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Die Ver­ur­tei­lung einer Heb­am­me und Ärz­tin wegen Tot­schlags durch Unter­las­sen wur­de nun vom Bun­des­ge­richts­hof (BGH) bestä­tigt. Im Jahr 2008 hat­te sie die Betreu­ung der schwan­ge­ren Neben­klä­ge­rin über­nom­men, bei wel­cher eine Becken­end­la­ge des Kin­des fest­ge­stellt wor­den war. Bei einer sol­chen Kinds­la­ge tre­ten nicht sel­ten Kom­pli­ka­tio­nen auf, sodass gege­be­nen­falls ein Not­kai­ser­schnitt erfol­gen muss. Die Heb­am­me sah sich selbst jedoch als Spe­zia­lis­ten für Becken­end­la­gen und galt zudem als Ver­fech­te­rin der Haus­ge­burt. Die berufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten von Heb­am­men sehen es vor, in so einem Fall die Geburt in eine kli­ni­sche Ein­rich­tung zu ver­le­gen. Dar­über war sich die Ange­klag­te im Kla­ren. Trotz des­sen hat hat sie zu einer Haus­ge­burt gera­ten. Die betrof­fe­nen Eltern waren extra aus dem Aus­land ange­reist und äußer­ten den deut­li­chen Wunsch kein Risi­ko ein­ge­hen zu wol­len und auch mit einem Kai­ser­schnitt ein­ver­stan­den zu sein.

Den­noch wur­de die Geburt schließ­lich in einem Hotel­zim­mer durch­ge­führt. Hin­zu kommt, dass die Ange­klag­te die Eltern erst nach bereits 12 Stun­den andau­ern­den Wehen auf­such­te, obwohl sie schon eine Stun­de nach dem Frucht­bla­sen­sprung infor­miert wor­den ist. Die Geburt ver­zö­ger­te sich stark und mit Ein­set­zen des Geburts­still­stan­des wuchs die Gefahr einer Sauer­stoff­man­gel­ver­sor­gung des Kin­des. Nach wie vor wur­de von der Heb­am­me kei­ne Ver­la­ge­rung in eine Kli­nik ver­an­lasst, trotz Kennt­nis der lebens­ge­fähr­li­chen Lage des Kindes.

Bei dem 18 Stun­den andau­ern­den Vor­gang erlitt das Kind einen Sauer­stoff­man­gel. Infol­ge­des­sen ver­starb es kurz nach der Geburt.

Die heu­te 62-Jäh­ri­ge hat­te gegen das Urteil des Lan­des­ge­richts Dort­mund Revi­si­on ein­ge­legt und woll­te Ver­fah­rens­feh­ler sowie sach­lich-recht­li­che Män­gel des Urteils gel­tend machen. Die Revi­si­on wur­de jedoch als unbe­grün­det befun­den und das Urteil des Land­ge­richts Dort­mund bestä­tigt. Die Ange­klag­te wur­de somit zu sechs Jah­ren und neun Mona­ten Haft ver­ur­teilt und unter­liegt einem lebens­läng­li­chen Berufs­ver­bot als Ärz­tin und Hebamme.