Die 7. Kam­mer des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver hat über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Mit­glied­schaft in der ent­schie­den. Die Kla­gen zwei­er Mit­glie­der wur­den abge­wie­sen. Die Pflicht­mit­glied­schaft in der sei recht­mä­ßig und ver­sto­ße nicht gegen die Grund­rech­te der Klä­ger. Die Errich­tung der ver­fol­ge nach Auf­fas­sung des Gerichts einen legi­ti­men Zweck und sei auch sonst ver­hält­nis­mä­ßig.

„Die bei­den Urtei­le bestä­ti­gen ein­deu­tig die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Kam­mer­ge­set­zes für Heil­be­ru­fe in der Pfle­ge (Pfle­geKG)“, sag­te Kam­mer­prä­si­den­tin San­dra Meh­me­cke nach der Urteils­ver­kün­dung. In den bei­den Ver­fah­ren ging es um die Recht­mä­ßig­keit der Kam­mer­mit­glied­schaft. Die Geschäfts­füh­re­rin eines Senio­ren­pfle­ge­heims sowie eine in einem Kran­ken­haus täti­ge Fall­ma­na­ge­rin, bei­de Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin­nen, hat­ten gegen ihre Pflicht­mit­glied­schaft in der Pfle­ge­kam­mer geklagt. Die Fall­ma­na­ge­rin war zudem der Auf­fas­sung, eine rei­ne Ver­wal­tungs­tä­tig­keit zu leis­ten und nicht den Beruf einer Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin aus­zu­üben. „Die Urtei­le sind aus pfle­ge­po­li­ti­scher Sicht äußerst posi­tiv zu bewer­ten“, sagt die Prä­si­den­tin. Pfle­ge sei mehr als die rei­ne Grund­ver­sor­gung am Bett des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen.

Anwendung der pflegerischen Kenntnisse ausschlaggebend

§ 2 Abs. 1 Satz 2 Pfle­geKG sieht eine gesetz­li­che Mit­glied­schaft in der Pfle­ge­kam­mer auch dann vor, wenn bei der aktu­ell aus­ge­üb­ten Tätig­keit Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten aus der Berufs­aus­bil­dung in einem der drei Pfle­ge­be­ru­fe ein­ge­setzt wer­den oder auch nur ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Eine Berufs­aus­übung im Sin­ne des Pfle­geKG liegt also auch dann vor, wenn Pfle­ge­fach­per­so­nen zum Bei­spiel im Manage­ment, der Leh­re, der Ver­wal­tung oder der Bera­tung Kennt­nis­se aus der pfle­ge­ri­schen Aus­bil­dung anwen­den. Die­ser Geset­zes­aus­le­gung folg­te auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver. Die Klä­ge­rin kön­ne in ihrer kon­kre­ten Berufs­tä­tig­keit ihre beson­de­ren Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten als Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin sinn­voll ein­set­zen, um für die Pati­en­ten mög­lichst effek­ti­ve Anschluss­maß­nah­men an den sta­tio­nä­ren Kran­ken­haus­auf­ent­halt zu orga­ni­sie­ren.

In Nie­der­sach­sen ent­stand im August 2018 nach Rhein­land-Pfalz und Schles­wig-Hol­stein die drit­te und bis­her größ­te Pfle­ge­kam­mer Deutsch­lands. Sie ist eine Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts. Min­des­tens 80.000 Pfle­ge­fach­kräf­te mit Abschlüs­sen in der Alten­pfle­ge, Gesund­heits- und Kran­ken- sowie Gesund­heits- und Kin­der­kran­ken­pfle­ge sind Mit­glied der Kam­mer. Nie­der­sach­sen ist nicht das ers­te Bun­des­land, in dem gegen die Pflicht­mit­glied­schaft in der Pfle­ge­kam­mer geklagt wur­de. Auch in Rhein­land-Pfalz hat es vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz eine sol­che Kla­ge gege­ben. In dem Fall fiel das Urteil zu Guns­ten der Klä­ge­rin aus, da die aus­ge­bil­de­te Kran­ken­pfle­ge­rin einer Tätig­keit in einem Unter­neh­men nach­geht, ohne dabei eine aus­rei­chen­de Nähe zur Kran­ken­pfle­ge zu haben (Urteil vom 9.März 2018, Az.: 5 K 1084/17.KO). Die Beru­fung in die­sem Rechts­streit wur­de zuge­las­sen.