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Die Zahl der Menschen weltweit, die an HIV infiziert sind, steigt weiter an, die Mensch­heit läuft Gefahr, ihre selbst gesteck­ten Ziele im Kampf gegen das Virus zu verfeh­len. Doch gleich­zei­tig sinkt die Zahl der durch die Immun­schwä­che-Krank­heit beding­ten Todes­fälle und ein immer größe­rer Anteil an Infizier­ten hat Zugang zu Thera­pien. Noch dazu gibt es einen vielver­spre­chen­den neuen Präven­ti­ons­an­satz. Diese Fakten bilde­ten die Ausgangs­lage zur 22. Welt-Aids-Konfe­renz, die vom 23. bis 27. Juli in Amster­dam statt­fand: Rund 16.000 Teilneh­mer – Ärzte, Wissen­schaft­ler, Politi­ker, Aktivis­ten, aber auch promi­nente Gesich­ter wie der briti­sche Prinz Harry oder Ex-US-Präsi­dent Bill Clinton – waren hierfür in die nieder­län­di­sche Haupt­stadt gereist. Unter dem Motto „Breaking Barri­ers, Building Bridges”, „Barrie­ren durch­bre­chen, Brücken bauen“, ging es fünf Tage auf insge­samt 282 Sympo­sien und Workshops rund um medizi­ni­sche Behand­lungs­an­sätze, neue Wege der Präven­tion, Zielgrup­pen­an­spra­che und regio­nale Beson­der­hei­ten im Kampf gegen HIV und Aids.

UNAIDS-Ziele von 2014 in Gefahr

Derzeit sollen weltweit geschätzt rund 39 Millio­nen Menschen mit HIV infiziert sein. Der Schwer­punkt liegt dabei nach wie vor in Afrika südlich der Sahara, wo rund zwei Drittel aller HIV-Positi­ven leben. Weiter stark steigend ist die Infizier­ten­zahl in Osteu­ropa und Zentral­asien, wo fehlen­der Infek­ti­ons­schutz von Prosti­tu­ier­ten, die gesell­schaft­li­che Ableh­nung von Homose­xua­li­tät sowie die damit verbun­dene erschwerte Zielgrup­pen­an­spra­che, und der verbrei­tete Heroin­kon­sum mittels unste­ri­ler Sprit­zen die Präven­ti­ons­ar­beit erschwe­ren und somit die Ausbrei­tung des Virus befeu­ern. In jenen Regio­nen hat sich die Zahl der Neuin­fek­tio­nen seit 2010 verdop­pelt. In Deutsch­land sollen laut Schät­zung des Robert Koch-Insti­tuts rund 85.000 Menschen mit HIV leben, geschätzt 12.000 bisher unent­deckte Infek­ti­ons­fälle eingerechnet.

Vielleicht gerade weil die Infek­tion mit Medika­men­ten mittler­weile gut in den Griff zu bekom­men ist und HIV-Positive unter Thera­pie keine nennens­wert gesun­kene Lebens­er­war­tung mehr zu fürch­ten haben, droht jedoch auch Nachläs­sig­keit – weil der „Leidens­druck“ schein­bar sinke, könnten Staaten und Geldge­ber versucht sein, ihr Engage­ment zurück­fah­ren, was die Gefahr brächte, die von der UN-Organi­sa­tion UNAIDS gesteck­ten Ziele in der HIV- und Aids-Bekämp­fung zu verfeh­len. Nach der 2014 aufge­stell­ten sogenann­ten „90–90-90“-Formel sollten demnach bis 2020 90 Prozent aller HIV-Infek­tio­nen diagnos­ti­ziert sein. 90 % der Menschen, die von ihrer Infek­tion wissen, sollten Zugang zu medika­men­tö­ser Thera­pie haben. Wiederum bei 90 Prozent von jenen solle die Virus­last stabil unter Kontrolle sein. Bis 2030 ist geplant, alle drei Werte auf 95 % zu steigern.

„Wir haben alle Mittel, die HIV-Epide­mie dauer­haft in den Griff zu bekom­men und Aids zu beenden. Aber zu viele Menschen sind von Präven­tion und Behand­lung ausge­schlos­sen. Viele Menschen infizie­ren sich, erkran­ken und sterben, weil die Verant­wort­li­chen zu wenig tun“, sagt Sven Warmin­sky vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe dazu. „Die Welt droht eine histo­ri­sche Chance zu verpas­sen und lässt Millio­nen Menschen im Stich.“

Funktio­nie­rende Thera­pie schützt vor Neuan­ste­ckung von Sexualpartnern

Einen großen Licht­blick für die HIV-Präven­tion brach­ten die Ergeb­nisse der auf der Konfe­renz vorge­stell­ten „Partner-2-Studie“: Demnach lässt sich die Ausbrei­tung von HIV nicht nur durch Kondom-Gebrauch oder Prä- bezie­hungs­weise Post-Exposi­ti­ons-Prophy­la­xen, sondern auch durch eine optimal funktio­nie­rende Medika­men­ten­the­ra­pie eindäm­men. Bei der Studie hatten 972 Männer­paare aus 14 europäi­schen Ländern mitge­macht, die einen „serodis­kor­d­an­ten“ HIV-Status haben – der eine Partner ist HIV-positiv, der andere nicht. Voraus­set­zung für die Teilnahme war, dass sich die Virus­last des positi­ven Partners durch seine Thera­pie perma­nent unter­halb der Nachweis­grenze befand.

Das Ergeb­nis: Obwohl die Paare im Verlauf der Studie insge­samt hochge­rech­net rund 75.000 Mal ungeschütz­ten Sex hatten, hat sich kein einzi­ger der HIV-negati­ven Partner infiziert! Ohne die medika­men­töse Thera­pie des Partners wären dagegen statis­tisch rund 500 Neuin­fek­tio­nen während des Studi­en­zeit­raums zu erwar­ten gewesen. „Sind HIV-positive Menschen gut behan­delt, ist eine Übertra­gung beim Sex unmög­lich. Schutz durch Thera­pie ist neben dem Kondom und der Prä-Exposi­ti­ons-Prophy­laxe eine verläss­li­che Safer-Sex-Methode“, folgert die Deutsche Aidshilfe daraus.

Die erste Welt-Aids-Konfe­renz wurde 1985, damals noch im Zeichen der weitge­hend unerforsch­ten, enorme gesell­schaft­li­che Ängste auslö­sen­den Immun­schwä­che­krank­heit, im US-ameri­ka­ni­schen Atlanta abgehal­ten. Seitdem gab es jährli­che Neuauf­la­gen; 1996 ging man zu einem zweijähr­li­chen Turnus über. Das nächste Welt-Aids-Treffen ist für 2020 in San Francisco geplant.

Quelle: aids2018.org, Deutsche Aidshilfe