Forscher, Krebs, Hefe
Haben die „schlech­ten“ Fress­zel­len auf Krebs­zel­len­jagd geschickt: Dr. Michel­le Seif, Prof. Dr. Alex­an­dra Kie­mer und Dr. Frank Brei­nig.Clau­dia Ehr­lich, idw

, das sind Zel­len der kör­per­ei­ge­nen Abwehr. Sie wer­den mit gutem Grund auch Fress­zel­len genannt: Haben sie einen Ein­dring­ling – etwa eine Bak­te­rie – ent­deckt, fres­sen sie die­sen kur­zer­hand ein­fach auf und machen ihn so unschäd­lich. Es gibt aber bei den sol­che und sol­che. Die, die zur „schlech­ten Sor­te“ gehö­ren, las­sen sich von Krebs­zel­len aus­nut­zen: Sie tra­gen dazu bei, dass Tumor­zel­len bes­ser mit Nähr­stof­fen und Blut ver­sorgt wer­den und somit wach­sen und gedei­hen. „Daher ist die Pro­gno­se bei Krebs­pa­ti­en­ten, die an bestimm­ten Tumo­ren lei­den, schlech­ter, wenn sich in der Umge­bung der Krebs­zel­len vie­le auf­hal­ten“, erklärt Alex­an­dra Kie­mer, Pro­fes­so­rin für Phar­ma­zeu­ti­sche Bio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des.

Schlechte in gute verwandeln

Wis­sen­schaft­lern der Saar-Uni­ver­si­tät ist es jetzt gelun­gen, die­se „schlech­ten“ Makro­pha­gen umzu­po­len. Und zwar so, dass sie das Immun­sys­tem alar­mie­ren und die kör­per­ei­ge­ne Abwehr gezielt gegen Krebs­zel­len auf den Plan rufen. „Wir machen hier­zu aus ent­zün­dungs­hem­men­den und tumor­för­dern­den Makro­pha­gen tumor­be­kämp­fen­de Makro­pha­gen, die Ent­zün­dun­gen för­dern“, bringt es Prof. Kie­mer auf den Punkt.

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Hier­zu grei­fen die Wis­sen­schaft­ler auf ein Ver­fah­ren zurück, für das Dr. Frank Brei­nig bereits mehr­fach aus­ge­zeich­net wur­de: Sie legen „Köder“ in Form von gen­tech­nisch ver­än­der­ten Hefe­zel­len aus. „Die­se Hefe­zel­len wer­den nur von bestimm­ten Immun­zel­len erkannt, dar­un­ter die Makro­pha­gen“, erklärt Brei­nig.

Durch den Köder sodann in der Lage gezielt gene­ti­sche Infor­ma­tio­nen in die Makro­pha­gen ein­zu­schleu­sen. Die­se pro­gram­mie­ren die Immun­zel­le um, und zwar so, dass eine Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on aus­ge­löst wird. Das bedeu­tet: Sie drückt qua­si auf den Alarm­knopf, der die kör­per­ei­ge­ne Abwehr auf­rüt­telt. „Die umpro­gram­mier­ten Makro­pha­gen pro­du­zie­ren Boten­stof­fe, soge­nann­te Zyto­ki­ne, die die Abtö­tung von Krebs­zel­len aus­lö­sen bezie­hungs­wei­se unter­stüt­zen kön­nen“, erläu­tert Prof. Kie­mer.

Bis­lang han­delt es sich bei dem Ergeb­nis jedoch noch um Grund­la­gen­for­schung. Bis gebrauchs­fer­ti­ge The­ra­peu­ti­ka auf dem Markt zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den, wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen.