Gesundheitsausgaben 2017.
2017 betrugen die Gesundheitsausgaben über eine Milliarde Euro pro Tag.moerschy/Pixabay.com

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete, haben sich die Gesundheitsausgaben im vergangenen Jahr auf 374,2 Milliarden Euro insgesamt in Deutschland belaufen. Damit sind diese um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und betrugen pro Tag über eine Milliarde Euro.

2016 wurden noch 356,5 Milliarden Euro für Gesundheitsausgaben verzeichnet. Dies entsprach einem Anteil von 11,3 % am Bruttoinlandsprodukt. Grund für den Anstieg im vergangenen Jahr wird laut dem Statistischen Bundesamt in der Einführung des dritten Pflegestärkungsgesetzes gesehen, das am 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist.

Die Entwicklung des Gesundheitssystems nachvollziehen können

Die Gesundheitsausgaben umfassten dabei sämtliche Güter und Leistungen mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, die Kosten der Verwaltung sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens. Aufwendungen für Forschung und Ausbildung im Gesundheitswesen sowie Ausgaben für den Ausgleich krankheitsbedingter Folgen (zum Beispiel Leistungen zur Eingliederungshilfe) und Einkommensleistungen sind darin nicht enthalten.

Getragen werden die Ausgaben hauptsächlich von Staat, Privathaushalten und Unternehmen. Mit 112,4 Milliarden Euro waren die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer die größte Finanzierungsquelle, ebenso wie die der Arbeitgeber mit 81,6 Milliarde Euro sowie die staatlichen Transferleistungen in Höhe von 51,8 Milliarde Euro.

Das Statistische Bundesamt erklärte, dass die Finanzierungsrechnung wichtig sei, um die Entwicklungen des Gesundheitssystems nachvollziehen zu können. So ist beispielsweise ein stärkerer Anstieg der sonstigen Finanzierung durch Privathaushalte im Jahr der Einführung der Praxisgebühr 2004 ebenso zu beobachten wie ein Rückgang im Jahr ihrer Abschaffung 2013.

 

 

 

Fastenzeit.
Sieben Wochen auf das Feierabendbier verzichten? Für den einen oder anderen eine Herausforderung.Alexas_Fotos, Pixabay

Besser schlafen, mehr Energie und nebenbei ein paar überflüssige Pfunde verlieren – das alles sind Vorteile einer Auszeit vom Alkohol. Mit der Online-Fastenaktion „Kannst du ohne?“ möchte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu einem Verzicht auf Alkohol aufrufen und bietet dabei Unterstützung. Seit dem 14. Februar kann man sich für die Aktion online anmelden und erhält entsprechende Möglichkeiten des Online-Tools.

Sieben Wochen alkoholfrei

„Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, persönliche Trinkmuster auf den Prüfstand zu stellen und der eigenen Gesundheit durch sieben alkoholfreie Wochen etwas Gutes zu tun. Insbesondere Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, profitieren von einer Alkoholpause, in der wichtige Regenerationsprozesse im Körper stattfinden können“, so Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

Jeder, der teilnimmt, kann seine Erfahrungen rund um das Alkoholfasten auf der Plattform festhalten und auf Tipps und Informationen zu dem Thema sowie auf alkoholfreie Cocktail-Rezeptideen zugreifen. Darüber hinaus gibt es in jeder Aktionswoche Aufgaben, der sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen können. Auf dem Blog zur Aktion berichten Karriere-Coach Carolin und Musik-Redakteur Ben von ihren persönlichen Höhen und Tiefen in der alkoholfreien Fastenzeit. Die Online-Fastenaktion „Kannst du ohne?“ ist Teil der BZgA-Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ für Erwachsene und endet am 31. März 2018.

Ist Bier ein Dickmacher?

