergeb­nis­se ver­deut­li­chen, dass jede Kom­pres­si­ons­ban­da­gie­rung unter­pols­tert wer­den soll­te. Den­noch wer­den Pols­ter­ma­te­ria­li­en in der täg­li­chen Pra­xis nicht stan­dard­mä­ßig ein­ge­setzt. Ins­be­son­de­re in der außer­kli­ni­schen Ver­sor­gung, wo eine Ver­ord­nung für die­se Mate­ria­li­en benö­tigt wird, ist es oft eine Her­aus­for­de­rung, Pols­ter­ma­te­ri­al zu erhal­ten. Dies erschwert die sach­ge­rech­te Kom­pres­si­ons­the­ra­pie.

Moderne Alternativen

Bereits seit fast 20 Jah­ren sind am Markt soge­nann­te Mehr­kom­po­nen­ten- bzw. Fer­tig­bin­den­sys­te­me erhält­lich. Es han­delt sich um kon­fek­tio­nier­te Sets aus Polster‑, Kom­pres­si­ons- und kohä­si­ven Fixier­bin­den. Stu­di­en wei­sen auf die Über­le­gen­heit die­ser Sys­te­me gegen­über Kurz­zug­bin­den­ver­sor­gun­gen hin. Eini­ge Pro­duk­te nut­zen zudem spe­zi­el­le Deh­nungs­tech­ni­ken oder ver­fü­gen über visu­el­le Mar­ker, wodurch die sach­ge­rech­te Anla­ge erleich­tert wird. Eine wei­te­re attrak­ti­ve Opti­on sind die moder­nen adap­ti­ven Kom­pres­si­ons­ban­da­gen. Statt Bin­den nut­zen die­se Sys­te­me Man­schet­ten, die auf die Bein­grö­ße indi­vi­du­ell ange­passt und dann mit Klett­ver­schlüs­sen fixiert wer­den. Dadurch ist der erzeug­te Druck, der bei einem Pro­dukt durch eine Scha­blo­ne direkt auf der Man­schet­te ables­bar ist, leicht zu regu­lie­ren.

Die Ergeb­nis­se der auf der Jah­res­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gie durch Kers­tin Protz vor­ge­stell­ten Stu­die unter­stri­chen die Bedeu­tung der adäqua­ten Unter­pols­te­rung in der sach­ge­rech­ten und pati­en­ten­ori­en­tier­ten Kom­pres­si­ons­the­ra­pie. Zudem beleuch­te­te die Refe­ren­tin moder­ne­re The­ra­pie­op­tio­nen, deren Vor­tei­le gegen­über den her­kömm­li­chen Kurz­zug­bin­den deut­lich wur­den.