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Studie
Durch die Digita­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen könnten laut einer aktuel­len Studie der Unter­neh­mens­be­ra­tung McKin­sey bis zu 42 Milli­ar­den Euro pro Jahr einge­spart werdenBild: © Nicoel­nino | Dreamstime.com

Durch den Einsatz digita­ler Techno­lo­gien können Versor­gungs­qua­li­tät und Kosten­ef­fi­zi­enz erhöht und gleich­zei­tig Behand­lung und Betreu­ung von Patien­ten sowie die Arbeits­si­tua­tion des Perso­nals im Gesund­heits­we­sen verbes­sert werden. Das größte Poten­zial bieten dabei die elektro­ni­sche Patien­ten­akte (ePA), Online-Inter­ak­tio­nen und ‑Termin­ver­ein­ba­run­gen zwischen Arzt und Patient sowie die Fernüber­wa­chung und ‑unter­stüt­zung von chronisch Erkrank­ten. Dies sind die zentra­len Ergeb­nisse einer neuen Studie von McKin­sey & Company mit dem Titel „Digita­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen: die 42-Miliar­den-Euro-Chance für Deutschland“.

„Richtig einge­setzt kann die Digita­li­sie­rung im Gesund­heits­be­reich massi­ven Nutzen stiften. Wir reden von einer 42-Milli­ar­den-Euro-Chance, von der alle im Gesund­heits­we­sen profi­tie­ren könnten“, sagte McKin­sey-Partner Stefan Biesdorf, Co-Autor der Studie, bei der Vorstel­lung der Ergeb­nisse am Dienstag.

„Das Poten­zial der Digita­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen hat sich inner­halb von vier Jahren um rund 8 Milli­ar­den Euro oder 24 Prozent erhöht“, sagt McKin­sey Junior Partne­rin Kristin Tuot, ebenfalls Co-Autorin der Studie. In der Vorgän­ger­stu­die von 2018 hatte McKin­sey basie­rend auf mehr als 500 inter­na­tio­na­len Forschungs­do­ku­men­ten das finan­zi­elle Poten­zial von 26 verfüg­ba­ren digita­len Gesund­heits­tech­no­lo­gien in Deutsch­land auf 34 Milli­ar­den Euro beziffert.

„Davon wurden in den vergan­ge­nen Jahren nur rund 1,4 Milli­ar­den Euro reali­siert“, stellte Kristin Tuot fest. Außer­dem sei das Poten­zial angesichts weiter steigen­der Gesund­heits­aus­ga­ben und der dynami­schen Entwick­lung der Digita­li­sie­rung seither gestie­gen. Diesen Effekt konnte man während der Pande­mie gut beobach­ten: Einige Techno­lo­gien wie zum Beispiel Online-Sprech­stun­den und ‑Termin­ver­ga­ben haben einen erheb­lich größe­ren Nutzen als 2018 vermutet.

Elektro­ni­sche Patien­ten­akte bringt den größten Nutzen

Für die Studie hat McKin­sey das Poten­zial von 26 digita­len Gesund­heits­tech­no­lo­gien analy­siert und in sechs Lösungs­ka­te­go­rien zusammengefasst:

  1. Online-Inter­ak­tio­nen, zum Beispiel durch Telekon­sul­ta­tion oder Fernüber­wa­chung und Manage­ment chronisch Erkrank­ter. Diese Lösun­gen reduzie­ren vor allem den Zeitauf­wand bei Patien­ten und Ärzte­schaft.: 12,0 Milli­ar­den Euro (2018: 8,9 Milli­ar­den Euro)
  2. Umstel­lung auf papier­lose Daten­ver­ar­bei­tung, zum Beispiel durch die elektro­ni­sche Patien­ten­akte und eRezept: 9,9 Milli­ar­den Euro (2018: 9,0 Milli­ar­den Euro)
  3. Arbeitsabläufe/Automatisierung, zum Beispiel durch die mobile Vernet­zung von Pflege­per­so­nal oder die auf Barcodes basierte Verab­rei­chung von Medika­men­ten: 6,7 Milli­ar­den Euro (2018: 6,1 Milli­ar­den Euro)
  4. Entschei­dungs­un­ter­stüt­zung durch Daten­trans­pa­renz, zum Beispiel durch den Einsatz von Software, um Doppel­un­ter­su­chun­gen von Patien­ten zu vermei­den: 6,4 Milli­ar­den Euro (2018: 5,6 Milli­ar­den Euro)
  5. Patien­ten­selbst­be­hand­lung, zum Beispiel durch Gesund­heits-Apps oder digitale Diagno­se­tools: 4,6 Milli­ar­den Euro (2018: ebenfalls 4,6 Milli­ar­den Euro)
  6. Patien­ten-Self-Service etwa Online­por­tale zur Termin­ver­ein­ba­rung: 2,5 Milli­ar­den Euro (2018: ebenfalls 2,5 Milli­ar­den Euro).

Daten­schutz als Bremse

Bis jetzt steckt die Gesund­heits­bran­che aller­dings noch tief im Fax-Zeital­ter. Und daran ist zum Teil Deutsch­lands Daten­schutz schuld. Denn die in Deutsch­land beson­ders rigide Umset­zung der europäi­schen Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung (DSGVO) sorgt dafür, dass jede Art von Zugriff auf oder Nutzung von Patien­ten­da­ten unter­bun­den wird. So kann es beson­ders bei Chroni­kern im Notfall lebens­ge­fähr­lich werden, da der Notfall­me­di­zi­ner auf die Behand­lungs­da­ten der Fachärzte keinen Zugriff hat.

Die McKin­sey-Studie hat das Poten­zial, der Politik den entschei­den­den Denkan­stoß zu verpas­sen. Denn das finan­zi­ell gebeu­telte Gesund­heits­we­sen kann sich den Verzicht auf ein derar­ti­ges Sparpo­ten­zial nicht leisten.