Im Jahr 2015 tranken die Deutschen durchschnittlich 9,6 Liter reinen Alkohol. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im oberen Drittel, was den Alkoholkonsum anbelangt. Und darüber hinaus ist Alkohol ein Dickmacher: Ein Caipirinha entspricht ungefähr einer Portion frittierter Pommes und ein Glas Bier (0,3 Liter) hat etwa 130 Kilokalorien. Bei gleich mehreren Gläsern pro Abend, lässt das gleichzeitig Appetit anregende Getränk den einen oder anderen Bierbauch schnell wachsen.

Dr. Theodor Windhorst zum Thema Organspende.
Die Einführung der Widerspruchslösung in den Niederlanden sorgt auch für Diskussionen hierzulande.Benschonewille/Dreamstime.com

Für einen „konsequenten und richtigen Weg“ hält der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, den Beschluss des niederländischen Parlaments, künftig die Widerspruchslösung in der Organspende einzuführen. Angesichts einer stetig sinkenden Bereitschaft zur Organspende sei dies eine „glänzende Bewegung und begrüßenswerte Entscheidung“. Windhorst spricht sich dafür aus, auch in Deutschland endlich eine Systemänderung herbeizuführen und die Widerspruchslösung zu beschließen. In den Niederlanden gilt nun jeder Erwachsene grundsätzlich als Organspender, es sei denn, er hat der Organspende ausdrücklich widersprochen. Alle Bürger werden per Brief gefragt, ob sie nach dem Tod ihre Organe spenden wollen. Antworten sie nicht, werden sie automatisch als Spender registriert.

Die derzeit geltende Zustimmungslösung in Deutschland sei nicht weitgehend genug, so Windhorst, um das Leid auf der Warteliste zu lindern. „Jeden Tag sterben drei Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Und wir sehen dabei zu. Wir brauchen bei diesem sensiblen Thema allumfassende Information und Aufklärung.“ Es sei Zeit für eine offene, ehrliche und transparente Debatte über die Organspende und die Einführung der erweiterten Widerspruchslösung. Diese sieht in den meisten europäischen Ländern vor, dass grundsätzlich als Organspender gilt, wer einer Spende zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat, Angehörige haben dabei ein Vetorecht.

Die Organspenderrate sinkt stetig

Erst kürzlich wurde von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ein erneuter Rückgang der Organspenderrate verzeichnet. Demnach hat es 797 Organspender im Jahr 2017 gegeben, während es im Vorjahr noch 857 Spender waren. Insgesamt konnten 2764 Organe, einschließlich des länderübergreifenden Organspendeaustauschs, gespendet werden.

betrügerisches Abrechnen von Pflegedienstleistungen.
Abrechnungsbetrug.Uros Kotnik/Freeimages.com

Im Urteil vom 5. Februar 2018 (Az.: 18KLs 2/17) der 18. großen Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf wurden neun Angeklagte je zu einer Haftstrafe zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt. Der Grund: Gewerbsmäßiger Bandenbetrug bzw. gewerbsmäßige Geldwäsche.

Als Bande haben die Angeklagten in den Jahren zwischen 2008 und 2016 Pflegedienstleistungen bei Krankenkassen und dem Amt für soziale Sicherung der Städte Düsseldorf und Neuss abgerechnet, obwohl sie tatsächlich nie oder nur teilweise erbracht worden sind. Dazu haben sie die Leistungsnachweise gefälscht oder entsprechend angepasst und die Patienten waren offenbar ebenso Teil des Spiels. Statt der eigentlichen pflegerischen Leistung haben sie Geld oder andere Leistungen erhalten, wie Putzdienste, Maniküren oder Pediküren.

Mit dem finanziellen Ertrag wurden die Schwarzgelder und Bestechungsgelder an Pflegekräfte und Ärzte bezahlt, den Rest haben sich die Bandenmitglieder selbst in die Tasche gesteckt. Der Gesamtschaden wird auf ungefähr 4,7 Millionen Euro geschätzt.

