Ergebnispräsentation
Ergeb­nis­prä­sen­ta­ti­on Del­pHi-MV-Stu­die.Dirk Förger/DZNE

So lan­ge wie mög­lich zu Hau­se leben – das ist der Wunsch vie­ler Men­schen mit und ihrer betreu­en­den Ange­hö­ri­gen. Um dies zu ermög­li­chen, über­prü­fen Greifs­wal­der und Ros­to­cker For­scher in der „Del­pHi-MV-Stu­die“ ein inno­va­ti­ves und deutsch­land­weit ein­ma­li­ges Ver­sor­gungs­kon­zept: das Demen­tia Care Manage­ment. Dabei wer­den nie­der­ge­las­se­ne Haus­ärz­te durch spe­zi­ell qua­li­fi­zier­te Pfle­ge­fach­kräf­te, die soge­nann­ten Demen­tia Care Mana­ger (DCM), unter­stützt. Die DCM besu­chen Pati­en­ten und deren Ange­hö­ri­gen zu Hau­se und erfas­sen und ver­bes­sern sys­te­ma­tisch die per­sön­li­che Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on. Den aktu­el­len Stand der Stu­die dis­ku­tier­ten die betei­lig­ten Wis­sen­schaft­ler des Deut­schen Zen­trums für Neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ve Erkran­kun­gen (DZNE) und des Insti­tuts für Com­mu­ni­ty Medi­ci­ne der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald sowie die nie­der­ge­las­se­nen Haus­ärz­te ges­tern in einem Sym­po­si­um. Anlass war die erfolg­reich abge­schlos­se­ne Rekru­tie­rungs­pha­se.

Wissenschaftler des DZNE
V.l.n.r.: Dr. Kers­tin Werne­cke, Koor­di­na­to­rin DZNE Ros­tock-Greifs­wald; Prof. Ste­fan Tei­pel, Stell­ver­tre­ten­der Stand­ort­spre­cher DZNE Ros­tock-Greifs­wald; Dr. Sabi­ne Hel­ling-Moe­gen, Admi­nis­tra­ti­ver Vor­stand DZNEDirk Förger/DZNE

Mehr als 130 Haus­ärz­te aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern und über 630 Pati­en­ten neh­men inzwi­schen an der Del­pHi-MV-Stu­die teil. Die Aus­wer­tung der erho­be­nen Daten zeigt schon jetzt einen deut­li­chen Hand­lungs­be­darf und auch Hand­lungs­mög­lich­kei­ten hin­sicht­lich der Früh­erken­nung von sowie der bedarfs­ge­rech­ten Behand­lung und Ver­sor­gung der betrof­fe­nen Pati­en­ten. Die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se der Stu­die wur­den in ver­schie­de­nen inter­na­tio­nal aner­kann­ten Fach­jour­na­len publi­ziert. Alle Stu­di­en­teil­neh­mer wer­den in jähr­li­chen Abstän­den befragt, um die Wirk­sam­keit des im Rah­men der Stu­die erprob­ten Demen­tia Care Manage­ments zu über­prü­fen.

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Demen­zi­el­le Erkran­kun­gen sind kom­plex und betref­fen neben phy­si­schen auch psy­cho­lo­gi­sche, sozia­le und recht­li­che Aspek­te. „Wir benö­ti­gen umfas­sen­de Ver­sor­gungs­lö­sun­gen, die auf die Betrof­fe­nen und ihre pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen indi­vi­du­ell zuge­schnit­ten sind“, so Pro­fes­sor Wolf­gang Hoff­mann, Stand­ort­spre­cher des DZNE Rostock/Greifswald und geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Insti­tuts für Com­mu­ni­ty Medi­ci­ne. Dafür pro­to­kol­lie­ren die Demen­tia Care Mana­ger zum Bei­spiel die gesund­heit­li­chen Beschwer­den, die Medi­ka­ti­on und die Häu­fig­keit von Arzt­be­su­chen der Pati­en­ten. Auch die Ver­sor­gung durch ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te oder die Belas­tung der Ange­hö­ri­gen wer­den erfasst. Dadurch ist es mög­lich, den indi­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­be­darf auf ärzt­li­cher, pfle­ge­ri­scher, medi­ka­men­tö­ser, psy­cho­so­zia­ler und sozi­al­recht­li­cher Ebe­ne fest­zu­stel­len und zu adres­sie­ren.

Mit Hil­fe eines eigens ent­wi­ckel­ten Com­pu­ter­sys­tems erstel­len die Betreu­ungs­ma­na­ger für jeden Pati­en­ten einen indi­vi­du­ell maß­ge­schnei­der­ten Behand­lungs- und Ver­sor­gungs­plan, der an den behan­deln­den Haus­arzt wei­ter­ge­lei­tet wir. Der Haus­arzt prüft die Vor­schlä­ge und ent­schei­det, wel­che Maß­nah­men tat­säch­lich ein­ge­lei­tet und in Koope­ra­ti­on mit dem Demen­tia Care Mana­ger umge­setzt wer­den sol­len. Sie besu­chen die Pati­en­ten dann min­des­tens ein hal­bes Jahr lang regel­mä­ßig zu Hau­se. Dabei wird der Inter­ven­ti­ons­plan umge­setzt und indi­vi­du­el­le Hil­fe­stel­lun­gen im Umgang mit der Erkran­kung gege­ben. Ziel ist, eine gute und dau­er­haf­te Ver­sor­gung sicher­zu­stel­len. „Wir möch­ten die Men­schen mit Demenz und ihre Fami­li­en mög­lichst früh­zei­tig in das regio­nal ver­füg­ba­ren Gesund­heits­sys­tems ein­bin­den und so die Lebens­qua­li­tät der Pati­en­ten ver­bes­sern und ihre Ange­hö­ri­gen ent­las­ten“, so Hoff­mann.

Das Kon­zept wird im Rah­men der Del­pHi-MV-Stu­die (Abkür­zung für: „Demenz: lebens­welt­ori­en­tier­te und per­so­nen­zen­trier­te Hil­fen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern“) seit 2012 umge­setzt und auf sei­ne Wirk­sam­keit über­prüft. Die Rekru­tie­rung der Stu­di­en­teil­neh­mer ist nun abge­schlos­sen. Die­sen wich­ti­gen Mei­len­stein haben die For­scher nun zum Anlass genom­men, nie­der­ge­las­se­ne Haus­ärz­te zu die­sem Sym­po­si­um in Greifs­wald ein­zu­la­den, ers­te inter­na­tio­nal publi­zier­te Stu­di­en­ergeb­nis­se vor­zu­stel­len und rege zu dis­ku­tie­ren.