Pflegebedürftige werden oft zuhause versorgt
Knapp drei Viertel der Pflege­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land werden zuhause versorgt. Bild: Alexan­der Raths/Dreamstime.com

Die Zahl der Pflege­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land steigt weiter stark an. Im Dezem­ber 2015 waren demnach 2,86 Millio­nen Menschen als Pflege­fälle im Sinne des Pflege­ver­si­che­rungs­ge­set­zes (SGB XI) regis­triert. Im Vergleich zu zwei Jahren zuvor stieg die Zahl um 234.000 oder 8,9 Prozent. Das teilte das Statis­ti­sche Bundes­amt vergan­gene Woche mit. Seit 2001 beträgt der Zuwachs sogar 40,2 Prozent bzw. 821.000 Menschen. Fast drei Viertel (73 Prozent bzw. 2,08 Millio­nen) der Pflege­be­dürf­ti­gen wurden 2015 zuhause versorgt. Wei­tere 692.000 Pflege­be­dürf­tige lebten ebenfalls in Privat­haus­hal­ten. Bei ihnen erfolgte die Pflege jedoch zusam­men mit oder vollstän­dig durch ambulante Pflege­dienste. 27 Prozent (783.000 Pflege­be­dürf­tige) wurden in Pflege­hei­men vollsta­tio­när betreut.

Wachs­tum der Pflege­stufe I

Wie schon in den Vorjah­ren, steigt die Zahl der Menschen mit Pflege­stufe I beson­ders schnell. Hier nahm die Zahl der Fälle um 11,7 Prozent zu. In den pflege-inten­si­ve­ren Stufen II und III gab es dagegen „nur“ ein Plus um 6,4 bezie­hungs­weise 4,3 Prozent. Mit 64 Prozent waren knapp zwei Drittel der Pflege­fälle Frauen. Eine satte Mehrheit von 83 Prozent war mindes­tens 65 Jahre alt, 37 Prozent sogar älter als 85 Jahre.

Die Pflege­stufe III beträgt im Heim 20 Prozent

Im Vergleich zu 2001 ist die Anzahl der in Heimen vollsta­tio­när versorg­ten Pflege­bedürftigen um 32,4 Prozent (192.000 Pflege­be­dürf­tige) gestie­gen, bei den durch ambu­lante Pflege­dienste um 59,3 Prozent (258.000). Für die Pflege­geld­emp­fän­ge­rin­nen und ‑empfän­ger ergibt sich ein Anstieg von 38,4 Prozent bezie­hungs­weise 384.000 Perso­nen, bei der Zahl der zu Hause versorg­ten Pflege­be­dürf­ti­gen zusam­men beträgt der Wert 44,7 Prozent (641.000) und bei den Pflege­be­dürf­ti­gen insge­samt 40,2 Prozent (821.000).

Schwerst­pfle­ge­be­dürf­tige wurden zudem eher im Heim vollsta­tio­när betreut: Der Anteil der Pflege­be­dürf­ti­gen der Stufe III (höchste Pflege­stufe) betrug im Heim 20 Prozent – bei den zu Hause Versorg­ten 8 Prozent. Zudem liegt der Anteil der Pflege­be­dürf­ti­gen mit erheb­lich einge­schränk­ter Alltags­kom­pe­tenz im Heim mit 71 Prozent deutlich höher als bei den zu Hause Versorg­ten (Anteil von 31 Prozent).

Eine höhere Pflege­quote bei Frauen ab dem achtzigs­ten Lebens­jahr

Ein Blick auf die Anteile an der Gesamt­be­völ­ke­rung macht deutlich: Unter allen Bürgern im Alter zwischen 70 und 75 Jahren ist bundes­weit nur jeder Zwanzigste pflege­be­dürf­tig, bei den über 90-Jähri­gen dagegen zwei Drittel. Nicht in die Zahl der Pflege­fälle einge­rech­net sind die Perso­nen ohne eigent­li­che Pflege­stufe, jedoch „mit erheb­lich einge­schränk­ter Alltags­kom­pe­tenz“ (Pflege­stufe 0). Hierun­ter fallen noch einmal 180.000 Menschen.

Auffal­lend ist, dass Frauen ab circa dem achtzigs­ten Lebens­jahr eine deutlich höhere Pflege­quote auf­wiesen – also eher pflege­be­dürf­tig sind als Männer dieser Alters­grup­pen. So beträgt zum Beispiel bei den 85- bis unter 90-jähri­gen Frauen die Pflege­quote 44 Prozent, bei den Männern gleichen Alters hinge­gen „nur“ 31 Prozent. Neben Unterschie­den in der gesund­heit­li­chen Entwick­lung bei Frauen und Männern kann ein Faktor für diesen Verlauf der Pflege­quo­ten auch das diffe­rie­rende Antrags­ver­hal­ten bei Männern und Frauen sein: Ältere Frauen leben häufi­ger alleine. Bei Pflege­be­darf kann schnel­ler die Notwen­dig­keit bestehen, einen Antrag auf Leistun­gen zu stellen.

Knapp 1,1 Millio­nen Jobs in der Pflege

Für die profes­sio­nelle Versor­gung der Pflege­be­dürf­ti­gen stehen 13.300 ambulante Dienste mit insge­samt 356.000 Beschäf­tig­ten – darun­ter 87 Prozent Frauen – bereit. Seit 2013 hat die ambulante Pflege­bran­che 36.000 neue Jobs geschaf­fen.

Zudem gibt es rund 13.600 Pflege­heime in Deutsch­land, wovon mit 11.200 die weitaus größte Mehrheit die vollsta­tio­näre Dauer­pflege bietet. In den Heimen arbei­ten rund 730.000 Beschäf­tigte, auch hier ist mit 84 Prozent der weitaus größte Teil weiblich. Hier gab es seit 2013 ein Plus von 44.700 Arbeits­plät­zen.

Quelle: Desta­tis