Fakt #1

Die bipo­la­re Stö­rung heißt so, weil das Krank­heits­bild zwei Aus­prä­gun­gen kennt: die Manie und die Depres­si­on. Frü­her nann­te man die Krank­heit auch manisch-depres­siv. Die bipo­la­re Stö­rung gehört zu den häu­figs­ten psych­ia­tri­schen Krank­hei­ten in Deutsch­land, schät­zungs­wei­se 1,5 bis 5 Pro­zent der Bevöl­ke­rung sind betrof­fen. Vie­le Erkran­kun­gen blei­ben aber unent­deckt. Kenn­zei­chen der bipo­la­ren Stö­rung sind völ­lig über­stei­ger­te Stim­mungs­schwan­kun­gen, die ent­we­der ohne Anlass oder nach einer bestimm­ten Lebens­si­tua­ti­on auf­tre­ten. Der Betrof­fe­ne durch­läuft ein Wech­sel­bad von him­mel­hoch-jauch­zend (Manie) bis zu Tode betrübt (Depres­si­on). Der Ver­lauf kann dabei sehr indi­vi­du­ell sein, die manischen/depressiven Epi­so­den kön­nen Tage, Wochen, Mona­te oder auch Jah­re dau­ern, dazwi­schen kön­nen Pha­sen lie­gen, in denen der Betrof­fe­ne völ­lig beschwer­de­frei ist.

Fakt #2

Eine Manie (von alt­gr. „mania“ = Wut, Rase­rei, Wahn­sinn) äußert sich durch ein inten­si­ves Hoch­ge­fühl, gute Lau­ne und erhöh­te per­sön­li­che Leis­tungs­be­reit­schaft. Der Betrof­fe­ne emp­fin­det sich als außer­ge­wöhn­lich krea­tiv und schöp­fe­risch – er ist eupho­risch. Die Schwie­rig­keit liegt dar­in, dass der Mani­ker hart­nä­ckig leug­net, irgend­ein Pro­blem zu haben und dann ggf. gegen den eige­nen Wil­len in eine geschlos­se­ne Sta­ti­on ein­ge­wie­sen wird. Die eige­ne Hoch­stim­mung kann schnell in Gereizt­heit umschla­gen, auch hat der Pati­ent meist einen hohen Rede­drang gegen­über ande­ren und ist distanz­los. Gedan­ken­sprün­ge gehö­ren eben­so zu die­ser Krank­heit wie Sprung­haf­tig­keit im Han­deln: vie­les wird ange­fan­gen und kaum etwas zu Ende geführt. Auch mora­li­sche Schran­ken fal­len: oft ver­hält sich der Betrof­fe­ne sehr anders als er es im Nor­mal­zu­stand tun wür­de.

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Fakt #3

Die Depres­si­on ist das Gegen­teil von der Manie und äußert sich durch gedrück­te Stim­mung, Inter­es­sen­ver­lust, Freud- und Aus­drucks­lo­sig­keit. Der Antrieb ist deut­lich redu­ziert. Die Gefühls­welt ist erlo­schen – Den­ken, Han­deln und Kör­per sind betrof­fen. Wei­te­re wich­ti­ge Sym­pto­me kön­nen sein, dass der Betrof­fe­ne viel grü­belt und sich pes­si­mis­ti­sche Zukunfts­per­spek­ti­ven aus­malt. Appe­tit­ver­lust ist mög­lich, aber auch das Gegen­teil. Depres­si­ve kön­nen sich nur schwer kon­zen­trie­ren und haben Auf­merk­sam­keits­stö­run­gen. Auch fällt es ihnen schwer, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Schließ­lich tre­ten Gefüh­le der Wert­lo­sig­keit und Schuld­ge­füh­le hin­zu. Auch Sui­zid­ge­dan­ken sind mög­lich, die die­se Epi­so­de der bipo­la­ren Stö­rung sehr gefähr­lich machen.

Fakt #4

Bei der Behand­lung der bipo­la­ren Stö­rung muss man unter­schei­den, ob sie akut statt­fin­det, der Erhal­tungs­the­ra­pie dient oder der Rück­fall­vor­beu­gung. Im Akut­fall geht es dar­um, den Lei­dens­druck des Betrof­fe­nen zu redu­zie­ren und die Krank­heits­ein­sicht wie­der­her­zu­stel­len. In der Erhal­tungs­the­ra­pie wird die Situa­ti­on des Pati­en­ten wei­ter sta­bi­li­siert, um einen Rück­fall zu ver­hin­dern. Die Rück­fall­vor­beu­gung ist lang­fris­tig geplant und soll wei­te­re Krank­heits­epi­so­den ver­hin­dern. Wäh­rend der Akut­be­hand­lung wer­den Inter­ven­ti­ons­me­di­ka­men­te gege­ben, z.B. Anti­de­pres­si­va. Lang­fris­tig kom­men Stim­mungs­sta­bi­li­sa­to­ren wie Lithi­um zum Ein­satz. Psy­cho­the­ra­pie soll­te sich eher mit dem Hier und Jetzt (Krank­heit) als mit dem War­um beschäf­ti­gen.

Fakt #5

Der Roman „Die Welt im Rücken“ des Schrift­stel­lers Tho­mas Mel­le erhielt viel Lob im Feuil­le­ton. Mel­le beschreibt dar­in sei­ne eige­ne bipo­la­re Erkran­kung und wie er mit ihr im All­tag zurecht gekom­men ist. Die lite­ra­ri­sche Her­an­ge­hens­wei­se und die Sprach­ge­walt Mel­les ermög­li­chen einen neu­en, fri­schen und dif­fe­ren­zier­ten Zugang zur bipo­la­ren Stö­rung. Vie­le berühm­te Kul­tur­schaf­fen­de lit­ten oder lei­den an der bipo­la­ren Stö­rung, so bspw. auch die Star-Wars-Schau­spie­le­rin Car­rie Fisher. In den mani­schen Pha­sen lau­fen die­se Men­schen zu Hoch­form auf und sind krea­tiv und schöp­fe­risch tätig. Lei­der folgt dann irgend­wann der Absturz in die Depres­si­on.