Hohe kriminelle Energie

Da keine starken Kontrollen erfolgten, sei es den Tätern erleichtert worden den Abrechnungsbetrug zu begehen. Dass die Angeklagten ihr Treiben über einen so langen Zeitraum fortsetzten, wirkte sich wegen dieser hochkriminellen Energie strafschärfend aus. Fünf der neun Angeklagten hatten allerdings ein Geständnis abgelegt, was ihnen widerum strafmildernd zugute kam. Insgesamt sind die Länge der Haftstrafen sowie der jeweils angeordnete Wertersatz bei den neun Angeklagten unterschiedlich ausgefallen. Der Hauptangeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Die Höhe des Wertersatzes beträgt in seinem Fall knapp eine halbe Million Euro.

Die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten können gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen.

Arbeitsbedingungen in der Pflege.
Die TK schlägt einen „Masterplan Pflegeberufe“ vor.Alexraths/Dreamstime.com

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Pflegeheimen und Krankenhäuser hat für die Deutschen äußerste Priorität als Aufgabe der künftigen Gesundheitspolitik. Das sagten 97 Prozent bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen sollte nach Meinung der Befragten weit oben auf der Agenda stehen – zwei von drei Befragten (67 Prozent) halten diese für besonders wichtig.

Doch auch der Besuch beim Arzt darf sich den Ergebnissen zufolge verbessern. 85 Prozent finden, dass Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten haben sollten. Dafür müsse die zukünftige Regierung sorgen. Zuletzt haben sich 76 Prozent für eine schnellere Terminvergabe ausgesprochen und sieben von zehn Befragten halten die Entlastung der Notaufnahmen für eine sehr wichtige Aufgabe (73 Prozent).

1.002 Menschen ab 18 Jahren wurden für die Umfrage im Januar dieses Jahres befragt.

TK schlägt einen „Masterplan Pflegeberufe“ vor

Um einem Pflegenotstand die Stirn zu bieten und den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen, schlägt die TK einen „Masterplan Pflegeberufe“ vor. Mit gezielten Maßnahmen soll dafür gesorgt werden, dass Beschäftigte in der Pflege länger in ihrem Beruf bleiben oder wieder zu ihrer Pflegetätigkeit zurückkehren. Dazu benennt die TK fünf Handlungsfelder, die mit dem Masterplan umgesetzt werden sollten:

Unterstützung für pflegende Angehörige

„Wenn wir nicht noch mehr Pflegekräfte verlieren wollen, müssen wir ihnen neue Perspektiven aufzeigen“, so die TK. Darüber hinaus dürfen auch die pflegenden Angehörigen nicht vernachlässigt werden. Für ihre Unterstützung würden digitale Angebote viel Potenzial bergen. So könnten beispielsweise smarte Technologien für Sicherheit bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen sorgen, wie etwa Sensoren zur Sturzmeldung. Um pflegenden Angehörigen den Zugang zur „Smart Home“-Angeboten zu ermöglichen, fordert die TK eine entsprechende Erweiterung im Leistungskatalog der Pflegeversicherung.

Krebsprävention.
Nach Meinung der Forscher werden Krebspräventionsmaßnahmen zu wenig genutzt.© Katarzyna Bialasiewicz | Dreamstime

Ob sich Menschen an die Empfehlungen zur Krebsprävention halten oder nicht, macht einen gewaltigen Unterschied: Um bis zu 45 Prozent ließe sich die Rate der Krebserkrankungen durch konsequente Prävention senken. Dies ermittelten US-Forscher kürzlich bei der Zusammenfassung mehrerer großer epidemiologischer Studien. Zugleich schütze ein „krebsgesunder“ Lebensstil auch vor anderen schweren Krankheiten, insbesondere vor Herz-Kreislauferkrankungen.

