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Volker Großkopf
Der Initia­tor der Winter­aka­de­mie, Prof. Dr. Volker Großkopf, bei seinem Eröffnungsvortrag.

Kennzei­chen der Veran­stal­tung war wieder einmal, dass die lebhaf­ten Diskus­sio­nen nicht durch die Grenzen der ambulan­ten und statio­nä­ren Sekto­ren oder die der pflege­ri­schen und ärztli­chen Berufs­stände limitiert waren.

Prof. Dr. Volker Großkopf startete den fulmi­nan­ten Programmrei­gen mit dem Thema „Die recht­li­che Verbind­lich­keit von Leitli­nien, Richt­li­nien und Standards“. Seine Ausfüh­run­gen zur haftungs­recht­li­chen Bedeu­tung der Quali­täts­nor­men im Lichte des Sorgfalts­maß­sta­bes des § 276 Absatz 2 BGB waren der Einstieg in eine kontro­verse Debatte über das Spannungs­ver­hält­nis zwischen dem zivil­recht­lich Gebote­nen und sozial­recht­lich Mögli­chen. Klar wurde, dass die Finan­zie­rung eines Leistungs­op­ti­mums mit den Mitteln der Kassen in keinem Versor­gungs­be­reich sicher­ge­stellt werden kann. Überein­stim­mend forderte daher das Plenum ein Tätig­wer­den des Gesetz­ge­bers, um das Ausein­an­der­drif­ten von Sozial- und Haftungs­recht zu vermeiden.

Beson­de­ren Raum stell­ten die Organi­sa­to­ren den Referen­ten des „open space total“ zur Verfü­gung. Impuls­re­fe­rate, wie zum Beispiel von Martina Röder und Liliana Hrytsys­hyn zu einem Förder­pro­jekt zur Integra­tion ukrai­ni­scher Pflege­kräfte in das deutsche Gesund­heits­sys­tem, oder die Tipps von Dr. Jan Basche zum Umgang mit dem MDK und den Sozial­ver­si­che­rungs­trä­gern gaben hinrei­chend Anlass zum Nachden­ken und wurden von den Teilneh­mern über die gesamte Veran­stal­tung hinweg vertieft erörtert.

Ali Kemal Gün
Dr. Ali Kemal Gün (li.) im Austausch mit den Teilneh­me­rin­nen und Teilnehmern.

Dr. Ali Kemal Gün stellte am Folge­tag den Themen­schwer­punkt „Gesund­heits­ver­sor­gung von Migran­ten“ in das Zentrum der Betrach­tung. Der erfah­rene Psycho­the­ra­peut schärfte das Verständ­nis der Teilneh­mer für die beson­de­ren gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen, indem er u.a. deren Rollen­kon­flikte, Mehrfach­be­las­tun­gen und Existenz­ängste an Beispie­len thematisierte.

Hans Härting, Flugka­pi­tän bei Austrian Airline lenkte am darauf­fol­gen­den Tag die Aufmerk­sam­keit der Teilneh­mer auf das Thema „Risiko­ma­nage­ment“. Was können Ärzte und Pflegende aus dem Cockpit lernen? Sein Hinweis zu Beginn: „Systeme, die sich auf die Unfehl­bar­keit ihrer Mitar­bei­ter verlas­sen, werden versa­gen.“ Im Rahmen eines Video­trai­nings zeigte er die Bedeu­tung verbind­li­cher Kommu­ni­ka­ti­ons­wege, wenn nötig auch über Hierar­chie­gren­zen hinweg, auf. Seine Warnung zum Abschluss: Gefah­ren­si­tua­tio­nen entste­hen beson­ders dann, wenn sich Arbei­ten regel­haft auf die Erfah­run­gen stützen, keine Standards vorhan­den sind und das Abarbei­ten von Check­lis­ten abgelehnt wird.

Rechts­an­walt Hubert Klein ging in seinem Vortrag auf die tatsäch­li­chen Möglich­kei­ten und juris­ti­schen Begren­zun­gen der organi­sa­to­ri­schen Ausge­stal­tung von Arbeits­ver­hält­nis­sen ein. Er fokus­sierte insbe­son­dere die Gestal­tung von Dienst- und Urlaubs­plä­nen und die Eintei­lung zur Nacht­wa­che. Sein warnen­der Hinweis: „Ist der Plan erst einmal festge­schrie­ben, gibt es kein zurück mehr – jeden­falls nicht ohne die Betei­li­gung der Mitarbeiter!“

Veronika Gerber und Zeynep Babadagi von der Initia­tive Chroni­sche Wunden e.V. (ICW) erinner­ten am letzten Veran­stal­tungs­tag daran, dass die Situa­tion von Patien­ten mit chroni­schen Wunden in Deutsch­land verbes­sert werden muss. Grund­vor­aus­set­zung ist ein reibungs­lo­ser Ablauf der Prozesse im thera­peu­ti­schen Team; erfor­der­lich sei aber auch die Mitwir­kung des Patien­ten. Insoweit dürfe nicht die Augen vor den sogenann­ten Non-Compli­ant-Patien­ten verschlos­sen werden.

Anlässe zum Abgleich der deutschen Arbeits­ver­hält­nisse mit den spani­schen erhiel­ten die Teilneh­mer der Winter­aka­de­mie durch die Besuche in der Univer­si­täts­kli­nik „Hospi­tal Insular Las Palmas“ und der Inten­siv­sta­tion des „Hospi­tal Negrin“ mit anschlie­ßen­der Diskussion.

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