Micha­el Priest fragt: Ist der ver­pflich­tet, Aus­kunft über die Ergeb­nis­se sei­ner Begut­ach­tung zu ertei­len, bzw. bestehen Ein­sichts­rech­te in die Unter­la­gen? Falls ja, wie lan­ge gel­ten diese?

Ant­wort der Redak­ti­on: Die Leis­tungs­er­brin­gung und die Finan­zie­rung sind im sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Bereich prin­zi­pi­ell von­ein­an­der getrennt, sodass not­wen­di­ger­wei­se die Leis­tungs­be­rech­ti­gung und ‑erbrin­gung ein­zel­fall­be­zo­gen begut­ach­tet wer­den. Die­se Auf­ga­be nimmt der Medi­zi­ni­sche Dienst der Kran­ken­kas­sen () wahr. Die Gut­ach­ten – sei es im Bereich der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung oder der Pfle­ge­ver­si­che­rung – unter­lie­gen dem Sozi­al­da­ten­schutz. Der hat grund­sätz­lich sicher­zu­stel­len, dass die Sozi­al­da­ten nur jenen Per­so­nen zugäng­lich sind, die sie zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben benötigen.

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Der gesetz­li­che Auf­trag im Bereich der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (SGB V) ver­langt dem MDK ab, dass der Ver­trags­arzt oder die sons­ti­gen Leis­tungs­er­brin­ger, über deren Leis­tun­gen er eine Stel­lung­nah­me abge­ge­ben hat, über das Ergeb­nis der Begut­ach­tung infor­miert und der Kran­ken­kas­se die erfor­der­li­chen Anga­ben über den Befund mit­ge­teilt wer­den (vgl. § 277 Abs. 1 SGB V). Wenn­gleich hier die Gefahr besteht, dass der ins Hin­ter­tref­fen gerät und der Pati­ent zur „glä­ser­nen Figur“ wird, ist eine moder­ne Ver­wal­tung der Sozi­al­da­ten ohne den not­wen­di­gen Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen aner­kann­ter Maßen nicht denkbar.

Im Bereich der gesetz­li­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung (SGB XI) exis­tie­ren dage­gen kei­ne der­art gestal­te­ten Mit­tei­lungs­pflich­ten. Obwohl hier aus der Pra­xis der ambu­lan­ten und sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen immer wie­der vor­ge­bracht wird, dass die Kennt­nis der gut­ach­ter­li­chen Ermitt­lun­gen bei der Bemes­sung des jewei­li­gen Hilfs­be­darf eine sinn­vol­le Stüt­ze sein könn­ten, ste­hen das Aus­kunfts- bezie­hungs­wei­se in die MDK-Unter­la­gen nur dem Pfle­ge­be­dürf­ti­gen oder des­sen gesetz­li­chen Ver­tre­ter zu (Recht auf infor­mel­le Selbst­be­stim­mung). Die genaue Kennt­nis z.B. über die Inhal­te eines Pfle­ge­be­dür­fig­keits­gut­ach­tens erlan­gen die Ein­rich­tungs­ver­ant­wort­li­chen nur mit Ein­wil­li­gung des Pflegebedürftigen.

Die Gut­ach­ten kön­nen bei einem ent­spre­chen­den Nach­weis im Hau­se des MDK ein­ge­se­hen bzw. gegen Erstat­tung der Kopier- und Ver­sand­kos­ten auf dem Post­weg ange­for­dert wer­den. Sämt­li­che hin­ter­leg­ten MDK-Sozi­al­da­ten wer­den nach fünf­jäh­ri­ger Spei­che­rung gelöscht (vgl. § 97 Abs. 3 SGB XI).