Nicht immer ist Zeit für eine Ruhepause während der Arbeitszeit.
Nicht immer ist Zeit für eine Ruhe­pau­se wäh­rend der .© Ale­utie | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Warum Pausen so wichtig sind

Der Umgang mit den „Ruhe­pau­sen“ ist in der Kran­ken- und Alten­pfle­ge ein ste­ti­ges Reiz­the­ma. Gestress­te, erschöpf­te und über­mü­de­te Pfle­ge­kräf­te stel­len ein Sicher­heits­ri­si­ko für die Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen sowie Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen dar, sodass bei der Durch­füh­rung von Pfle­ge­tä­tig­kei­ten ab einem bestimm­ten Zeit­punkt das Bedürf­nis nach Erho­lung entsteht.

Der hohe Arbeits­druck und unvor­her­seh­ba­re Not­fall­si­tua­tio­nen machen jedoch oft einen Strich durch die Rech­nung. Viel­fach arbei­tet das Kran­ken­haus­per­so­nal des­we­gen ohne Pau­se und übermüdet.

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Die Pro­ble­ma­tik des Pfle­ge­per­so­nal­man­gels ist seit Lan­gem bekannt. Ganz aktu­ell macht ein Bei­trag unter dem Hash­tag #Nicht­selbst­ver­ständ­lich von Joko Win­ter­scheidt und Klaas Heuf­ler-Umlauf dar­auf auf­merk­sam. Sie gewan­nen ihr Duell gegen den Sen­der Pro­sie­ben und nutz­ten die dadurch gewon­ne­ne Sen­de­zeit – die die­ses Mal auf sie­ben Stun­den statt der übli­chen 15 Minu­ten erhöht wur­de -, um auf die -Situa­ti­on auf Inten­siv­sta­tio­nen wäh­rend der auf­merk­sam zu machen.

Dazu wur­de die Kran­ken­pfle­ge­rin Mei­ke Ista wäh­rend einer gesam­ten Pfle­ge-Schicht an der Uni­kli­nik Müns­ter mit Kame­ra, aus der Ich-Per­spek­ti­ve, beglei­tet. Die Akti­on ist auf ein enor­mes Echo gesto­ßen. In dem Videobei­trag äußert sich auch der Kran­ken­pfle­ger und poli­tisch akti­ve Alex­an­der Jor­de zu Wort:

„… Die Wür­de des Men­schen fängt nicht beim Pati­en­ten an und hört beim Pati­en­ten auf, son­dern sie geht auch beim Per­so­nal wei­ter. Auch wir haben ja das Recht ver­nünf­tig und wür­dig behan­delt zu wer­den. Und was bringt es denn, wenn ich mich um mei­ne Pati­en­ten küm­me­re, aber am Ende des Tages schlech­ter gepflegt, weni­ger getrun­ken und nicht­mal die Mög­lich­keit gehabt habe, zur Toi­let­te zu gehen und es mei­nen Pati­en­ten zwar gut geht, aber mir sel­ber geht es schlecht.“

Jeder Arbeit­neh­men­de hat das Recht auf eine Pau­se nach den arbeits­zeit­recht­li­chen Geset­zen. Wie wich­tig die­se Pau­sen­zei­ten sind machen die Hil­fe­ru­fe aus der Pfle­ge­bran­che nur umso deut­li­cher. Wie ist die Pau­se also aus rein juris­ti­scher Per­spek­ti­ve geregelt?

Halten Sie während der Arbeit Ihre Pausenzeiten regelmäßig ein?


Juristisches zur „Pause“

  • Bei einer maxi­ma­len von sechs Stun­den müs­sen kei­ne Pau­sen gewährt werden
  • Liegt die Regel­ar­beits­zeit zwi­schen sechs und neun Stun­den müs­sen min­des­tens 30 Minu­ten Ruhe­pau­se gewährt wer­den (Nor­mal­fall)
  • Bei über­lan­gen Diens­ten bis zu zehn Stun­den sind min­des­tens 45 Minu­ten zu gewähren

Auf der juris­ti­schen Sei­te steht ein­deu­tig fest, dass die Ruhe­pau­sen vor Gesund­heits- und Unfall­ge­fah­ren auf­grund von Erschöp­fung und Über­mü­dung schüt­zen sol­len und im Vor­aus fest­zu­le­gen sind. Nach der zen­tra­len Vor­schrift zur Gewäh­rung von Ruhe­pau­sen (§ 4 ArbZG) ist die Arbeit durch Ruhe­pau­sen von min­des­tens 30 Minu­ten bei einer Arbeits­zeit von mehr als sechs Stun­den zu unter­bre­chen. Beträgt die Arbeits­zeit über neun Stun­den müs­sen Ruhe­pau­sen von 45 Minu­ten genom­men werden.