„Wir müssen das enorme Potential der Krebsprävention noch viel besser ausschöpfen“, sagt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). „Denn schließlich ist die beste Krebstherapie, die Entstehung von Krebs zu verhindern, oder Methoden zu entwickeln, Krebserkrankungen so früh zu erkennen, dass sie mit sehr gutem Erfolg mit den heutigen Methoden behandelt werden können.“ Auf einer zweitägigen Konferenz Mitte Februar tagen im Deutschen Krebsforschungszentrum international ausgewiesene Experten aus allen Gebieten der Krebsprävention. Ziel der Forscher ist, gemeinsam Strategien zu entwickeln, um dieses enorme Potential in Zukunft besser auszuschöpfen. Bisher werde diesem wichtigen Forschungsfeld allerdings wenig Aufmerksamkeit geschenkt, sagt Baumann.

Politik und Bildungseinrichtungen müssen Krebsprävention fördern

Um Krebsentstehung zu vermeiden, sind die Maßnahmen der Primärprävention am bekanntesten: Tabak und Alkohol meiden, körperlich aktiv sein, Gemüse dem roten Fleisch vorziehen, Impfungen wahrnehmen. Als Sekundärprävention gelten Vorsorgeuntersuchungen, die Krebsvorstufen in einem heilbaren Stadium aufspüren. Doch diese individuellen Initiativen reichen nicht aus, um die Prävention in die breite Bevölkerung zu tragen, führt Ernest Hawk vom MD Anderson Cancer Center in Houston in seinem Eröffnungsvortrag aus. Um insbesondere die benachteiligten Gruppen zu erreichen, müssen Politik und Bildungseinrichtungen unterstützende Angebote und Programme liefern.

Diese und weitere Präventionsmaßnahmen werden auf der Konferenz vorgestellt und diskutiert. Darunter zum Beispiel die Situation, wenn Krebs in der Familie liegt. Dann können spezielle Präventionsmaßnahmen zu Diskussion stehen. Liegt gar eine Mutation der „Brustkrebsgene” BRCA 1 oder BRCA 2 vor, so ist der radikalste Weg, das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren, die chirurgische Entfernung beider Brüste und der Eierstöcke. Dies ist für Frauen eine fast unzumutbare Entscheidung, erst recht, wenn das genetische Risiko möglicherweise gar nicht stark ausgeprägt ist. Judy Garber, Dana Faber vom Cancer Institute Boston, stellt eine Vielzahl von Studien vor, die alternative Ansätze zur Reduktion des Brust- und Eierstockkrebsrisikos von Frauen mit genetischer Prädisposition prüfen. Dazu zählt der Einsatz von Impfungen oder verschiedenen Wirkstoffen gegen krebstreibende Genprodukte.

Krebsprävention der Zukunft

Zum Abschluss der Tagung entwickelt Hermann Brenner vom DKFZ, am Beispiel Darmkrebs ein integriertes Modell für die Krebsprävention der Zukunft: Was ließe sich erreichen, würden alle Maßnahmen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention, also Vorbeugung, Früherkennung und Rückfallprophylaxe, konsequent umgesetzt? Der Präventionsexperte setzt sich dafür ein, dass diese integrierte Strategie auch in die breite Gesundheits- und Patientenversorgung Eingang findet.

Mutation des CLCN2-Gens als Ursache für seltenen Bluthochdruck.
Verantwortlich für den seltenen Bluthochdruck: Eine Mutation des CLCN2-Gens.Pixabay

Vor 25 Jahren wurde bei einer australischen Familie erstmals eine spezielle erbliche Form des Bluthochdrucks beschrieben, deren genetische Ursache bisher unentdeckt blieb. Einem internationalen Forscherteam aus Australien und den USA um Professorin Ute Scholl vom Berlin Institute of Health (BIH) ist es gelungen, bei dieser und sieben weiteren Familien eine neue Genmutation nachzuweisen, die für die Entstehung einer familiären Form von Hyperaldosteronismus verantwortlich ist.

