Schmerzmedizin, Pressekonferenz
Bei der Auftakt­pres­se­kon­fe­renz vom „Schmerz- und Pallia­tiv­tag 2017“ am 22. März stell­ten Medizi­ner verschie­de­ner Fachrich­tun­gen neue Konzepte der Schmerz­me­di­zin vor. Bild: obs/Deutsche Gesell­schaft für Schmerz­me­di­zin e.V./Martin Leissl

„Gemein­sam mit allen an der Thera­pie Betei­lig­ten werden wir in naher Zukunft ein Konzept entwi­ckeln, bei dem alle Fachrich­tun­gen eng mitein­an­der vernetzt mit dem Patien­ten arbei­ten sollen“, so Müller-Schwefe. Nur wenn wir es schaf­fen, die Schmerzmedizin als Querschnitts­fach zu betrach­ten und die Schmerz­kom­pe­tenz auszu­bauen, können wir den zahlrei­chen chronisch erkrank­ten Schmerz­pa­ti­en­ten helfen.

Schmerz­ex­per­ten aus ganz Deutsch­land – ob Medizi­ner, Psycho­lo­gen, Physio­the­ra­peu­ten, Pharma­zeu­ten oder Pflege­kräfte – gemein­sam wollen sie die Versor­gung der Schmerz­pa­ti­en­ten in Deutsch­land verbes­sern. Denn nach wie vor ist ein Großteil der insge­samt 23 Millio­nen Schmerz­pa­ti­en­ten und der etwa 2,8 Millio­nen schwers­ter­krank­ten Patien­ten unter­ver­sorgt.

Den Nachwuchs begeis­tern

Helfen könnte ihnen ein dafür spezi­ell ausge­bil­de­ter Schmerz­me­di­zi­ner, der den Patien­ten ganzheit­lich betrach­tet und frühzei­tig die Ursache der Beschwer­den erkennt. Aber diese sind rar gesät. Von den wenigen Leucht­turm­pro­jek­ten der inter­dis­zi­pli­nä­ren Zusam­men­ar­beit profi­tiert am Ende nur ein Bruch­teil der Betrof­fe­nen. „An der Basis gibt es bislang keine grund­le­gen­den Verbes­se­run­gen. Eine inter­dis­zi­pli­näre Zusam­men­ar­beit ist zeitauf­wän­dig und wird zu wenig honoriert“, resümierte Müller-Schwefe.

Hinzu kommt, dass aktuell die Behand­lung auf wenigen Schul­tern und aufgrund des demogra­fi­schen Wandels auf einer immer älter werden­den Ärzte­ge­ne­ra­tion ruht. Gleich­zei­tig aber steigt die Anzahl der Patien­ten. „Wenn wir den Nachwuchs für unser Fachge­biet begeis­tern können, ist vielen Patien­ten gehol­fen“, ist sich Dr. Johan­nes Horle­mann, Vizeprä­si­dent der DGS, sicher.

Chroni­scher Schmerz ist ein Querschnitts­ge­biet

In kaum einer anderen Diszi­plin als der Schmerz­me­di­zin arbei­tet der Arzt so inter­dis­zi­pli­när – technisch, pharma­ko­lo­gisch, kommu­ni­ka­tiv und psycho­so­ma­tisch. Dazu ist es eines der dynamischs­ten Felder mit ständi­gem Zuwachs an neuem Wissen und neu evalu­ier­ten Konzep­ten. „Mit unserem umfang­rei­chen Fortbil­dungs­kon­zept wollen wir nicht nur die angren­zen­den Fachge­biete, sondern verstärkt auch junge Medizi­ner errei­chen“, so Horle­mann.

Patien­ten­be­dürf­nisse im Fokus der Versor­ger­Ge­sell­schaft

Konti­nu­ier­li­che Forschung ist wichtig, um neue wissen­schaft­li­che Erkennt­nisse zu gewin­nen. Diese in die Praxis umzuset­zen – darin liege aber die eigent­li­che Heraus­for­de­rung, so die langjäh­rige Erfah­rung des DGS-Vorstan­des. Die Patien­ten mit ihren Bedürf­nis­sen stärker in den Fokus zu rücken, dafür setzt sich die DGS in Koope­ra­tion mit der Patien­ten­or­ga­ni­sa­tion Deutsche Schmerz­liga (DSL) bereits seit vielen Jahren ein.

„Ein Meilen­stein stellt die Online-Platt­form mein-schmerz.de dar, über die – via Daten-Einspei­sung in das DGS Praxis­Re­gis­ter Schmerz – erstma­lig auch die Sicht der Betrof­fe­nen dokumen­tiert werden kann“, erklärte PD Dr. Michael A. Überall, DGS-Vizeprä­si­dent und Präsi­dent der DSL.

In diesem Jahr gehen die beiden Organi­sa­tio­nen noch einen Schritt weiter und stellen das Thema „Tumor­schmerz“ in den Mittel­punkt: Mit der „Praxis­um­frage Tumor­schmerz“ werden expli­zit Symptom­be­las­tun­gen bei tumor­be­ding­ten Dauer- und Durch­bruch­schmer­zen abgefragt. Laut Überall müssen bei diesen Patien­ten die zugrun­de­lie­gen­den Schmer­zen konti­nu­ier­lich evalu­iert werden, um sowohl den Behand­lungs­be­darf als auch die Behand­lungs­in­ten­si­tät an das aktuell angestrebte Behand­lungs­ziel anzupas­sen.

Quelle: presseportal.de