Krankenstand
So hoch wie noch nie: der Kranken­stand Bild: Clker Free Vector Images/Pixabay.com

Der Kranken­stand in der Pflege ist auf einem Rekord­hoch: Wie eine Auswer­tung des AOK-Bundes­ver­bands zeigt, fielen die bei der AOK beschäf­tig­ten Pflege­kräfte im Jahr 2022 im Schnitt an 8,8 Prozent der Arbeits­tage aus – solch ein hoher Wert wurde bisher noch nie verzeich­net.

2021 hatte die Kranken­stands-Quote noch bei 7,2 Prozent gelegen, vor elf Jahren – im Jahr 2012 – sogar bei nur 6,1 Prozent. Damit ist der Kranken­stand in der Pflege in den vergan­ge­nen elf Jahren um 44,2 Prozent gestie­gen. Wie die Kasse weiter ausführt, wären drei von vier Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern in der Pflege im Jahr 2022 mindes­tens einmal arbeits­un­fä­hig gemel­det gewesen.

Kranken­stand: Betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung als Antwort

„Die Anfor­de­run­gen an die Pflege sind in den vergan­ge­nen Jahren gestie­gen. Hinzu kommen Belas­tun­gen durch den andau­ern­den Perso­nal­man­gel. Das geht häufig zulas­ten der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten“, führte Dr. Carola Reimann, Vorstands­vor­sit­zende des AOK-Bundes­ver­ban­des, anläss­lich des Weltta­ges für Sicher­heit und Gesund­heit am Arbeits­platz am 28. April aus.

Als Reaktion auf die steigen­den Kranken­stände will der Bundes­ver­band seine Angebote im Bereich der Betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung (BGF) weiter ausbauen; bereits 2022 sei man mit solchen Angebo­ten in mehr als 1.500 Einrich­tun­gen bundes­weit aktiv gewesen – vor allem in statio­nä­ren Pflege­hei­men, aber auch in Kranken­häu­sern und bei ambulan­ten Pflege­diens­ten.

Die Angebote der BGF reichen dabei vom Resili­en­z­trai­ning über Konzepte zum alters­ge­rech­ten Arbei­ten bis hin zur Unter­stüt­zung beim gesun­den Diver­sity-Manage­ment; Pflege- und Führungs­kräfte werden für Gesund­heits­the­men und gesunde Verhal­tens­wei­sen sensi­bi­li­siert.

„Grund­sätz­lich kommt es aber darauf an, notwen­dige Refor­men im Kranken­haus- und Pflege­be­reich endlich anzuge­hen. Dies ist die Grund­lage, um Arbeits­be­din­gun­gen und ‑organi­sa­tion in der Pflege zu verbes­sern“, betonte Reimann weiter.

Auch in übrigen Branchen stieg Zahl der Krank­mel­dun­gen

Unter sämtli­chen AOK-Versi­cher­ten, über alle Berufs­grup­pen hinweg, lag 2022 der Kranken­stand bei knapp 7 Prozent. Wie in der Pflege, gab es auch hier ein beson­ders kräfti­ges Plus zum Vorjahr 2021, als die Zahl noch bei knapp 5,5 Prozent lag.

Auch hier hat sich die Krank­schrei­bungs-Quote über die Jahre erhöht, wenn auch nicht ganz so drastisch wie bei den Pflegen­den: Inner­halb von elf Jahren lag der Anstieg bei 36,7 Prozent. Mit 32 Arbeits­un­fä­hig­keits-Tagen lagen die AOK-versi­cher­ten Pflegen­den acht Tage über dem Durch­schnitt aller bei der gesetz­li­chen Kasse versi­cher­ten Beschäf­tig­ten.

Häufigs­ter Grund für Krank­schrei­bun­gen in der Pflege waren Atemwegs­er­kran­kun­gen; die Anzahl der Fälle mit dieser Diagnose habe sich im Vergleich zu 2021 mehr als verdop­pelt, wie die Studien-Autoren anmer­ken. Basis der Ausar­bei­tung waren die Arbeits­un­fä­hig­keits-Daten sämtli­cher AOK-Mitglie­der, darun­ter der rund 700.000 dort versi­cher­ten Pflege­kräfte.