Mutation des CLCN2-Gens verantwortlich für den Bluthochdruck

Nur in seltenen Fällen wird Bluthochdruck in Familien durch Mutationen in einem einzigen Gen verursacht. Diese Gene sind meist an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Mutationen in solchen Genen können bereits bei Kindern und Jugendlichen zu einem Bluthochdruck führen. Ute Scholl und das Wissenschaftlerteam haben in einer Studie ein solches Gen identifiziert. Dafür untersuchten sie eine spezielle und selten auftretende Form des Bluthochdrucks, den sogenannten familiären Hyperaldosteronismus Typ II. Bei dieser erblichen Form bildet die Nebenniere zu viel Aldosteron. Aldosteron ist ein Hormon, das in der Niere bewirkt, dass Salz und Wasser im Körper zurückgehalten werden. Dadurch steigt der Blutdruck.

Verantwortlich für die veränderte Blutdruckregulation ist eine Mutation des CLCN2-Gens. Das Gen trägt die Information für den Bau eines Kanals in der Zellmembran, durch den Chloridionen hindurchwandern können. Solche Chloridkanäle regulieren in den Nebennierenzellen die Spannung, die über der Zellmembran anliegt, und steuern die Bildung des Hormons Aldosteron. Die Mutationen bei Patientinnen und Patienten mit familiärem Hyperaldosteronismus führen dazu, dass sich die Spannung ändert und zu viel Aldosteron gebildet wird. Der Blutdruck steigt.

Studienergebnisse ermöglichen Früherkennung und Therapie

„Patienten mit Verdacht auf einen familiären Hyperaldosteronismus und deren Angehörige profitieren von unseren Studienergebnissen, weil sie sich künftig auf Mutationen im Gen CLCN2 untersuchen lassen können“, sagt die Erstautorin Ute Scholl. Außerdem sprachen Patientinnen und Patienten der Studie auf Medikamente an, die bereits zur Behandlung des Hyperaldosteronismus verwendet werden. Die Professorin will gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe die Forschungsarbeiten basierend auf den Studienergebnissen am Berliner Institut für Gesundheitsforschung weiter vertiefen.

Die Studienergebnisse wurden in dem Fachmagazin Nature Genetics veröffentlich.

Koalitionsvertrag der GroKo.
Union und SPD konnten einen Koaltionsvertrag aushandeln.Marco Di Bella

136 Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen bis nun Union und SPD nach langwierigen Koalitionsverhandlungen einen Koalitionsvertrag erarbeiten konnten. Dabei hat man auch bisherige Einigungen im Bereich der Gesundheit und Pflege treffen können.

8000 neue Fachkraftstellen für die Pflege

Um die Pflege sowie die häusliche Versorgung zu verbessern, haben sich die Koalitionspartner auf ein Sofortprogramm Pflege sowie eine „Konzertierte Aktion Pflege“ geeinigt. Im Rahmen des Sofortprogramms sollen vorerst 8000 neue Fachkraftstellen geschaffen werden. Auf diese Maßnahme folgen in Zukunft weitere Schritte, heißt es in dem Vertrag.

Die „Konzertierte Aktion Pflege“ sieht vor, dass die Situation in der Altenpflege bedarfsgerecht weiterentwickelt wird. Erreicht werden soll dies durch Personalbemessungsinstrumente sowie durch eine Ausbildungsoffensive und die Schaffung von Anreizen für eine Rückkehr von Teil- in Vollzeitbeschäftigte. Zudem soll es eine Weiterbildungsqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften geben. Auch die Bezahlung in der Altenpflege soll sich verbessern und entsprechende gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Mithilfe eines Entlastungsbudgets und entsprechender Angebote in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sollen zudem die pflegenden Angehörigen besser unterstützt werden. Durch den Ausbau von Präventionsmaßnahmen möchte man einer frühzeitigen Pflegebedürftigkeit vorbeugen.

