113 Behandlungsfälle mehr als im Vorjahr

Bun­des­weit wur­den ins­ge­samt im Jahr 2016 von den Gut­ach­ter­kom­mis­sio­nen und Schlich­tungs­stel­len 7.639 Ent­schei­dun­gen zu mut­maß­li­chen Behand­lungs­feh­lern getrof­fen, gegen­über 7.215 im Vor­jahr. In 2.245 Fäl­len lag ein vor, wäh­rend sich die Zahl im Vor­jahr auf 2.132 Fäl­le belief. Davon konn­te in 1.845 Fäl­len ein bzw. Risi­ko­auf­klä­rungs­man­gel als Ursa­che für einen Gesund­heits­scha­den ermit­telt wer­den, der zu Ent­schä­di­gungs­an­sprü­chen des Pati­en­ten führ­te.

Die häufigsten Diagnosen: Knie-und Hüftgelenkarthrosen

Knie- und Hüft­ge­len­kar­thro­sen (312 bzw. 265 Feh­ler­vor­wür­fe) sowie Unter­schen­kel- und Sprung­ge­lenk­frak­tu­ren (171 Feh­ler­vor­wür­fe) waren die häu­figs­ten Dia­gno­sen, die zu Behand­lungs­feh­ler­vor­wür­fen führ­ten. Es gab 400 Fäl­le von Behand­lungs­feh­lern bzw. Risi­ko­auf­klä­rungs­män­gel, die kei­nen kau­sa­len Gesund­heits­scha­den zur Fol­ge hat­ten. Die häu­figs­ten Fäl­le stam­men aus dem Kli­nik­be­reich mit 74,7%, wäh­rend 25,3% der Fäl­le aus dem Pra­xis­/MVZ-Bereich kom­men.

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„Feh­ler pas­sie­ren, auch in der Medi­zin. Aber die Wahr­schein­lich­keit, dass Pati­en­ten durch einen zu Scha­den kom­men, ist extrem gering“, so Dr. Andre­as Cru­si­us, Vor­sit­zen­der der Stän­di­gen Kon­fe­renz der Gut­ach­ter­kom­mis­sio­nen und Schlich­tungs­stel­len der Bun­des­ärz­te­kam­mer. „Wir wol­len nichts baga­tel­li­sie­ren. Hin­ter jedem Feh­ler kön­nen schwe­re mensch­li­che Schick­sa­le ste­hen. Wir müs­sen die Risi­ken in der Medi­zin aber rich­tig ein­ord­nen, um Pati­en­ten nicht unnö­tig zu ver­un­si­chern“, so Cru­si­us wei­ter.

In einem State­ment beton­te Cru­si­us zu berück­sich­ti­gen, dass Deutsch­land eines der leis­tungs­stärks­ten Gesund­heits­sys­te­me der Welt habe. Zudem stie­gen die Behand­lungs­fäl­le in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch ins­ge­samt: „So stie­gen die ambu­lan­ten Behand­lungs­fäl­le zwi­schen den Jah­ren 2004 und 2015 um 160 Mil­lio­nen auf 696 Mil­lio­nen. Ähn­lich sieht es in den Kran­ken­häu­sern aus. Dort erhöh­te sich die Zahl der Behand­lungs­fäl­le im glei­chen Zeit­raum um mehr als 2,5 Mil­lio­nen auf fast 19,8 Mil­lio­nen. Gemes­sen an die­ser enor­men Gesamt­zahl der Behand­lungs­fäl­le liegt die Zahl der fest­ge­stell­ten Feh­ler Gott sei Dank im Pro­mil­le­be­reich.“

Die Behandlungsfehlerstatistik 2016 auf einen Blick

In 5.394 Fäl­len konn­te kein Behand­lungs­feh­ler fest­ge­stellt wer­denMicha­el Schirp

 

  • Ent­schei­dun­gen zu mut­maß­li­chen Behand­lungs­feh­lern: 7.639 (Vor­jahr: 7.215)
  • Tat­säch­li­che Behand­lungs­feh­ler: 2.245 (Vor­jahr: 2.132)
  • Risi­ko­auf­klä­rungs­man­gel als Ursa­che für einen Gesund­heits­scha­den: 1.845 Fäl­le
  • Häu­figs­ten Dia­gno­sen, die zu Behand­lungs­feh­ler­vor­wür­fen führ­ten: Knie- und Hüft­ge­len­kar­thro­sen, Unter­schen­kel- und Sprung­ge­lenk­frak­tu­ren
  • Gesamt­zahl der ambu­lan­ten Behand­lungs­fäl­le 2004–2015: 696 Mil­lio­nen (Stei­ge­rung um 160 Mil­lio­nen)
  • Gesamt­zahl der Behand­lungs­fäl­le in Kran­ken­häu­sern: 19,8 Mil­lio­nen (Stei­ge­rung um 2,5 Mil­lio­nen)