Palliativpatienten
Eine Pallia­tiv­sta­tion bei Nacht Bild: Mike Becker

Pallia­tiv­pa­ti­en­ten: Schmerz­haf­ter, erschwer­ter Stuhl­gang

Körper­li­che Symptome wie Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Erbre­chen und Verstop­fun­gen oder Durch­fälle spielen ebenso wie psychi­sche, bezie­hungs­weise spiri­tu­elle Fakto­ren eine wesent­li­che Rolle. In vielen dieser Berei­che bestehen gute Möglich­kei­ten den Patien­ten aufzu­fan­gen und zu entlas­ten.

Aller­dings klagen viele Patien­ten im pallia­ti­ven Versor­gungs­kon­text über schmerz­haf­ten und erschwer­ten Stuhl­gang, der sie in ihrem Wohlbe­fin­den extrem beein­träch­tigt.

Im Fall der der sogenann­ten obstruk­ti­ven Defäka­ti­ons­stö­rung wird dann versucht die Ausschei­dung, zum Beispiel bei einer Diarrhoe mit Medika­men­ten oder Hilfs­mit­teln, zu regulie­ren. Hierbei geht es nicht nur darum die Würde des Patien­ten zu ermög­li­chen, sondern vielmehr auch eine thera­peu­ti­sche Entlas­tung zu erzie­len.

Reini­gung und Desin­fek­tion nach dem Stuhl­gang

Insbe­son­dere bei bösar­ti­gen Erkran­kun­gen im Genital- oder Anusbe­reich ist es jedoch nicht immer einfach, eine nach jedem Stuhl­gang die Reini­gung und Desin­fek­tion durch­zu­füh­ren. Zum Beispiel sind Patien­tin­nen mit einem Vulva­kar­zi­nom meist in ihrer Mobili­tät derart einge­schränkt, dass eine selbst­stän­dige Körper­pflege nicht mehr statt­fin­det kann.

Durch die anato­mi­schen Gegeben­hei­ten von bösar­ti­gen Tumor­er­kran­kun­gen der weibli­chen Geschlechts­or­gane, welche sich auch oft in den periana­len Bereich ausdeh­nen, ist eine adäquate Reini­gung nach dem Stuhl­gang des Umfel­des faktisch nicht möglich.

Auch würde sich die durch das Karzi­nom hervor­ge­ru­fene Wundsi­tua­tion durch den Kontakt mit der Ausschei­dung verschlech­tern und die Patien­tin noch mehr belas­ten. Entlas­tende Wundver­bände können selten in jenem Bereich einge­setzt werden, da diese auf Grund der anato­mi­schen Verhält­nisse schwer angebracht werden können.

Selbst­stän­di­ger Toilet­ten­gang nicht mehr möglich

Patien­ten mit einer derar­ti­gen Grund­er­kran­kung, die gleich­zei­tig von einer Diarrhoe betrof­fen sind und unter einem herab­ge­setz­ten Allge­mein­zu­stand leiden, können selbstän­dige Toilet­ten­gänge kaum noch bewäl­ti­gen.

Leider gab es in der Vergan­gen­heit keine adäqua­ten Instru­men­ta­rien, um in dieser spezi­el­len Versor­gungs­si­tua­tion eine Entlas­tung zu gewähr­leis­ten. Regel­mä­ßig werden Silikon-Stuhl­drai­na­gen einsetzt.

Draina­ge­sys­teme verrut­schen durch Bewegung der Patien­ten

In der Praxis entste­hen jedoch oft durch die pflege­fach­lich gebotene Mobili­sa­tion der Patien­ten Anwen­dungs­pro­bleme, weil durch die Bewegung des Patien­ten das Draina­ge­sys­tem verrutscht und die Dichtig­keit nicht mehr garan­tiert ist.

Seit einiger Zeit steht den Patien­ten in diesem Thera­pie­be­reich eine hygh-tec PU-Stuhl­drai­nage zur Verfü­gung, deren dichtende Eigen­schaft sich nicht nur in der Indika­tion einer kurati­ven Behand­lung wieder­fin­det.

Ressour­cen des Pflege­per­so­nals schonen

Vielmehr rückt diese Methode a‑traumatische Stuhl­ab­lei­tung immer mehr in den pallia­tiv-medizi­ni­schen, sowie pflege­ri­schen Vorder­grund. Dieses dient nicht nur, mit einer entspre­chen­den Stuhl­mo­di­fi­ka­tion, der Entlas­tung der Patien­ten, sondern schont auch die Ressour­cen des Pflege­per­so­nals und bringt gleich­zei­tig eine Kosten­re­du­zie­rung mit sich.

Von Mike Becker