Ambulante und stationäre Versorgung

Für gesetzlich Versicherte erhöht sich das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte von 20 auf 25 Stunden und mittels regionaler Zuschläge möchte man Ärzte unterstützen, die in ländlichen oder wirtschaftlich schwachen Gebieten praktizieren. Auch der 2016 eingeführte Innovationsfonds zur Förderung von innovativen Versorgungsformen und der Versorgungsforschung soll über das Jahr 2019 mit 200 Millionen Euro fortgesetzt werden.

Die flächendeckende Versorgung durch wohnortnahe Geburtshilfe, Hebammen und Apotheken steht ebenfalls auf dem Programm. So möchte man sich beispielsweise für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln einsetzen, um die Apotheken vor Ort zu unterstützen. Finanzierungsgrundlagen für den Einsatz von Belegärzten in der Geburtshilfe möchte man überprüfen.

In der Krankenhauslandschaft soll ein Strukturwandel her. Dazu werden erhöhte Investitionen getätigt, die in Umstrukturierungen, neue Technologien und die Digitalisierung fließen sollen. Erreichen möchte man dies mit dem Strukturfonds, der für weitere vier Jahre mit einer Milliarde Euro pro Jahr fortgeführt wird. Die Pflegepersonalvergütung möchte man unabhängiger von der Fallpauschale machen, sodass die Krankenhausvergütung künftig auf eine Kombination von Fallpauschalen und einer Personalvergütung umgestellt wird.

Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung möchte man weiter fördern und daher das Präventionsgesetz fortentwickeln. Mit einem Nationalen Gesundheitsportal sollen Patienten verlässliche über medizinische Fragestellungen informiert werden.

Zurück zur paritätischen Finanzierung

Mit Beginn des Jahres 2019 soll eine Wiederherstellung der Parität bei den Beiträgen zur Gesetzlichen Krankenversicherung stattfinden. Das heißt, dass die Beiträge dann wieder von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleichem Maße getragen werden.

Digitalisierung des Gesundheitswesens

In E-Health und Digitalisierungsmaßnahmen werden große Potentiale, zugleich aber auch eine der größten Herausforderungen gesehen. Generell soll die Telematikinfrastruktur weiter ausgebaut werden und die elektronische Patientenkarte eingeführt werden. Vor allem für die Bürokratie erhofft man sich Abhilfe durch Digitalisierung zu erhalten, sowohl in der Pflege als auch im ärztlichen Bereich. So sollen beispielsweise die Regelungen zur Fernbehandlung überprüft werden.

Weitere Ergebnisse des Koalitionsvertrags können dem Download entnommen werden.

Koalitionsvertrag_2018.pdf
Beschluss zur Gründung des DHZB.
Pressekonferenz (v.l.n.r.): Astrid Lurati, Prof. Axel Radlach Pries, Prof. Ulrich Frei, Prof. Einhäupl, Michael Müller, Prof. Volkmar Falk, Marcus Polle, Christian Maier (Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DHZB).Wiebke Peitz Charité Universitätsmedizin Berlin

Die Herzmedizin in Berlin wird weiter ausgebaut: Ein zukunftssicheres Konzept zur Gründung des Universitären Herzzentrums Berlin (UHZB) konnte erfolgreich erarbeitet und beschlossen werden. Dies gaben der Regierende Bürgermeister von Berlin, die Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, der Charité – die Universitätsmedizin Berlin sowie das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt.

Mit dem UHZB wollen die Universitätsmedizin Berlin und das DHZB ihre Herz-Kreislaufeinrichtungen vereinen und so eine wissenschaftliche, klinische, rechtliche und wirtschaftliche Einheit bilden. In intensiver und konstruktiver Zusammenarbeit sowie unter konnte ein tragfähiges und zukunftsorientiertes Konzept finalisiert werden, heißt es in der Mitteilung. Damit konnten alle Voraussetzungen zur Gründung des neuen UHZB geschaffen werden.

Führender Standort der Herz-Kreislaufmedizin

Berlin wird damit zum führenden Standort der Herz-Kreislaufmedizin und sichert sich damit die internationale Spitzenstellung in diesem Bereich. Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist ein Neubau für die Universitäre Herzmedizin am Charité Campus Virchow-Klinikum. Das neue Zentrum konzentriert die Expertise beider Partner, stellt den DHZB-Stiftungszweck sicher und erfolgt unter strategischer Führung der Charité. Das gemeinsame Universitäre Herzzentrum Berlin erfüllt zudem die bundesgesundheitspolitischen Vorgaben zur Bildung von komplexen, fachübergreifenden Herztherapiezentren und versteht sich als fester Partner im Netzwerk aller Berliner Krankenhäuser.

Erleichterung bei den Verhandlungspartnern

Der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, freute sich über den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen: „Durch eine kluge Nutzung von Synergien bauen wir Berlin zu einem führenden Standort der Herzmedizin weiter aus. Es ist unser gemeinsames Ziel, die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in unserer Stadt zu sichern.“

Auch Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, begrüßt das Verhandlungsergebnis: „Ich bin sehr erleichtert, dass es nun gelungen ist, zwei wichtige Partner im Universitären Herzzentrum zusammenzuführen. Wir danken dem Regierenden Bürgermeister ausdrücklich für seine Moderation. Die Möglichkeiten und Netzwerke einer international renommierten Wissenschaftseinrichtung, der Charité, vereint mit der exzellenten Expertise in allen Bereichen der Herzchirurgie des Deutschen Herzzentrums Berlin, eröffnen nun neue Wege in der Behandlung und Erforschung von Herzkrankheiten. Damit sind wir in der Lage, Innovationstreiber europäischer Herz-Kreislaufforschung zu sein.“

Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.
Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.© Maren Winter | Dreamstime

Etwa 200 Millionen Frauen weltweit sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge von Genitalverstümmelungen betroffen. Dr. Ulrich Clever, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK) und Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, betonte anlässlich des heutigen Tages gegen Genitalverstümmelung: „Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und hat schwerwiegende körperliche und seelische Folgen.“ Er hob weiter hervor, dass Deutsche Ärztetage mehrfach eine weltweite Ächtung und Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung gefordert hatten.

Rund 58.000 Betroffene in Deutschland

In Deutschland steht die Genitalverstümmelung unter Strafe und kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Da die Tat gemäß § 228 StGB gegen die „guten Sitten“ verstößt, rechtfertigt auch eine eventuelle Einwilligung der Patientin in den Eingriff nicht die Tat. Vor allem Eltern drohen erhebliche strafrechtliche Konsequenzen, je nach Tatbeitrag in den Eingriff.

Der gemeinnützige Verein Terre de Femmes schätzt, dass mehr als 58.000 Mädchen und junge Frauen von Genitalverstümmelung in Deutschland betroffen sind, etwa 13.000 sind gefährdet. Man müsse davon ausgehen, dass dieses Problem mit der wachsenden Zahl von Geflüchteten in Europa zunehme, sagte Clever.

Empfehlung für Ärzte zum Umgang mit Betroffenen

Für einen richtigen Umgang mit betroffenen und traumatisierten Frauen hat die BÄK eine „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung“ erarbeitet. „Die anatomischen und seelischen Folgen von Genitalverstümmelung müssen bei Geburt, Operation sowie Wundversorgung medizinisch und psychotherapeutisch berücksichtigt werden“, erklärt Clever. Eine kultursensible Beratung und Anamnese sei in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ohne jedoch die Aufklärung über die Rechtslage zu vernachlässigen. Weitere Hintergrundinformationen zu dem Thema können auf der Seite der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung abgerufen werden.

Empfehlungen-zum-Umgang-mit-Patientinnen-nach-weiblicher-Genitalverstuemmelung.pdf