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AWMF, Kongress, Interessen
So wie hier, auf Kongres­sen und Tagun­gen, treffen Medizin und Indus­trie aufein­an­der. Dass es dabei trans­pa­rent zugeht, ist ein Anlie­gen des AWMF.Bild: Franlober53/Pixabay.com

„Die Koope­ra­tion zwischen wissen­schaft­li­cher Medizin und Indus­trie ist unver­zicht­bar für den medizi­ni­schen Fortschritt, doch es muss exakt definiert sein, wie diese Koope­ra­tion erfol­gen kann, damit sekun­däre Inter­es­sen nicht die primä­ren Inter­es­sen überla­gern“, betont Prof. Dr. Rolf Kreien­berg, Präsi­dent der Arbeits­ge­mein­schaft der Wissen­schaft­li­chen Medizi­ni­schen Fachge­sell­schaf­ten (AWMF). Primä­res Inter­esse muss immer das Wohl des Patien­ten und die Verbes­se­rung seiner Versor­gung sein. Das gilt für Studien ebenso wie für die Ausar­bei­tung von Leitli­nien oder die Ausrich­tung von Kongres­sen und Tagungen.

Sekun­däre – beispiels­weise wirtschaft­li­che – Inter­es­sen dürfen dieses oberste Ziel nicht beein­träch­ti­gen. Das ist bei der Zusam­men­ar­beit zwischen gemein­nüt­zi­gen Fachge­sell­schaf­ten und wirtschaft­lich orien­tier­ten Unter­neh­men der Pharma- und Medizin­pro­dukt­e­in­dus­trie beson­ders zu beach­ten. Klare Regeln sind daher bei der Entwick­lung von Leitli­nien, der Ausrich­tung von Fachkon­gres­sen oder Studien notwendig.

AWMF erarbei­tet Vorla­gen zur Dekla­ra­tion von Sekundärinteressen

Für diese Berei­che hat die AWMF jetzt ihre 2010 erstmals erstell­ten Empfeh­lun­gen aktua­li­siert. Darin beschreibt sie, wie mit den „Inter­es­sen“ umzuge­hen ist, die poten­zi­ell geeig­net sind, die eigene Urteils­kraft und Unabhän­gig­keit zu beein­flus­sen. Eine wichtige Gegen­maß­nahme ist, dass wissen­schaft­lich-medizi­ni­sche Fachge­sell­schaf­ten ebenso wie die Indus­trie Koope­ra­tio­nen offen­le­gen und darüber Bericht erstatten.

Sowohl für die Dokumen­ta­tion von Sekun­där­in­ter­es­sen bei Studien und Leitli­nien als auch für die Zusam­men­ar­beit auf Kongres­sen und Tagun­gen legt die AWMF jetzt Vorla­gen, ein einheit­li­ches Dekla­ra­ti­ons­for­mat, vor. „Nur durch ein einheit­li­ches Format, das alle anwen­den können, lässt sich verläss­lich Trans­pa­renz schaf­fen“, betont Prof. Dr. Claudia Spies, die gemein­sam mit Dr. Albrecht Wienke die Ad hoc-Kommis­sion der AWMF zu diesem Thema leitet.

Auch an Univer­si­tä­ten können Inter­es­sen-Konflikte entstehen

So sollten bei Kongres­sen und Tagun­gen sowohl die veran­stal­tende Fachge­sell­schaft als auch die Indus­trie dekla­rie­ren, welche Geld- oder Sachspen­den, Sponso­ring­kos­ten, Honorare, Tagungs- oder Teilneh­mer­ge­büh­ren von wem an wen und in welcher Höhe gezahlt werden. Zahlun­gen an die für die Organi­sa­tion und Durch­füh­rung der Veran­stal­tung beauf­trag­ten Profes­sio­nal Congress Organi­zer (PCO) sollen ebenfalls ausge­wie­sen werden.

Die AWMF weist außer­dem darauf hin, dass Inter­es­sen­kon­flikte nicht nur in der Zusam­men­ar­beit mit der Indus­trie entste­hen können. Auch die Anfor­de­run­gen von Univer­si­tä­ten an Wissen­schaft­ler erzeu­gen zum Teil sekun­däre Inter­es­sen, wenn es darum geht, Dritt­mit­tel einzu­wer­ben oder in impact-starken Fachzeit­schrif­ten zu publi­zie­ren, um die wissen­schaft­li­che Karriere voranzutreiben.

Quelle: idw