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Einschub: Wer mehr arbeitet hat mehr Pausenzeit

Die Ruhe­pau­sen kön­nen in Zeit­ab­schnit­te von jeweils min­des­tens 15 Minu­ten auf­ge­teilt wer­den. Not­wen­di­ge Arbeits­un­ter­bre­chun­gen wegen Toi­let­ten­gän­gen wer­den ange­rech­net, wäh­rend die Berück­sich­ti­gung der Zei­ten wegen Rau­cher­pau­sen in der Kulanz des Arbeit­ge­bers lie­gen. Län­ger als sechs Stun­den hin­ter­ein­an­der dür­fen Arbeit­neh­mer nicht ohne Ruhe­pau­se beschäf­tigt wer­den (§ 4 Satz 3 ArbZG). Ent­fällt die Pau­sen­zeit wegen eines Not­fall­ein­sat­zes, wird die­se Aus­nah­me durch § 14 Abs. 2 Nr. 2 ArbZG auf­ge­fan­gen. Unauf­schieb­ba­re Arbei­ten zur Behand­lung, und Betreu­ung von Per­so­nen las­sen Aus­nah­men von den Vor­ga­ben des § 4 ArbZG zu. Kom­pen­siert wer­den soll dies, dass die Pau­se spä­tes­tens vor dem Beginn der fol­gen­den Arbeits­pe­ri­ode nach­ge­holt wird.

Aber Ach­tung: Umge­hun­gen der Pau­sen­re­ge­lung kön­nen über­dies nicht dadurch statt­fin­den, dass die Ruhe­pau­sen sys­te­ma­tisch an den Anfang oder das Ende der Arbeits­zeit gelegt wer­den. Die Zeit zwi­schen der Been­di­gung und dem Beginn der Arbeit wird viel­mehr der von § 5 ArbZG geschütz­ten Ruhe­zeit zugewiesen.

Ruhepause ist Ruhezeit

  • Arbeits­zeit ist die Zeit, die der Arbeit­neh­mer dem Arbeit­ge­ber in den Gren­zen des Arbeits­zeit­ge­set­zes zur Ver­fü­gung ste­hen muss.
  • Ruhe­zeit ist die Zeit, die dem Arbeit­neh­mer zwi­schen der Arbeit zum Zweck der Erho­lung zur Ver­fü­gung steht.

Die­se Wer­tung wird auch der arbeits­zeit­recht­li­chen Qua­li­tät der Ruhe­pau­se zuge­rech­net. Ruhe­pau­sen sind kei­ne Arbeits­zeit. Ruhe­pau­sen sind Ruhe­zeit. Anders als z.B. bei der Arbeits­be­reit­schaft ist es den Dienst­vor­ge­setz­ten ver­sagt, die ruhe­pau­sie­ren­de zur Arbeit abzu­ru­fen. Nach der Recht­spre­chung des BAG ist die Ruhe­pau­se dadurch gekenn­zeich­net, dass der Arbeit­neh­mer von jeder Arbeits­ver­pflich­tung und auch von jeder Ver­pflich­tung, sich zur Arbeit bereit­zu­hal­ten, frei­ge­stellt ist. Die darf frei dar­über ver­fü­gen, wo und wie die Ruhe­pau­se ver­bracht wird. Ruhe­zeit eben.

Die Ruhepause – bezahlt oder unbezahlt?

  • Bezah­lung bei ent­spre­chen­der Rege­lung im Tarif­ver­trag oder einer Betriebsvereinbarung
  • „Zwangs­pau­se“ wegen einer betrieb­li­chen Störung
  • Kurz­pau­sen bei Schicht- und Nachtarbeit

Die arbeits­zeit­recht­li­che Wer­tung der Ruhe­pau­se strahlt auch auf die Ver­gü­tung aus. Grund­sätz­lich wer­den die Zei­ten der Ruhe­pau­sen nicht ent­lohnt. Aller­dings gibt es eini­ge beson­de­re „Pau­sen­ar­ten“, die der Arbeits­zeit zuge­rech­net und damit auch ver­gü­tet wer­den. Ruht z. B. die Arbeit auf­grund einer betrieb­li­chen Unter­bre­chung, weil etwa ein Com­pu­ter­pro­gramm lahm liegt, wer­den die­se Aus­fall­zei­ten der ent­gelt­li­chen Arbeits­zeit zugerechnet.

Eben­so zäh­len kur­ze Erho­lungs­pau­sen bei Schicht- und Nacht­diens­ten zur Arbeits­zeit. Nach den Erkennt­nis­sen des Arbeits­schut­zes ist der Ablen­kungs- und Ent­span­nungs­wert der­ar­ti­ger Kurz­pau­sen erwie­sen. Sie sol­len daher wäh­rend die­ser belas­ten­den Dienst­for­men als regel­mä­ßi­ge, kur­ze Unter­bre­chun­gen der Arbeit genom­men wer­den dür­fen. Schließ­lich sind die Tarif­ver­trags­par­tei­en gemäß § 7 ArbZG sind berech­tigt, Abwei­chun­gen von den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen zu Ruhe­pau­sen und Ruhe­zei­ten zu ver­ein­ba­ren. Ob dies­be­züg­li­che Son­der­ver­ein­ba­run­gen bestehen, kann bei der Per­so­nal­ver­tre­tung oder dem Ein­rich­tungs­trä­ger erfragt werden.