Petra Seve­ri­ni fragt: Ich habe mei­ne Stel­le in einem ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst zum Ablauf des ers­ten Halb­jah­res gekün­digt und arbei­te seit­her in einer Senio­ren­re­si­denz. Mein neu­er Arbeit­ge­ber möch­te die gewähr­ten Urlaubs­ta­ge aus dem alten Arbeits­ver­hält­nis auf mei­nen neu­en anrech­nen. Darf er das?

Ant­wort der Redak­ti­on: Bei einem Arbeits­platz­wech­sel inner­halb des Kalen­der­jah­res ist zu klä­ren, wie viel Urlaub jeweils vom alten und vom neu­en Arbeit­ge­ber nach den jewei­li­gen Arbeits­ver­trä­gen gewährt wird. Hier­bei sind die Fäl­le unter­schied­li­cher Urlaubs­an­sprü­che nach den Arbeits­ver­hält­nis­sen von denen mit glei­chem zu unter­schei­den.

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Bei glei­chem Urlaubs­an­spruch hängt der Anspruch des Arbeit­neh­mers gegen­über dem neu­en Arbeit­ge­ber davon ab, wie viel Jah­res­ur­laub dem Arbeit­neh­mer vom alten Arbeit­ge­ber gewährt wor­den ist. Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUr­lG) legt fest, dass Arbeit­neh­mer von einem Arbeit­ge­ber­wech­sel nicht der­art pro­fi­tie­ren dür­fen, dass sie dop­pel­te Urlaubs­an­sprü­che gel­tend machen kön­nen. Wur­den und wer­den zum Bei­spiel 30 Tage Urlaub/Jahr gewährt und hat der Arbeit­neh­mer hier­von bis zur Kün­di­gung in der Jah­res­mit­te 15 Tage Urlaub erhal­ten, erhält er unpro­ble­ma­tisch gegen­über sei­nem neu­en Arbeit­ge­ber für das zwei­te Kalen­der­halb­jahr einen Urlaubs­an­spruch von eben­falls 15 Tagen.

Wur­den ihm in der ers­ten Jah­res­hälf­te jedoch mehr als 15 Tage Urlaub gewährt, muss er sich die­se „Über­schrei­tung“ gegen­über dem neu­en Arbeit­ge­ber anrech­nen las­sen (§ 6 Abs. 1 BUr­lG). Hat er dem­ge­gen­über weni­ger Urlaub genom­men und bestehen noch Ansprü­che gegen den alten Arbeit­ge­ber, wan­deln sich die­se mit der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in einen Urlaubs­ab­gel­tungs­an­spruch um (§ 7 Abs. 4 BUr­lG).

Falls bei den Arbeits­ver­hält­nis­sen unter­schied­li­che Urlaubs­an­sprü­che bestehen, wer­den die Urlaubs­ta­ge quo­ten­mä­ßig ange­rech­net. Zur genau­en Berech­nung erteilt der bis­he­ri­ge Arbeit­ge­ber eine Urlaubs­be­schei­ni­gung gemäß § 6 Abs. 2 BUr­lG. Die­se gehört zu den Arbeits­pa­pie­ren und erlaubt dem neu­en Arbeit­ge­ber die Beur­tei­lung, in wel­chem Umfan­ge noch ein Urlaubs­an­spruch unter dem neu­en Arbeits­ver­hält­nis für das betref­fen­de Kalen­der­jahr erwächst. Unbe­rück­sich­tigt bleibt bei die­ser Anrech­nung Urlaub, der vom alten Arbeit­ge­ber aus dem Vor­jahr über­tra­gen wur­de.