Rechts­de­pe­sche: Wel­che Auf­ga­ben ver­folgt die GTH aktu­ell und wie stellt sich die Zusam­men­ar­beit mit den Kol­le­gen aus Öster­reich und der Schweiz dar?

Span­nagl: Es geht bei der Arbeit der GTH letzt­end­lich um die Blut­ge­rin­nung, um das bio­lo­gi­sche Sys­tem Hämosta­se. Da gibt es zunächst einen Nor­mal­zu­stand – dane­ben aber auch einen Zustand der Min­der- und Über­ak­ti­vi­tät. Ers­te­rer hat zu tun mit Blu­tungs­nei­gung, der zwei­te mit Throm­bo­se- und Embo­lienei­gung. Das sind die Schwer­punk­te unse­rer Arbeit und zugleich auch die inter­na­tio­na­le Klam­mer für unse­re wis­sen­schaft­li­chen Fach­ge­sell­schaf­ten. Die Zusam­men­ar­beit mit Öster­reich und den deutsch­spra­chi­gen Kol­le­gen aus der Schweiz ist exzel­lent, schließ­lich reprä­sen­tiert die GTH die­se drei Natio­nen.

Rechts­de­pe­sche: Seit gerau­mer Zeit sind neue Medi­ka­men­te in der Throm­bo­se­prä­ven­ti­on und der The­ra­pie der Lun­gen­em­bo­lie ver­füg­bar. Wel­che Vor­tei­le bie­ten die­se neu­en Prä­pa­ra­te?

Span­nagl: Es geht vor allem um die Throm­bo­se- und Embo­lie­pro­phy­la­xe. Es gibt Tablet­ten, die bei spe­zi­fi­schen Indi­ka­tio­nen zur Anwen­dung kom­men. Im Gro­ßen und Gan­zen sind sie in der Wirk­sam­keit mit Vit­amin-K-Ant­ago­nis­ten und den nie­der­mo­le­ku­la­ren Hepa­ri­nen ver­gleich­bar. Der gro­ße Vor­teil besteht jedoch in der Mög­lich­keit der ora­len Ein­nah­me. Das gilt auch im Hin­blick auf die Risi­ken.

Rechts­de­pe­sche: Gibt es Krank­heits­bil­der bei denen die­se Medi­ka­men­te kon­tra­in­di­ziert sind?

Span­nagl: Der Ein­satz der neu­en Prä­pa­ra­te ist der­zeit auf die post­ope­ra­ti­ve in der ortho­pä­di­schen Chir­ur­gie begrenzt. Sie sind auch nicht geeig­net, wenn die Resorp­ti­on nicht gewähr­leis­tet ist.

RDG: Inwie­weit ergän­zen die neu­en Medi­ka­men­te die klas­si­schen phy­si­ka­li­schen Maß­nah­men der Medi­zi­ni­schen Anti­throm­bo­se­strümp­fe, der inter­mit­tie­ren­den Kom­pres­si­ons­the­ra­pie und der Früh­mo­bi­li­sie­rung?

Span­nagl: Bei den von Ihnen genann­ten Maß­nah­men han­delt es sich um Basis­maß­nah­men, die medi­ka­men­tö­se Maß­nah­men ergän­zen. In bestimm­ten Kon­stel­la­tio­nen erlan­gen auch die Basis­maß­nah­men einen zusätz­li­chen Stel­len­wert. Als Ergän­zung zum medi­ka­men­tö­sen Regime kann daher durch­aus eine Berech­ti­gung bestehen. Die Medi­ka­men­te sind jedoch in dem brei­ten Ein­satz der uner­läss­lich.

Rechts­de­pe­sche: Befasst sich die GTH mit den haf­tungs­recht­li­chen Aspek­ten des Embo­lie- und Throm­bo­s­e­the­mas?

Span­nagl: Nein. Wir füh­ren kei­ne akti­ve Dis­kus­si­on zu juris­ti­schen The­men und ertei­len kei­ne recht­li­chen Emp­feh­lun­gen. Das ist nicht unse­re Auf­ga­be. Der Schwer­punkt liegt auf der medi­zi­ni­schen Arbeit zur Zulas­sung und zum bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch der Medi­ka­men­te. Aller­dings wer­den unse­re Kon­sen­sus­do­ku­men­te anwalt­lich über­prüft.

Rechts­de­pe­sche: Gibt es eine Per­spek­ti­ve für die Zeit nach der Ver­mark­tung der Fak­tor-Xa-Hem­mer?

Span­nagl: Da gibt es sicher eine wei­te­re Aus­deh­nung der Indi­ka­ti­ons­ge­bie­te zur ver­län­ger­ten Pro­phy­la­xe nach ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen oder ver­län­ger­ten Pro­phy­la­xe nach Venen­throm­bo­se oder Lun­gen­em­bo­li­en, viel­leicht auch in der Pri­mär­pro­phy­la­xe bei wei­te­ren Risi­ko­kon­stel­la­tio­nen. Ich schät­ze, dass dies in den nächs­ten Jah­ren gesche­hen wird.

Das Inter­view führ­te Micha­el Schanz.