Zum 1.1.2015 wur­de im Rah­men das ers­te Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz I ein­ge­fürht, das unter ande­rem die Anhe­bung der Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge sowie die Aus­wei­tung von Pfle­ge­leis­tun­gen beinhal­tet. In den dar­auf fol­gen­den Jah­ren sind jeweils das Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz II und III in Kraft getre­ten. Seit­her gilt ein neu­er Pfle­ge­be­dürf­tig­keits­be­griff und Maß­nah­men zur Stär­kung der Kom­mu­nen in der Pfle­ge wur­den ergrif­fen. Doch wie kommt die­se umfas­sen­de Pfle­ge­re­form bei pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen tat­säch­lich an? Die­ser Fra­ge hat sich das Zen­trum für Qua­li­tät in der Pfle­ge (ZQP) gewid­met und eine reprä­sen­ta­ti­ve Befra­gung unter mehr als 900 infor­mell Pfle­gen­den zwi­schen 40 und 85 Jah­ren durchgeführt.

Fehlendes Wissen über Leistungsansprüche

Deutsch­land­weit gibt es rund 4,7 Mil­lio­nen pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge. 90 % der Befrag­ten weiß von der Pfle­ge­re­form, aber offen­bar wur­den Leis­tungs­aus­wei­tun­gen nicht in vol­lem Umfang wahr­ge­nom­men. Bei­spiels­wei­se ste­hen jedem Pfle­ge­be­dürf­ti­gen mit einem Pfle­ge­grad, der zuhau­se gepflegt wird, ein neu­er monat­li­cher Ent­las­tungs­be­trag von 125 Euro zur Ver­fü­gung, tat­säch­lich in Anspruch genom­men wur­de die­ser laut 70 % der Befrag­ten jedoch nicht. Ein Grund dafür, dass die Leis­tun­gen nur in gerin­gem Maße bean­sprucht wer­den, könn­te in feh­len­dem Wis­sen über die Mög­lich­kei­ten lie­gen – schließ­lich füh­len sich 44 % der Befrag­ten nicht gut über ihre Ansprü­che informiert.

Von den­je­ni­gen, die alle Pfle­ge­stär­kungs­ge­set­ze mit­er­lebt haben, da sie bereits seit min­des­tens 2014 pfle­gen, nimmt gut jeder Vier­te (26 %) Ver­bes­se­run­gen wahr, auch in Bezug auf die Mög­lich­keit Aus­zei­ten von der Pfle­ge neh­men zu kön­nen. 25 % von denen, die vor 2017 gepflegt haben, nut­zen seit­her mehr Ange­bo­te wie bei­spiels­wei­se All­tags­be­glei­tun­gen. Auch wenn ins­ge­samt sei­tens der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen von Ver­bes­se­run­gen gespro­chen wer­den, so kom­men die Leis­tungs­an­ge­bo­te noch nicht in erhoff­tem Maße an, sagt Ralf Suhr, Vor­stands­vor­sit­zen­der des ZQP. „Dabei spielt sicher auch eine Rol­le, dass die nöti­gen Ange­bo­te wie zum Bei­spiel Tages­pfle­ge­ein­rich­tun­gen, nicht über­all in aus­rei­chen­dem Umfang vor­han­den sind“, so Suhr weiter.

Anspruch auf Pflegeberatung und Pflegeschulung

Abhil­fe kön­nen Pfle­ge­be­ra­tun­gen und Pfle­ge­schu­lun­gen ver­schaf­fen – dar­auf haben pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge kos­ten­lo­sen Anspruch. Doch auch das wis­sen offen­bar die wenigs­ten. Weni­ger als die Hälf­te der Befrag­ten (42 %) haben die Pfle­ge­be­ra­tung genutzt und nur 8 % besuch­ten einen kos­ten­lo­sen Pfle­ge­kurs. „Das ist mit Sicher­heit viel zu wenig, gera­de ange­sichts der beson­de­ren gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen, denen pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge oft aus­ge­setzt sind“, sagt Suhr. Ori­en­tie­rung bie­tet eine Daten­bank des ZQP, in der zahl­rei­che nicht kom­mer­zi­el­le Bera­tungs­an­ge­bo­te deutsch­land­weit auf­ge­ru­fen wer­den können.

Quel­le: ZQP